Es war nicht so wie gedacht, es war besser! #kiezup

Die Vielschichtigkeit einer Gesellschaft gilt gemeinhin als bekannt. Verschiedene Menschen, verschiedene Meinungen, verschiedene Lebensauffassungen. Ich erzähle hier nichts neues, dennoch kommt es immer wieder vor, ich nehme mich da nicht heraus, es setzt sich die vorherrschende Meinung einer Gleichschaltung, einer monotonen, durch Normalität und gefährlichem Halbwissen geprägten Menschenansammlung durch.

Oft gehe ich durch die Straßen der Stadt, sehe sie, die ordentlich gekleideten Menschen, stelle mir manchmal vor an welche Rechnung, an welches Problem sie wohl gerade denken. Fühle mich in der ersten Sekunde frei um dann mit Bedauern fest zu stellen, mir geht es nicht besser, anders geht es mir, meine Probleme sind andere, meine Rechnungen sind andere, doch bin ich zu einem sehr großen Teil wie sie. Manchmal stehe ich, genau wie sie, vor dem Spiegel. An einigen Tagen mag ich mich, an den anderen eher nicht. Ich bin, da bin ich mir recht sicher, nicht so gefangen wie andere. Keine Familie, keine Kinder, kein Haus, keinen Hund, kein aufwändig gekochtes Menü das anbrennen könnte. Ist das mein Problem, ist es das was fehlt? Fehlt vielen meiner Mitmenschen meine „Freiheit“? Im Endeffekt suchen wir uns unser Leben aus. Manch einer arbeitet für sein Haus, seine Kinder, seine Frau, ein anderer ist lieber für sich und fliegt zwei mal im Jahr in den Urlaub um ordentlich die Sau raus zu lassen. Ob ich das gut finde? Jedem sein „Brot und Spiele“-Erlebnis.

Wer mich kennt, dem ist klar, ich bin nicht wie andere. Will ich auch nicht sein, ich brauche das nicht. Es wird die Zeit kommen, da wird auch für mich ein angepassteres Leben bereitstehen, wann dies jedoch sein wird kann und will ich nicht vorhersehen. Warum auch? So ist es doch viel spannender, „Langeweile“ ein Wort, ich kenne es kaum. Irgendein Schabernack fällt mir schon ein um nicht gelangweilt auf der Toilette zu hocken. Es soll Menschen geben, die beneiden mich darum, der Großteil jedoch sieht verachtend auf mich herab (oft auch hinauf, denn von 1,50 m Körperlänge bin ich dann doch ein wenig entfernt), warum sie das tun sollte jedem klar sein. Es geht um Unverständnis, geht um Trägheit sich mit anderen Menschen, bzw. Gegebenheiten auseinander zu setzen. Ja, darum geht es und wer mir auftischen möchte, dem kann so nicht sein, das ist Humbug, der Gedanke ist nicht zu ende gesponnen, der solle sich bitte mal mit seiner Umgebung beschäftigen.

Ich höre euch jetzt aufschreien: „Dann umgib dich doch mit Deinesgleichen, dann haste den Stress nicht!“

Man mag es kaum für möglich halten, ich stehe nicht mehr auf „Meinesgleichen“. Sicherlich ist es interessant und spannend zu sehen was sich in der Szene so tut, doch dieses Vegetarier-Antifa-PC-Gutmenschdenken langweilt mich seit geraumer Zeit. Ihr lest richtig, ich kann/will/brauche es nicht mehr. Da bin ich anscheinend rausgewachsen. Meine Freunde kennen mich so, gerne mal unkorrekt, gerne mal schizo, vor allem aber immer ehrlich, ich selbst, kein Theater, manchmal laut grölend, mit fortschreiten des Abends oft kuschelig, aber immer diskussionsbereit und meist auch noch fähig dazu. -Soviel zu einem Querschnitt meines Charakters!-

Am Samstag habe ich genau das ausgelebt, ich habe mich mit Menschen getroffen die mich (vielleicht) sogar deswegen, aufgrund meiner Vielschichtigkeit, mögen und schätzen. Eine nette Unterhaltung, ein Gläschen Leitungswasser, an Entspannung kaum zu übertreffen. Nun gut, dass das Gesprächsthema für Aufregung sorgte, wen juckts, kann passieren, hat uns aber nicht gehindert angenehme 2 Stündchen zu verbringen. Selten gesehen und doch was zu sagen gehabt. Keine peinliche Stille, kein Zögern, kein „Was darf ich sagen?“, einfach nur wir. 3 Menschen….ok, 2 Menschen und ich.

Der Abend ging weiter, es ging weiter mit dem Ignorieren von gesellschaftlich üblichen Denkensweisen. Einmal auf dem Kiez kann man ja auch gleich da bleiben und zu einem Twittertreffen gehen, warum auch nicht? Twitterer sind ja gemeinhin als komische Vögel angesehen: Einhörner, Mett, <3, Glitzer und was es da nicht alles gibt. Natürlich nicht zu vergessen, es ist auch eine schnelle und persönliche Informationsquelle, insofern kennt man sich schon so ein bisschen. Nun muss an dieser Stelle gesagt sein, offensichtlich habe ich mit den meisten, viele kenne ich durch St. Pauli, da ist es was anderes, nicht viel gemein. Ich freute mich auf einen lustigen Abend, Menschen beobachten, Bierchen trinken und die Szenerie auf mich wirken lassen….hab ich mir gedacht, doch es sollte anders kommen. Meine Meinung von „#mimimi“-herzensgebrochenen, pseudophilosophischen Twitterern, es wurde gleich nach Ankunft zerstört. Zu meinem Erstaunen. Ich dachte an ein zurückhaltendes „hallo“, an sich wegdrehende, augenrollende Menschen, dachte an ein ignorierendes mit Vorurteilen behafteten Knäul Twitterer. Die Wahrheit:

„Das sieht ja aus, als wär hier ein Twittertreffen!“

„Äh…ja.“

„Hallo, ich bin der Kuschelpunker.“

„Der Kuschelpunker!“

Ich wurde von mehr als einer Followerin erkannt. Es war egal wie ich aussah, es war egal das ich keiner dieser H&M tragenden, sich morgens zur Arbeit quälenden Menschen war. Ich wurde in den Arm genommen, ich wurde angelächelt, wurde vorgestellt. Es war anders als gedacht, vorbei war es mit „Abwarten und Bier trinken“, es hatte sich erledigt mit der Ruhe, mit dem entspannten Rumstehen. Vielleicht war ich einfach nur interessant für meine Mitmenschen, kennen sie mich ja nur von meinem Avatar, der anscheinend darauf schließen lässt, ich sei mehr Kind denn ein Mann. Es ist ok, denn auch meine Fantasie ging ja mit mir durch. Es gab sie in allen Größen, Formen und Ansichten, diese Menschen, diese Twitterer, die mir einmal mehr zeigten, Twitter hat einen entscheidenden Vorteil: Erst lernt man den Charakter eines Menschen kennen, das Aussehen ist so wichtig wie der Tweet den man vergaß zu schreiben!

Ob ich dort Freunde gefunden habe, ich kann es nicht sagen. Gehe ich wieder zu so einem Treffen, ich weiß es nicht. Es ist auch gerade nicht wichtig, ich denke nur an folgendes:

Das wir uns so von unseren vorgefertigten Meinungen, von unseren Erwartungen gefangen nehmen lassen, es ist nicht gut für unsere Gelassenheit, es wird uns im Zweifel enttäuschen. Ich habe erkannt, es gibt sie noch, die Menschen, denen das geflügelte Wort der „Schönheit von innen“, etwas bedeutet. Ich wünschte diese kleine Gesellschaft der Twitterer würde etwas mehr auf den Rest der Gesellschaft abfärben, wir hätten es viel leichter. Meine Freunde werden mir jetzt nickend zustimmen, denn ich kenne sie, sie kennen mich, wir wissen eben genanntes. Es ist jedoch schön auf „unbekannte“ Menschen zu treffen, die mit uns in diesem Punkt konform gehen. Ich habe mich sehr gefreut, Es war ein schöner Abend mit allen Beteiligten. Bleibt so, so seid ihr nicht nur Vorbild, so seid ihr die Menschen, die ich zum Kennenlernen empfehle!

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One Response to Es war nicht so wie gedacht, es war besser! #kiezup

  1. jekylla says:

    Darauf ein Glas Leitungswasser 😉

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