Punk ist…

erstmal fürn Eimer!

Jeder von uns kennt es, dieses Schubladendenken, diese klischeebehafteten Blicke, die offenkundige Abneigung gegenüber Dingen die wir nicht verstehen oder verstehen wollen. Punks, HipHopper, Raver….irgendetwas stört uns an vielen Dingen, besonders an Subkulturen mit ihren eigenen „Regeln“, ihren eigenen Riten reiben wir uns immer wieder. Jugendkulturen gilt dabei stets unsere Aufmerksamkeit, denn die Jugend bildet die Gesellschaft von morgen, prägt das zukünftige Miteinander für Alt und Jung. Alles Weisheiten die nicht neu sind, dennoch auch mir mal wieder in Erinnerung gerufen werden dürfen. Dem geneigten Leser wird bekannt sein, dass ich meinen Blog unter dem Pseudonym „Kuschelpunker“ betreibe, dieser Nickname kommt nicht von ungefähr. Ich möchte heute auf den zweiten Teil meines Nicks eingehen – „Punker“.

Punk ist eine Jugendkultur, die Mitte der 1970er Jahre in New York und London entstand. Charakteristisch für den Punk sind provozierendes Aussehen, eine rebellische Haltung und nonkonformistisches Verhalten.

( Wikipedia )

Ist mit dieser Einleitung in den Beitrag von Wikipedia schon alles gesagt, erklärt es die Grundzüge und ist ausreichend um mit der Subkultur im Reinen zu sein? Mitnichten meine lieben Leser! Hier geht es nicht nur um eine Jugendkultur, hier geht es auch um ein Lebensgefühl das sich bis ins Alter fortführt. Ich habe mir mal Gedanken gemacht wie ich, vor allem den Heranwachsenden erklären könnte das der Punk an sich handzahm und nicht so abschreckend ist wie er oft dargestellt wird.

Was ist ein Punk?

Einfach Antwort: Er/Sie (ich werde im Verlauf dieses Posts männlich von Punks sprechen, erleichtert das Schreiben!) ist ein Mensch der, meist in der Jugend gefallen an Musik findet die sich nicht durch hohe Verkaufszahlen auszeichnet. Hierbei geht es um aggressive Musik, E-Gituarren, Schlagzeug und Bass. Durch, die oft deutschen Texte wird ein Weltbild kreiert das nicht konform geht mit den Erzählungen der Eltern aus deren vergangenen Lebensjahren oder der Gegenwart. Bewusst bewegt man sich in eine Ecke, die nicht überfüllt ist von Schminke, Popmusik mit lapidaren Texten oder dem Streben nach Konformität und Akzeptanz. Letzteres hängt natürlich vom eigenen Charakter ab, denn wer Akzeptanz sucht wird auch hier fündig werden.

Erst in späteren Jahren bildet sich dann so etwas wie eine politische Meinung heraus, ein eigenes Bewusstsein für den Charakter der gesellschaftlichen Normen und Konfessionen. Wenn dies vor oder zeitgleich mit dem Einfluss der Musik geschieht ist das schön, passiert aber eher weniger. Bis hierhin ist die „Laufbahn“ vergleichbar mit jeder anderen Linken Gruppierung.

Wann bin ich ein Punk?

Keine Ahnung. Einen Punk zu definieren heißt ihn und den Begriff ein zu schränken. Dies definiert jeder anders und das muss er auch. Der eine braucht einen Irokesen Haarschnitt, der andere einen Lederjacke mit Nieten besetzt und wieder einer „muss“ auf der Straße oder in besetzten Häusern wohnen um sich als Punk zu fühlen. Wilde Frisuren, Springerstiefel und Hosen die soweit von Maßhosen entfernt sind, wie die Erde vom Mars, sind aber offene Erkennungsmerkmale an denen sich der „Jungpunk“ orientieren könnte. Ich schreibe mit Absicht im Konjunktiv, denn bestimmen sollte jeder für sich. So etwas wie Gruppenmerkmale gibt es eigentlich nicht, dennoch sind Punks einer Uniformität doch näher als ihnen lieb ist.

Welche Musik muss ich als Punk hören?

Erstmal muss gesagt sein, man „muss“ gar nichts bestimmtes hören! In der Regel hört ein Punk aber Musik außerhalb der Charts, vieles dreht sich um sog. „Undergroundbands“ die als solche oft nur wenige Monate existieren und dann entweder „Stars“ in der Szene werden, dementsprechend auch eine hohe Plattenverkaufszahl aufweisen können, oder sie verschwinden auf Grund innerer musikalischer Differenzen. Bands wie „Die Toten Hosen“ oder „Die Ärzte“ gelten oft als verpönt, da sie zu Mainstream sind und sich auf den Konzerten das rumtummelt was als „H&M-Punks“ oder „Modepunks“ bezeichnet wird. Zu dem ist der Eintrittspreis nicht das was als moderat bezeichnet werden kann. Kleine Club- oder Haus der Jugend-Konzerte ziehen oft mehr, da man dort für wenig Geld meist unter „seinesgleichen“ ist. Da ich auf all diesen Konzerten schon gewesen bin darf ich das hier mal unterstreichen, die Sichtweise ändert sich aber mit dem Alter und der Verweildauer in der Szene. Gern genommen sind auch Ska und Reggae, teilweise hab ich auch schon „stinknormalen“ Rock gehört, der Freiheit sind hier keine Grenzen gesetzt!

Womit wir beim nächsten Thema währen:

Muss ich als Punk alles toll finden und tolerieren?

Einen Scheißdreck muss man! Jeder ist ein Mensch mit seinen Vorlieben und Abneigungen, egal zu welcher Szene er sich zugehörig fühlen mag. Auffällig ist jedoch, das mag der ein oder andere Punker nicht gern hören, dass die Grundrechte meist auffallend konsequent vertreten werden.

Im besonderen:

Artikel 3

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

(Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland) – den 1. Passus habe ich weggelassen, da er hier nicht wichtig ist.

Die „goldene“ Ausnahme bilden hierbei natürlich die Menschen mit faschistischer Weltanschauung und jene, die gegen den Artikel 3 auffallend offen verstoßen.

Punks und Skinheads, das passt doch eigentlich nicht!

Ganz klares „JAIN“. Glaubt man den Medien, was nach meinem Befinden nicht für eine Meinungsbildung ausreicht, ist jeder Skinhead ein stupides faschistisches Wesen. Interessant. Sehr interessant. Bedenkt man doch, die Skinheads kommen ursprünglich aus England und haben mit Faschismus nichts am Hut gehabt. Reggae, Ska und die ursprüngliche Form des OI! sind bevorzugte Musikrichtungen gewesen. Wem diese nicht bekannt sind, der bemühe doch bitte die Suchmaschine seine Vertrauens. Die heutigen „Glatzen“ lassen sich in verschiedene Richtungen gliedern, ich führe hier nur die Oberbegriffe auf: Rechts, Links und OI! (neutral) Eine passt nicht in die Reihe, finde heraus wenn du mögen darfst und wen nicht.

Abgesehen von der Straße trifft man die oben genannten Subkulturen aber auch in den Stadion der Republik.

Als Punk bin ich automatisch Fan des FC St. Pauli!

Bist du nicht junger Freund. Ich habe auch von Punks gehört die zum Hamburger Vorstadtverein gehen, auch so etwas gibt es. Weiter muss man, wohnt man z.b. in Wolfsburg, nicht Fan des magischen FC´s sein. Lokalpatriotismus, gerne verpönt der Begriff, hält hier Einzug in die Gefühlswelt eines jeden Menschen, ob nun Punk oder nicht. Sich einen KaPu mit dem Totenkopf über zu ziehen ist nicht automatisch eine Verpflichtung zu Spielen zu fahren oder jeden Stadiongesang zu kennen.

Aber ich muss als Punk doch Alkohol trinken und Drogen nehmen, oder zumindest rauchen?

Never! Ich habe in meiner „aktiven“ Zeit keine harten Drogen zu mir genommen, habe mir nichts gespritzt oder ähnliches. Der Alkohol hilft vielleicht in einigen schwierigen Situationen, aber er hilft eben nur für den Moment. Ich habe Punks kennengelernt, die weder getrunken noch geraucht haben und zum „Punksein“ gehört auch zu seinen Überzeugungen zu stehen.

Ihr habt hier einige Vorurteile gelesen, die ich so mitbekommen habe, bzw. Fragen die mir gestellt wurden. Einiges mag euch überspitzt vorkommen, dennoch ist es mir in den letzten Jahren so passiert. Immer wieder kamen die „Kleinen“ an und eiferten den älteren nach, dass dies nicht ansatzweise dem Geist des Punk entspricht wussten sie nicht, wie konnten sie auch wenn es ihnen niemand erklärt.

Das, für mich, schlimmste daran ist, dass ausgerechnet denen nachgeeifert wird, die lediglich ihren Alkoholismus hinter dem Begriff „Punk“ verstecken. Es spricht nichts dagegen zu trinken, man benimmt sich auch mal daneben, aber neben der ganzen Provokation ist Punk auch immer noch eine Subkultur, die unter anderem auch durch politisches und soziales Denken beeinflusst wurde und auch immer noch wird. Altenpfleger, Sozialarbeiter sogar kleine Unternehmer finden sich zwischen all den Punks. Viele haben das Abitur, studieren oder gehen mit Anfang 20 schon Berufen nach, das Klischee des Sozialschmarotzers ist überholt und ein Stereotyp der nur von denen gebraucht wird, die sich nicht trauen selbst einmal aus zu brechen, sich einen Hauch von Individualität an zu eignen. Punk ist nicht nur Assitum, Punk ist auch in der Bahn ein weinendes Kind mit seiner Ratte zum Lachen zu bringen. Punk ist auch, der älteren Dame im Bus einen Sitzplatz an zu bieten! …und ja, einer Mutter ihren Kinderwagen hochtragen helfen ist genauso Punk!

Ich habe keine Erwartungen an das was nach mir in den Iro, die Springerstiefel und die Nieten- und Bomberjacken schlüpft…vielleicht doch…vielleicht wünsche ich mir nur das sie sich auch engagieren, vielleicht an Fanzine schreiben oder sich mit anderen zu sozialen Themen auseinandersetzen, sich viel unterhalten um mehr von anderen Menschen zu erfahren, denn leider sind viele Menschen von sich so eingenommen, dass die Scheuklappen schon fast zu sind, dies gilt auch für viele Punks, die sich gerne mal für die Weltverbesserer schlechthin halten. Vielleicht wünsche ich mir weniger Frechheiten, dafür mehr kesse Menschen die mich anschnorren ( was man im übrigen nur dann tut wenn man es muss! ), Kreativität…einen lockeren Spruch auf den Lippen über den man schmunzeln kann.

Kleingeld, Spielgeld, Schwarzgel!“ oder

Eine Kollekte für Verdreckte!“ vielleicht auch

Kleingeld, Großgeld, Spielgeld, Kreditkarten, Autoschlüssel, Haustürschlüssel!“ – so etwas in der Art vielleicht.

Manchmal komme ich mir ein wenig antiquiert vor mit meiner Meinung, aber ich bin Punk genug um dazu zu stehen! Sei du es auch!

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