Strategie ohne Imagegewinn

Was nutzt einem Unternehmen eine gute, eine für Menschen nützliche Erfindung, wenn der Konsument davon keine Kenntnis hat? Nichts! Was nutzt einem Unternehmen ein Produkt, von dem die Konsumenten wissen, es aber nicht kaufen, da ihnen entweder Produktionsfaktoren (Sklavenlöhne in armen Ländern) oder Geldvermehrungsmechanismen (Rohstoffspekulationen) missfallen?

Die genannten Aspekte für Imageschaden sind nur exemplarisch genannt, jeder wird für sich den ein oder anderen, sowohl positiven, wie auch negativen Aspekt für seine Kaufhandlungen finden.

Es gibt Produkte und auch Unternehmen, da wird es schwierig ihnen aus dem Weg zu gehen. Heikler wird es gar bei ganzen Industriezweigen, oder kann man heute noch ohne eine Bank auskommen? Die Wahl des kleinsten Übels, wir kennen es von Wahlen, da ist der Mensch auch nur Konsument, ein Konsument von Worthülsen, leeren Versprechungen – charmant verpackten Plattitüden.

Für einzelne Menschen, aber auch Unternehmen ist ein Image ungemein wichtig. Ist mein Image schlecht, wird es mir schwer fallen, trotz eines guten Verkaufsgesprächs, mein Ziel zu erreichen. Im Großen, wie auch im Kleinen sollte mit Vorsicht eigenes Handeln betrieben werden. Ein wunderbares Beispiel hierfür ist der FC St. Pauli e.V. von 1910:

Das Image des „Kultclubs“, des „etwas anderen Clubs“ wurde über Jahre aufgebaut und gepflegt. Was ist nach all den Jahren über? Buisnessseats, ein Bank-Sponsor im Stadion für alle Sichtbar, ein neues „englisch“ gehaltenes Stadion und eine Polizeiwache in der Gegengeraden. Inwiefern unterscheidet das jetzt noch von Stadien, Vereinen in anderen Städten? Es wird alles anders, es soll alles anders werden – doch um welchen Preis?

Ein umgekehrtes Beispiel las ich heute in der TAZ. Die große frenchise Fastfood-Kette McDonalds, als Kooperationspartner durchaus nicht unattraktiv, wusste schon der FC St.Pauli bei seiner „Retter“-Aktion zu schätzen, hat sich diesmal einem durchaus lohnenswertem Ziel verschrieben. Kinder aller Altersstufen sollen ab September, statt mit dem Happy Meal Spielzeug, nun ein Buch als Beilage bekommen.

Wer liest bewegt sich wenig, das sollte bekannt sein, stellt also keine neue Information dar. Der Artikel ist insofern noch interessant, da er, zu Recht, einen Querverweis auf die gerodeten Wälder für McDonalds Fleisch hinweist. Nun gut, verständlich. Durchaus nachvollziehbar. Doch finde ich in dem Artikel keinen Zusammenhang zwischen: „Mutti, ich hab Hunger!“ und „Ja, wir gehen zu McDonalds, du liest mir zu wenig,“

Der Konzern verschafft sich durch diesen Deal, diese Kooperation einen zweifachen Gewinn. Zum einen ist da das Image, McDonalds tut etwas für leseschwache, vielleicht auch lesefaule Kinder und dem Werbezweck, der Geld in die Kassen spült. Gut gemacht McDo, feine Marketingstrategie! Sehen wir einmal davon ab ob man das Essen in den „Restaurants“ mag oder nicht, ob Essen, oder das Verpackungsmaterial mehr Vitamine enthalten, es degradiert lesen zu einem kurzweiligen und durchaus fettigen Vergnügen.

Ist das ein Image das das Lesen wirklich braucht? Ich gebe dem Autor der TAZ Recht, diese Kooperation verkrüppelt das Erlebnis „lesen“, degradiert ein Buch zu Verpackungsmüll und vermittelt einem Kind unter Umständen: „Du willst das ich lese? Geh mit mir zu McDonalds, da ist es lecker und ich lese, gut für uns beide!“ Ist es das was wir Kindern vermitteln wollen? Leckerli für etwas das zu den den Grundbedürfnissen, zu einer menschlichen Entwicklung dazu gehören sollte? Ich stelle mir bildlich ein Kind in einer Schulklasse vor, es holt sein Buch aus dem Schulranzen und beginnt sofort an zu sabbern, weil es an einen Burger denken muss. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Kooperation McDonalds, aber mal ehrlich, ich halte sie für wenig sinnvoll und dazu noch für mehr als fragwürdig!

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: