Auf dem Weg in die Minorität

Es gibt sie, sie sind unter uns, verstecken sich kaum, gehen unverblümt mit Dingen um, die sie für richtig halten – ihre Meinung. Wir erkennen sie meist und doch schauen wir weg, gehen ihnen aus dem Weg, trauen uns nicht einmal mehr mit dem Finger auf sie zu zeigen.

Es kam überraschend, jeder wunderte sich, keiner wollte es so recht wahrhaben. Neonazis sind unter uns und sie morden, verbreiten Gewalt, Angst und das Gefühl von Machtlosigkeit, denn jeder hat ja das Recht seine Meinung zu haben und sie zu vertreten. Durch die Vorkommnisse von 1933 hat man, die Scham war doch zu groß, die Angst schrieb hier mit, ein Grundgesetz gebastelt, indem einige Dinge verankert sind, sie sollen ein zweites ´33 verhindern. Die Progromnacht, der Krieg, es war zuviel, da sind wir uns einig liebe Leser.

Artikel 3 des Grundgesetzes sagt unter anderem in Absatz 3:

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Gegen all diese Punkte verstößt das Gedankengut von Neonazis, obwohl bekannt und keineswegs neu, wird dagegen nicht vorgegangen. Viele von uns haben sicherlich schon einmal eine Demonstration gegen Rechts besucht, lauthals „Nazis raus!“ skandiert oder mit Hilfe anderer Faschisten verscheucht. „Zivilcourage“ ist das Wort der Stunde. Wieweit aber kann eine solche Zivilcourage gehen? Wann bringe ich mich selbst in Gefahr und bin ich dazu bereit? Bitte entscheidet an dieser Stelle selbst, geht in euch und entscheidet in jeder Situation individuell. Manchmal kann es sinnvoller sein sich das Mobiltelefon zu schnappen und eben nicht das Recht in die eigene Hand zu nehmen. – Ja, ich weiss, die hier lesenden Antifas werden das anders sehen, die dürfen gerne ein anderes Verhalten an den Tag legen, ich werde nicht meckern!

Was aber tut Vater Staat? Ihr wisst schon, die Institution, die uns demokratisch legitimiert schützen soll, die diverse Behörden aufgebaut hat um Ruhe im In- und Ausland zu schaffen. Der Staat wundert sich, spricht uns ins Gewissen, erzählt uns etwas von „sozialem Bewusstsein“ und „menschlichem Handeln“, denn wir sind ja so viele, wir können da was machen. Da widerspreche ich nicht, wir sind wirklich viele, wir können etwas ändern, doch auch in unseren Reihen sind die Möglichkeiten begrenzt, werden eingegrenzt von jenen Institutionen, die unsere „Gegner“ bekämpfen sollen. Wie sollen wir reagieren wenn wir mitbekommen das der Verfassungsschutz V-Männer bezahlt um Faschistische Infrastrukturen auf zu bauen, wie soll sich jemand wie ich fühlen wenn besagte V-Männer, die rechtswidrige Taten genau kennen, vor Gericht nicht aussagen können, denn sie waren ja selbst daran beteiligt? Wie machtlos muss sich der kleine Kerl fühlen, der mutig auf jeder Demonstration den Faschismus mit Füßen treten will, es aber nicht kann, denn er kommt ja an seinen Gegner nicht nah genug ran und so ganz nebenbei muss er noch seine Mobilfunkdaten abgeben , er ist ja ein verfassungsfeindliches Subjekt.

Der Staat ist auf dem rechten Auge blind! – hier handelt es sich schon lange nicht mehr um eine linke Plattitüde, hier handelt es sich, so wird es selbst der letzte BILD-Leser erkannt haben, um eine Gegebenheit, die mit Fakten untermauert wurde. „Dönermorde“ schrieb man, es gab Anzeichen die den Tod von Menschen hätten verhindern können, doch diese Erkenntnis kommt zu spät. V-Männer bastelten fleißig am Aufbau neonazistischer Strukturen, sind in hohen Positionen von Kameradschaften, Burschenschaften, Wehrsportgruppen usw., nicht verwunderlich wenn sie diese Morde gebilligt, vielleicht gar angeordnet hätten. Es wurde gestärkt was bekämpft werden sollte, welcher Sinn steckt dahinter? Beweise sammeln? Verstehe ich, doch warum noch anstacheln, warum noch aufputschen?

Wehe jemand erdreistet sich und versucht auf zu decken. Es werden GPS- und Kontaktdaten von Demonstrationsteilnehmern gezielt gesammelt und ein Journalist, der in der Szene recherchiert gerät so „nebenbei“ ins Visier des Verfassungsschutzes. Wundern tut es mich nicht, doch die Dreistigkeit ist fast schon nicht mehr zu überbieten. Offenkundiger kann man Gesetze nicht mit Füßen treten. Da wird gespielt mit Gesetzestexten, spioniert in alle Richtungen und der gläserne Bürger reibt sich später die Augen und fragt sich ob er im Jahr 2011 oder im Jahr 1939 lebt. Der „Unrechtsstaat“ DDR wird heute noch angeprangert, viel besser ist das, was hier abgeliefert wird jedoch auch nicht mehr. Da wird untergraben, gestichelt, gemordet und alles was man hört sind Phrasen, sind Lippenbekenntnisse, deren Nachhaltigkeit kann ich nur anzweifeln. Es wird wieder ein Bauernopfer geben, einen den man entbehren kann und will. Auf gesetzliche Änderungen und deren genaue Umsetzung warten wir sicherlich wieder vergebens, ich glaube das wird auch kein vernünftig denkender Mensch noch erhoffen.

Wir müssen es in die eigene Hand nehmen. Erkläre mir aber mal jemand wie man das machen soll. Bündnissen, Institutionen und Vereinen, die sich gegen den Faschismus stellen, werden Gelder gekürzt, manche werden diffamiert, denn es spielt dort eine Band die sich nicht klar gegen den Faschismus distanziert – sie ist gar unpolitisch, so etwas kann man nicht einordnen, solch eine Band kann nur fragwürdig sein. Alles in allem soll das Volk mal machen, soll sich wehren, aber bitte nur mit Plakaten und Soli-Konzerten, alles gemäßigt und konform, wer aus der Reihe tanzt hat verloren, er wird hat das Recht auf einen „Kampf gegen Rechts“ verwirkt haben, denn Gesetzesverstöße kann man nicht hinnehmen. Es geht zu weit, jagd man einen Faschisten durch die Straßen, es ist unmöglich und nicht zu dulden, schützt man gewaltsam einen Migranten vor einem Übergriff von Faschisten. Bitte alles im Rahmen der rechtsstaatlichen Ordnung, denn tun zwei das Gleiche ist es noch lange nicht dasselbe! Ich warte auf den Tag an dem uns der Verfassungsschutz beim Ausbau unserer Infrastrukturen hilft, uns einmal mit Waffen und Sprengstoff unter die Arme greift, aber das hat wohl die RAF verbockt, da darf sich der kleine Antifa keiner Hoffnung und Illusion hingeben.

Bilden wir also weiter Lichterketten, schreien uns unseren Frust aus dem Leib und bleiben schön gesetzestreu, denn wir sind die „Guten“, wir fesseln uns unsere Gedanken, unsere Hände noch selbst, bei uns ist keine staatliche Unterstützung notwendig, bei uns siegt die Menschlichkeit, bei uns siegt die Bildung und bei uns siegt…bald das Gefühl zu einer Minderheit zu gehören!

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