Der innere Kampf

Flüchtige Blicke für flüchtige Begebenheiten. Schüchternes Atmen für schüchternes Sein. Keinen Stress, keine Anspannung. Lediglich einmal spüren, nur einmal fühlen. Stets auf der Hut, immer beobachtend. Verfahrenes Etwas. Eine neue Chance, eine neue Zigarette, vielleicht auch nur ein neuer Atemzug. Was muss das muss eben. Das Recht auf Selbstbestimmung gewünscht. Fremdbestimmung bekommen. Es könnte vorbei sein, doch wer will das schon? Wer will das? Wer will was viele wollen? Was ist ein Wunsch wert? Was erleichtert mir mein freier Wille? Ich möchte nur einmal frei atmen, nur einmal einen tiefen Zug voll Hoffnung nehmen. Was bleibt ist ein Gefühl genährt mit vergebener Liebe. Jeden Tag einmal, jeden Tag so viele male. Die Sonne geht auf, sie geht unter, dazwischen ist was da wohl sein muss.

Müde Augen, Augen denen nicht viel erspart bleibt. Die Augen, die Dinge sehen und verarbeiten wollen. Neugier, die Triebfeder vielen Handelns. Ein Blick nach vorne, einer nach hinten. Besser als der Blick nach links oder rechts? Automatismus bestimmt. Es ist angelernt, Gewohnheit Dinge war zu nehmen, Dinge die man gerne schnell wieder vergessen würde. Ich sah, ich sehe und ich werde sehen. Fluch oder Segen? Ist es das was verwirrt? Ist es die Angst vor der Unbeugsamkeit der Realität? Die Wahrheit ist das was stimmt und bestimmt, doch was diese Wahrheit ist, jeder hat seine eigene. Interpretation als Gleichnis zur Wahrheit.

Ein Spiel, eine Rolle, wo bleibt der Applaus? Klatschen, jedem einen Preis verleihen. Das Kostüm sitzt perfekt, Mimik und Gestik passen, eine angemalte Wand lässt Blicke abprallen. Einstudierte Bewegungen lassen jeden Einzelnen artig in der Masse verschwinden, Körper und Geister schmiegen sich aneinander. Löffelchen des Verhaltens. Vielleicht könnte man Angst erkennen, Angst aus der Rolle zu fallen. Vielleicht könnte man Verzweiflung erkennen…vielleicht…vielleicht ginge es, aber dafür müsste ein Funken Individualität vorhanden sein. Es könnte ein Zwinkern sein, es könnte eine rote Krawatte im Heer der Grauen sein. Ein kleines Lebenszeichen, eine kleine Chance für…für was? Für einen Fluchtversuch? Für die Fehlbarkeit eines Systems das uns anmalt, uns in die Löffelchenstellung zwingt?

Kurz bevor der Vorhang sich schließt, dann wird sinniert, dann wird der Rückblick auf unser Leben unsere letzte Kraft fordern und wir werden unser Leben noch im Nachhinein lieben, denn wir sind nicht aufgefallen. Wir haben gewonnen, den Kampf mit uns selbst. Es gab kein Entkommen und wir haben es tapfer akzeptiert. Eine andere Krawatte, den Pullover auch mal zwei Tage hintereinander getragen, einen kleinen Hopser in den Gleichschritt eingefügt. Wir hatten unsere kleine Revolution, wir haben sie tapfer durchgezogen, tapfer dem getrotzt was uns ein Stück weit unserem vollkommenen Glück im Wege stand. Wir, ihr, vielleicht auch ich, vielleicht auch nicht. Vielleicht fällt der letzte Vorhang und ich vergesse mein Aufbäumen, dann schließen sich meine Augen voll Tränen und ertränken all die schönen Stunden.

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