Freitag, 6. Januar 2012….leiden ja, aber nicht so

Wer eine Sportart erstmal mag, der wird ihr meist auch verbunden bleiben. Tischtennis, Handball, Fußball, ja sogar Schach ist eine Sportart. Wir spielen gerne, wir verfolgen es, dabei ist es für uns meist nicht wichtig ob wir dies vor einem Empfangsgerät tun oder live dabei sind. Wir zittern, wir fiebern mit und unser Leiden ist für Außenstehende oft nicht nach zu vollziehen.

 

Der „Glücksschlüpper“, die „Glücksschuhe“, das „Glücksshirt“, wir lassen uns von unseren kleinen Ritualen gefangen nehmen. Wir müssen dabei nicht einmal an Gott glauben, wir glauben aber an uns und unsere magischen Kräfte. Vor dem Radio sitzend ballen wir die Faust bei jeder vergebenen Chance des Gegners, wir rauchen Kette vor dem TV und unsere Muskeln verkrampfen sich in steter Regelmäßigkeit.

 

Fan sein, Sympathisant sein, es bedeutet ein Stück weit Verzicht. Die Familie, manchmal die Freunde, oft auch auf Geld. Der Fan tut dies gerne, er tut es für seine Unterhaltung, für seine (sportliche) Liebe, für ein Stück weit Entfliehen aus seinem Alltag. Anfeuern, Jubeln, Freuen, Leiden, es gibt kaum eine Emotion die ausgelassen wird. Der Puls steigt, die Stimme bebt, die Finger zittern. Vom Enthusiasmus gepusht begibt sich dieser Mensch auf den Heimweg, kehrt zurück aus seiner Parallelwelt. Erregt erzählt er von seinen Erlebnissen, gestikuliert, diskutiert und beeinflusst einige von denen, die im Garten saßen und dem Rasen beim wachsen zusahen.

 

„Besorg mir doch auch mal eine Karte, da würd ich auch gern mal hin.“

Glücklich über jeden neuen Unterstützer besorgt man ihm eine Karte, hofft einen neuen Mitstreiter für den Verein, für die Sportart gefunden zu haben und dann….ja, dann ist Spieltag. Mit dem Arbeitskollegen, dem bisher uninteressierten Freund, geht man zum Spiel. Alles verläuft gut, Verein gewonnen, Freund glücklich und der Verein hat wieder Merchandisingartikel loswerden können.

 

Das Kind ist jetzt 11 Jahre alt und du gehst eines Tages wieder zum Sport, dein Kumpel kommt mit seinem 13 Jahre alten Söhnchen mit. 2 Erwachsene, 2 Kinder und ein Hallenfußballturnier. Die Anfahrt läuft entspannt, die Kinder sind natürlich aufgeregt, sie sind bereits infiziert mit diesem „Fansein“. Schnell rattern sie noch die Namen ihrer Lieblingsspieler runter um zu sehen wer mehr kennt.

In der Halle angekommen sucht man sich die Sitzplätze. Die Kinder sind hibbelig, aufgeregt, zerren ungeduldig an den Schals der Väter. Als es dann losgeht versuchen sie sich in Gesängen, strahlen zufrieden als ein Tor für „uns“ fällt und ärgern sich wie die Großen über jeden Ballverlust.

Die ersten Gesänge gegnerischer Fans, sie werden lauter. Die 2 kleinen Jungs neben ihren Vätern versuchen dagegen an zu schreien. Das gehört zum Sport, das muss so sein, sie wissen es, sie kennen es aus dem Fernsehen.

 

Dann, für Väter und Kinder, wie aus dem Nichts…die Polizei marschiert auf, es wird lauter, Menschen schlagen aufeinander ein. Die Väter stehen auf, stellen sich schützend vor ihre Kinder und versuchen die Lage zu sondieren, Pfefferspray, sie wollten bestimmt auf die Polizisten losgehen. Die Kinder schreien, ängstlich versuchen sie sich zu verstecken, der Pfefferspraywolke können sie sich nicht entziehen. Tränen, bibbernde Münder, ratlos am Boden liegende Väter….

 

Freude, anfeuern, singen, lachen, enttäuscht sein….Tränen und Leid…so haben es sich 2 Fans und ihre Kinder sicherlich nicht vorgestellt!

 

 

Dies ist Fiktion, doch keiner sagt mir das es so nicht passieren kann, oder an diesem Wochenende passiert ist. Ein Fan zu sein ist eine tolle Sache, doch alles hat seine Grenzen, auch die Damen und Herren der Polizei müssen sich hier mal hinterfragen. Pfefferspray in einem Geschlossenen Raum? Wirklich? An euch, ihr „Fans“ aller Vereine, stellt euch bitte mal vor, es sind eure Kinder denen das passiert, erzählt mir jetzt ja nicht, so etwas passiert und erzählt mir auch nicht, ihr würdet eure Kinder niemals mitnehmen zu einer Veranstaltung, bei der man von einem friedlichen Sportfest ausgehen sollte! Freitag der 6. Januar 2012 war ein trauriger Tag….für die Verletzten, für die Fanszene….vor allem aber für den Sport.

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