Auf dem Bolzplatz ging es noch ums Spiel

Egal ob wir es aktiv betreiben der nur gerne zusehen, Sport ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Der eine mag Handball, der andere Tennis und wieder ein anderer ist Eishockeyfan. Sportart Nummer 1 ist aber, ich denke das wird niemand bestreiten, Fußball. 22 Menschen treten gegen einen Ball und ermitteln mittels Zählen von geschossenen Bällen in ein Rechteck den Sieger.

Der ein oder andere wird sich an seine Jugendzeit erinnern, wird wehmütig an den Bolzplatz in Wohnungsnähe denken. Kaum aus der Schule schaltete das Hirn auf „ich muss gegen den Ball treten“ – Modus. Wir spielten um des spielen willens, es ging nicht um Geld, nicht um Applaus und es gab Tränen wenn das Wetter einen Strich durch die Rechnung machte. Man einer kickte im Verein, fühlte sich wohl, trainierte, träumte von der großen Karriere, Vereinsinterna interessierten nicht. Sollen die anderen machen, man selbst wollte nur spielen, gewinnen, sich freuen und ordentlich austoben. Geld spielte nur insofern eine Rolle, als das die Eltern die Mitgliedsbeiträge bezahlten.

Heute sieht man die Gesamtsituation ein wenig anders. Oft spielt man nicht mehr selbst, ist vom kickenden Jung zum Vereinsanhänger geworden. Beobachtet, ist selbst der beste Trainer für „seinen Verein“ und verflucht das Präsidium bei Fehleinkäufen. Der Schiedsrichter ist eh blind und die gegnerischen Fans unkreativ. Längst hat man erkannt, es geht um Geld, um viel Geld, die Wirtschaftlichkeit spielt eine große Rolle und auch wenn ein Spieler sagt, er liebt das Spiel, so weiss jeder in der Kurve, es geht ihm doch nur ums Geld. Nun ja, Angebot und Nachfrage, wenn mir einer 2 Mio im Jahr für mein Hobby zahlen würde….aber lassen wir das, ich denke jeder kann sich denken worauf ich hinaus möchte.

Unzufriedenheit auf Vereinsebene kann ein Vereinsmitglied auf Jahreshauptversammlungen kund tun, es ist sein gutes Recht. Es ist wie in der Politik, einmischen und meckern ist etwas anderes als nur zu zu sehen und sich dann auf zu regen. Auf Bundesebene sieht die Geschichte anders aus, dort scheint es nicht mehr um das Spiel als solches zu gehen, dort ist knallharte Politik angesagt. Ellenbogen sind gefragt, echte Charaktere (oder falsche Zwanziger). Es muss geplant werden, es müssen Gelder verteilt werden und es muss im Sinne des Fans gehandelt werden. Bei letzterem Punkt bekomme ich aber das Würgen.

Wer sich die letzten Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft mal angesehen hat, ich meine speziell die Freundschaftsspiele wird sich gegruselt haben. Abgesehen von einem Austragungsort – wie kann man in einem Stadion eines Retortenvereins ein Länderspiel abhalten? – sind mir im besonderen die „Fans“ negativ aufgestoßen. Es wurden Karten verteilt, verlost, an Menschen, die zufällig bei einem Sponsor arbeiten. Es ist chic zu einem Länderspiel zu gehen, sehen und gesehen werden. Der DFB wird hier seiner Lobbyarbeit vollkommen gerecht. Wen wundert es dann, wenn die Stimmung in einem Stadion der 5. Liga besser ist als bei einem Länderspiel? Mich nicht. Geld ist aber wichtig, das Spiel wird immer mehr zur Nebensache und es wird schlimmer je höher man geht. UEFA, FIFA, das Postengeschachere, der Korruptionsfilz….und alles legitimiert von Verbandsvorsitzenden, die mangels Alternativen oft keine andere Wahl haben.

Die Austragung einer Europameisterschaft, einer Weltmeisterschaft bringt Prestige und Geld, da lohnt sich Bestechung. Ein haltloser Vorwurf? Erklärt mir doch bitte wie es kommt, ein Land wie Quatar, ein Land ohne Fußballtradition wird Austragungsort einer Weltmeisterschaft, wie geht so etwas? Südafrika habe ich noch verstanden. Im Jahr 2012 gibt es eine Europameisterschaft in Polen und der Ukraine. Ich freue mich, trotz der Machtspiele in den Führungsetagen von UEFA und FIFA, immer auf solche großen Turniere, auch wenn die Spiele oft nicht halten was sie versprechen, aber das gibt es auch bei einem Spiel von Altona 93 gegen Bergedorf 85.

Leider muss ich 2012 doch ernsthaft überlegen ob ich mir das wirklich antue. Die Entscheidung für die Bewerbung dieser beiden Länder war okay, gibt es nichts dran aus zu setzen….dachte ich. Inzwischen gibt es in der Ukraine massive Bauverschleppungen, es ist so schlimm, die UEFA selbst hat die Koordination und Planung übernommen (tat sie bis dato noch nie). Hinzu kommt etwas so gruseliges, da fehlen mir wirklich die Worte. Man, in diesem Fall die Ukraine, möchte sich natürlich gut präsentieren, so etwas kann als normal angesehen werden, doch müssen dafür hunderte, vielleicht gar tausende von Hunden getötet werden? Strassenhunde sind nichts neues, kennt man sie hier eher weniger, so sind sie im Osten Europas (habe ich mir sagen lassen) nicht ungewöhnlich und selbst von des Deutschen Lieblingsurlaubsinsel Mallorca hört man von solchen Tieren. Nun kann man mir hier Lobbyarbeit für Tierschutzorganisationen unterstellen, aber habe ich so Unrecht, ist es so ungewöhnlich das mir diese Tiere leid tun. Sie werden geopfert für…ja, für was eigentlich genau? Ansehen, Geld oder den sauberen Gehweg den sie verschmutzen könnten?

„Da geht es ja nur um Tiere!“ Stimmt, gehen wir nach Polen, dort geht es um Menschen, können wir die Betrachtungsweise ändern. In Polen ist es seit kurzem erlaubt seine Homophobie offen zur Schau zu tragen, mit anderen Worten „Schwule raus!“-Buttons könnten wir dann auch in einer Fußballübertragung zu sehen bekommen. Muss ich das gut heißen? Heißt es nicht, der Fußball will eine integrative Aufgabe erfüllen? Bezieht sich das nur auf Migranten, oder wie darf ich das sehen? Gehe ich gar mit den Ländern zu hart ins Gericht? Hat der Fußball vielleicht doch nicht die Macht, die er sich und seinem Potenzial für die Wirtschaft gerne auf die Fahne schreibt, oder wird als Verband strickt alles ausgeblendet was Koordinations- und Geldeinbußen zur Folge haben könnte? Vereinen wird gesagt wie sie sich zu verhalten haben, was geduldet werden kann und was nicht, für große Verbände zählt dies wohl nicht, gesellschaftliche Verantwortung? – Fehlanzeige!

Ich streite nicht ab, ich sehe es sehr politisch, menschlich, gesellschaftlich, aber wenn ja ach so viel für die Fans getan wird, wo fängt es an und wo hört es auf? Homophobie ist keine Tradition, nun gut, die katholische Kirche wird dies anders sehen, aber es zählt dennoch nicht zu den Dingen die ich tolerieren muss. Gerade der Fußball hat noch massive Probleme sich dem Thema Homosexualität zu öffnen, dieser (noch) geduldete Rückschritt ist kontraproduktiv und kann Schäden verursachen, ich möchte sie mir gar nicht ausmalen. Was für ein Zeichen für Zuschauer, Fans, beeinflussbare Charakter. Wie soll man da sein Kind vernünftig erziehen, wenn die Fans ihrer „Idole“ so etwas propagieren? Wenn das die Auswirkung von Fußball ist, dann schaue ich mir lieber die Kinder auf dem Bolzplatz an, freue mich mit denen und lass die Flimmerkiste zur Europameisterschaft aus!

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