Manipulation in den eigenen Reihen

Es ging ein Ruck durch die Medien, mal wieder. Attentat in Boston, Tote und Verletzte. Boston, man einer kennt es aus dem Geschichtsunterricht, oder von den Sportvereinen, denen durchaus der ein oder andere Meistertitel in ihrer Sparte gelungen ist. Interessieren tut in diesen Tagen nur das Attentat beim Bosten Marathon. Zwei Bomben im Zieleinlauf, zwei Bomben, die, wie sollte es anders sein, viele Fragen aufwerfen.

Abgesehen von den offensichtlichen Fragen (Wer? Wie? Was? Wieso? Weshalb? Warum?), hat sich mir nur eine Frage gestellt: Darf ich mich darüber aufregen, darf ich meinen Fokus auf genau dieses Vorkommnis lenken? Als die ersten Nachrichten, die ersten News auftauchten, als die ersten Tweets geschrieben und der erste Schock verdaut war, da kamen sie schon, die Tweets, die einem unweigerlich ein schlechtes Gewissen machen wollten. Was ist mit Irak, was ist mit dem Iran, Palästina und vor allem, wer denkt denn an die Kinder? Ich nicht, nicht in diesen Minuten. Ich hatte es auch in den Minuten danach nicht vor. „NEWS“ bedeutet „Neuigkeiten“, bedeutet es wird aktuell über ein Thema berichtet das Einschaltquoten bringt, ein Thema das vor wenigen Minuten aktuell wurde. Etwas das nicht zum 10. mal in 10 Sekunden runtergesprochen wird, oder gesprochen werden muss. Das sind „NEWS“.

Selbstverständlich verdränge ich für einige Minuten die getöteten Zivilisten in Syrien oder die toten Wale, ich vergesse auch für einen Moment meine alltäglichen Probleme. Es gibt Augenblicke, da bin ich mit meinen Gedanken nur bei einer Sache. Ich habe das Recht dazu, ich nehme mir auch das Recht dazu. Ich bin in meinen Gedanken frei, jeder Mensch ist in seinen Gedanken frei, die Gedanken sind frei. Gedanken sind das Einzige was man uns nicht nehmen, was man von uns nicht direkt kontrollieren kann. Kein Gesetz, kein Gebet kann mich davon abbringen frei zu denken und zu fühlen.

Emotionen begleiten uns jeden Tag, sie sind es mit denen Medien spielen. Freude, Liebe, Ärger, Hass, Neid, die Liste ließe sich noch verlängern. Werbeprofis wissen von was ich spreche. Für den Laien sei an dieser Stelle das AIDA-Prinzip angeführt. (Attention-Interest-Desire-Action). Bei den, von Chefredakteuren, täglich gemachten Schlagzeilen verläuft es ähnlich. Es muss jedem bewusst sein, wir werden manipuliert, mit jeder Schlagzeile, mit jedem Filmbeitrag. Es muss blutig sein, es muss erschreckend, schockierend sein und es vor allem Stoff für eine Fortsetzung haben. Jeder von uns unterliegt diesen Mechanismen, TV, Radio, Blogs, wir können uns davon nicht frei machen. Schlimm wird es für mich immer dann, wenn Menschen auf die Idee kommen mich in einem manipulierten Moment darauf aufmerksam zu machen. Ich bin mir dessen bewusst, ich weiß das ich manipuliert werde, aber ich kann mich nicht in 10 Sekunden auf 100 verschiedene Probleme konzentrieren. Auch wenn dieser Moment vorbei ist, ich entscheide was mich nervt, ich entscheide wen oder was ich für welches Handeln auch immer vorverurteile, bzw. verurteile. Jeder Mensch hat sein Steckenpferd. Der Eine echauffiert sich über Steuerhinterziehung, der Andere kriegt Würgereize, denkt er an den Bürgerkrieg in Syrien. Doch zwischen all dem muss es auch einmal Zeit geben sich tagespolitisch für andere Dinge zu interessieren. Vorwürfe, das ist es was viele Menschen machen können. Ein Vorwurf wird von dem nächsten Vorwurf gefolgt. Wofür manche Menschen stehen verstehe ich schon lange nicht mehr. Menschen sollen sich interessieren, sollen sich engagieren und nicht nur an sich denken, doch Vorwürfe motivieren mich als Person da nicht wirklich. Denke ich an das eine soll ich das andere nicht vergessen und denke ich an das andere darf ich wieder etwas anderes nicht vergessen. Ich bin eine Person, EINE!, ich bin keine zehn Personen. Ich habe meine Präferenzen, jeder hat seine Präferenzen, sie müssen nicht meine sein und deine schon mal gar nicht.

Es ist wichtig andere aufmerksam zu machen, ich tue es auch. Einer anderen Person das eigene Anliegen näher zu bringen ist eine sinnvolle Lebensaufgabe. Ist es aber notwendig das eine Interesse durch ein anderes ersetzen zu wollen? Kämpft jeder nur für die eine Sache, was wird dann aus den anderen Baustellen? Kämpfen wir alle gegen XY, okay, können wir machen, doch verschlimmern sich dann nicht die Probleme A, B, C… von uns unbemerkt? Ich finde es nicht richtig von Punkt zu Punkt zu springen. Hier 10 Prozent, da 10 Prozent usw. , damit ist nichts und niemandem geholfen. Regen wir uns über 1000 Probleme auf, können wir tun, bin ich für. Bringen wir sie zur Sprache, auch da bin ich für, doch jemandem zusagen an was er gerade denken sollte…nicht genug das ich durch die Medien manipuliert werde, jetzt muss ich das auch noch von Menschen in meinem Dunstkreis, muss es von Followern, „Freunden“ usw. dulden? Irgendwann reicht es, irgendwann greift man mir zu sehr in meine Selbstbestimmung ein, irgendwann habe ich das Gefühl das diejenigen, die für Meinungsfreiheit, bzw. Freiheit im Allgemeinen kämpfen mir genau diese nehmen wollen. Beabsichtigt, oder unbeabsichtigt spielt für mich keine Rolle. Ich mache mich nicht vollkommen frei von so einem Verhalten, aber ich arbeite daran…und ihr?

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