Gedankenflippertag

Ich saß heute den ganzen Nachmittag vor dem PC, ich starrte fassungslos auf Tweets, Blogbeiträge und Nachrichtenseiten. Keine Ahnung wie oft ich versuchte einen Blogpost zu schreiben, keine Ahnung wie oft ich verzweifelt abbrach, von meinen Emotionen übermannt. Seit Tagen, ach was, seit Wochen lese und höre ich immer wieder Dinge, die direkt oder indirekt mit Menschen zu tun haben, die flüchten mussten.

Ich war und bin mir nicht sicher wie oft ich diverse „Fakten“, Interviews und/oder bekennende Anteilnahme gelesen habe. Ein paar Dinge sind mir dabei aufgefallen und sie beginnen mich immer mehr zu stören.

Asylkritiker/Asylgegner/besorgte Bürger“ sind Rassisten! Es gibt da für mich auch keine Grauzone, die „goldene Mitte“ gibt es hier nicht.

Das was in Freital, Heidenau usw. passierte ist nichts was einfach so passiert ist. Tut nicht so, als habe ein Mensch an einer Wunderlampe gerieben und schwupps, geboren ist der Rassismus. Xenophobie hat sicherlich viele Ursachen, aber keine Wunderlampe!

Was sich auf einigen Geburtstagsfeiern abspielt ist das was uns direkt betrifft. Wenn Onkel „Hans“ seine Stammtischparolen zum Besten gibt und wir stumm daneben sitzen. Wir gehen ein Bierchen trinken und eine Person in der Nähe gibt sich als „besorgter Bürger“ zu erkennen, dann dürfen wir nicht die klappe halten. Der Alltagsrassismus ist es, der seit Jahren unter uns brodelt, der einen tollen Nährboden in der Unzufriedenheit der Menschen findet. Menschen haben Angst und Angst treibt die Menschen, auch in Richtungen, die mir, die uns nicht gefallen. Angst ist ein toller Motor, sollte bekannt sein.

Es wird von Quoten gesprochen, es wird vom entschiedenen Dagegenstellen gesprochen. Ich wage da mal eine steile These:

Wenn ein Politiker von „dagegenstellen“ spricht, kann ich nicht davon ausgehen das dieser Mensch sich in der Nacht vor ein Flüchtlingsheim stellt…oder einfacher: sich an einer Demo beteiligt? Eher selten, oder? Wenn ich also davon mal ausgehe, dann thesiere ich mal weiter: Es sollen sich also Polizisten, männlich und weiblich, dagegen stellen. Da Polizisten typischer weise in der Nähe ihrer Dienststelle wohnen, ich gehe von einem Radius von 50-150 Kilometern aus, ist es doch durchaus möglich das besagte Polizisten eher den Einheimischen, denn „Fremden“ (hier ist es egal ob Flüchtling, oder Antifaschist), wohlgesonnen sind. Hm…selbst wenn also, davon ist erst einmal auszugehen, Polizisten ihren Job machen, so sind es doch auch Menschen, oder? Menschen mit Nachbarn, mit Sorgen, mit Meinungen. Können Menschen von null auf gleich, also wenn es losgeht mit dem „Dagegenstellen“ alles ausblenden. Wir möchten es erwarten, funktioniert aber wohl nur in der Theorie.

Zum Thema (Asyl-/Flüchtlings-)Quote:

Es sollte beschämend sein Menschen als Zahlen zu deklarieren…sollte. Eine Entmenschlichung von Schicksalen, eine sture Bearbeitung von Papieren trägt nicht zum allgemeinen Verständnis bei. Habe ich mir sagen lassen. Die Kolonialisierung des afrikanischen Kontinents hat maßgeblich zum Zusammenbruch vieler Länder geführt. Wer denkt ich spreche hier nur von dem französischen, oder dem portugiesischen Staat, der lese bitte mal das Kapitel über die deutsche Geschichte vor dem 1. Weltkrieg. Das weiterhin Waffenexporte gefördert werden ist nicht nur vor diesem Hintergrund eine Perversion, aber eine Exportquote ist ja eine Quote die ohne Diskussion gerne erfüllt wird.

Wo ich gerade bei der Verallgemeinerung bin. Ich finde es höchst bedenklich, wenn sich die Linke (ich meine nicht die Partei!) auf Verallgemeinerungen herablässt. Mit einem mal ist ganz Sachsen pauschal mal eben „dumm“, „asozial“, alle sind Faschisten und prügelnde Hooligans? Irgendwie klingt das für mich ein wenig nach „Ich bin kein Nazi, aber…“ – „Ich habe nichts gegen Ausländer, aber“ – „Ich habe nichts gegen die Sachsen, aber…“ – bin nur ich das, der da durchaus eine Ähnlichkeit liest/hört? Durch diese Verallgemeinerung wird ein Feindbild (als Gruppe unbekannter Mitmenschen) kreiert. Haben antifaschistische Menschen das noch nötig? Oder auch: Warum bedienen sich Antifaschisten den sprachlichen Gebaren der Faschisten? Verstehe ich nicht. Haben wir doch nicht nötig, oder?

Ich habe irgendwann auf irgendeinem Blog (ja, ich weiß, genaue Quellenangabe könnte sinnvoll und nett sein…aber die kann ich euch ausnahmsweise nicht geben, da ich den Post nicht mehr finde) neulich gelesen, man solle die Rassisten nicht so lächerlich machen, sie nicht auf eine Rechtschreibschwäche, oder allgemein, ihre Bildung reduzieren. Ich musste ein wenig nachdenken, habe dann aber für mich entschieden das ich das durchaus als Methode sehen kann mich mit diesen Menschen auseinander zu setzen. Eines tue ich aber keinesfalls, einen Rassisten unterschätzen. Es mag sein das ein wenig Interesse an Geschichte fehlt, oder die Recherchefähigkeiten sehr eingeschränkt sind, vielleicht fehlt auch die Fähigkeit Zusammenhänge zu erkennen, aber das ein Rassist von seiner Ideologie überzeugt ist, das macht diese Kreature gefährlich. Jeder von uns kann, mit der nötigen Überzeugungskraft, ein prima Demagoge sein. Oft genug fruchten bei unseren Mitmenschen weniger Fakten, denn das Spielen, bzw. forcieren mit und von Emotionen.

So, da hab ich jetzt, nach vielen Stunden tatsächlich noch was (halbwegs) lesbares vollbracht. Es sind etwas ungeordnete Gedanken, aber meine Gedanken spielen seit 2 Tagen auch eher Flipper, als das sie irgendeine Ordnung erkennen lassen könnten.

Ach, ehe ich es vergesse:

Rassistische Kommentare lösche ich kommentarlos, oder lasse sie gar nicht erst zu.

…und nein, dass ist keine Zensur! Zensur geht vom Staate aus, der ich, bzw dieser Blog definitiv nicht ist oder sein kann. Ich nehme lediglich eine redaktionelle Aufgabe war und das auch sehr gerne!

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