Verlust

Es passiert, das Leben und der Tod. Jeder Mensch hat seine eigene Art mit Leben und Tod um zu gehen, es sollte jedem gestattet sein. Jeden Tag stellen wir die Weichen für einen oder mehrere darauf folgende Tage, diese Entscheidungen treffen wir bestenfalls allein und so das wir uns, erhobenen Hauptes, noch im Spiegel ansehen können. Es ist schwer genug, diese Aufgabe sollte niemand unterschätzen.

Wir haben jeden Tag mit uns und auch anderen Menschen zu kämpfen, mit Beziehungen, mit Zerwürfnissen, mit Freud und auch mit Leid. Ein Mensch steckt das gut weg und kommt, mehr oder weniger entspannt, durch sein Leben, andere können dies eben nicht und brauchen unsere Unterstützung.

So wie es mit dem Leben ist, so ist es auch mit dem Tod. Jeder Mensch sollte hier den eigenen, frei gewählten Weg der Bewältigung gehen. Manch einer mag es einen derben Witz über den oder die Verstorbenen zu machen, ein anderer braucht Monate um so einen Verlust zu verarbeiten. Die Verarbeitung eines Verlustes ist keine Sache die wir mal eben, in 2 Gläsern Wein ertränkend, an einem Abend abhaken. Wünschenswert, aber gerade bei nahestehenden Personen doch eher unüblich. Ich bin einiges über 20 Jahre auf dieser Welt und der Tod, der Verlust, ist leider ein ungeliebter Begleiter geworden, ich denke das wird einigen meiner Mitmenschen so ergehen.

Heute verloren viele Menschen ihr Leben, sie verloren es auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf als ein Flugzeug abstürzte. Schulkinder, Erwachsene vieler Altersklassen, Frauen, Männer, es ist nicht wichtig. Es starben Väter, Mütter, Söhne, Töchter, Freunde und die Hinterbliebenen haben eine schwere Last zu tragen. Sicherlich werden sie sich viele Fragen stellen, werden einen Grund für den Tod eines geliebten Menschen, vieler geliebter Menschen suchen. Auf diese Fragen wird es schwer eine Antwort zu finden. Wenn eine gefunden wird, wird sie dann zufriedenstellend sein?

Eine Sondersendung jagt die nächste und ein Experte ist schlauer als der andere. Doch haben wir, die wir nicht direkt beteiligt sind, daran wirklich ein Interesse? Wollen wir wissen wie genau was und wann passierte? Ist es nicht vielleicht eher so, wir werden mit unseren eigenen Verlusten wieder konfrontiert und erleben so erneut einen Verlust, den wir vielleicht grade erst verarbeitet haben? Ist der Tod von ca 140 Menschen von so großem öffentlichen Interesse, dass wir stündlich, manchmal minütlich, mit grausamen Vermutungen konfrontiert werden müssen? Ist es in unserem Interesse trauernde Menschen zu sehen, zu sehen das ihnen in ihrer Stunde der Trauer, die Anonymität ihres Empfindens genommen und durch die Gier nach einer frischen Nachricht ersetzt wird? Weinende, am Boden zerstörte Menschen, die vielleicht nicht mal wissen wohin mit sich und ihrer zerstörten Welt, müssen sich später im Fernsehen sehen, ob sie es wollten oder nicht. Man stelle sich vor, ein Vater, eine Mutter, sie schlafen länger und müssen aus dem Fernsehen erfahren das ein Mitschüler, eine Mitschülerin ihres Kindes verstarb…und Sekunden später die Erkenntnis erhalten, ihr Kind saß ja mit dem anderen Kind zusammen. Der Wille einer freien Entscheidung wird Menschen in ihrer schweren Zeit genommen, ausgerechnet in der Zeit, in der sie so dringend benötigen würden.

Die Frage nach dem Sinn eines Besuchs von Ministern und Kanzlerin an der Unglücksstelle, sie kann sich mir nicht stellen. Kein Politiker kann mir erzählen das nicht auch eine Telefonkonferenz genügend Auskünfte geben könnte. Wie würde es mir gehen, würde ich einen Minister am Unfallort sehen, der sich durch seine Trauer profiliert, den Tod meines Verwandten, oder Freundes nutzt um sich Wahlwirksam ins Licht zu setzen? Ich weiß es nicht, ich trauere anonym, ich wähle es es so….ich habe die Wahl, den Angehörigen der heute Verstorbenen wird sie durch Presse und Politik verweigert!

Mein Beileid!

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