„Occupy the couch!“ oder „Occupy the world!“

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die wird der Pöbel wohl nie verstehen. Eines davon ist das globale Finanzsystem mit all seinen Verstrickungen. Ein anderes ist sicherlich die Macht die das Volk haben kann. „Ich bleib zu hause, ich kann doch eh nichts verändern!“ – eine Aussage die, da bin ich mir ziemlich sicher, nicht nur mich auf die Palme bringt.

Die Deutschen sind eine Art Mensch, die gerne und viel meckert, selten wirklich zufrieden ist und dennoch lieber den Teppich zusammen tritt als sich für das ein zu setzen was ihm wichtig ist. Ja ja, ich weiß, ausgerechnet DU lieber Leser engagierst dich ehrenamtlich und gehst am 1. Mai brav marschieren. Glückwunsch! Darf ich dich aber fragen was du den Rest des Jahres machst? Ergibst du dich deinem Schicksal oder regst du dich gar auf, weil andere was unternehmen, es aber nicht so machen wie du es machen würdest? „Gewalt ist keine Lösung!“ – stimmt, doch wie sieht deinen Lösung aus? Wo ziehst du deine Grenze? Wie aufmerksam machen, wenn du dir sicher bist, die da oben ignorieren doch sowieso alles was nicht mit „Globalität“ zu rechtfertigen ist? Erkläre es mir, sage mir wie du auf deine Bedürfnisse aufmerksam machst, wie du dich verhältst wenn du aus dem Haus gehst.

Bist du ein Spießer, einer der einen VW fährt, morgens artig seine Kinder zur Schule bringt, am Abend zu spät nach hause kommt um ihnen eine gute Nacht zu wünschen, oder bist du einer von denen der an seine Kinder denkt? Wir haben uns diese Welt nur von unseren Kindern geliehen! – Schon einmal gehört? Du machst dir sicherlich Gedanken um die Zukunft deiner Kinder, doch was tust du dafür? Engagierst du dich in einem Verein der für die Rettung des Laubwaldes in der Umgebung kämpft oder schnippst du deine Kippe achtlos in denselben, denn eine Zigaretten macht ja nicht viel aus? Globales Denken schaust du dir aus dem Fernsehen ab, die Kanzlerin macht das doch auch so. Die Mutter der Republik schaut auf das Ganze, eine Meinung ist nicht wichtig und der Kaminanzünder mit den vier großen Buchstaben wird ihr schon erzählen was das Volk will. Schade das eine Fahne, die sich nach dem Wind dreht, nicht auf ein stetes Ziel zeigen kann!

Wir regen uns auf, sind unzufrieden und doch bekommen wir lieber ein Magengeschwür als uns eine Fahrkarte zu kaufen und auf dem Bahnsteig Revolution zu machen. Selbst der kleine Revoluzzer überlegt es sich in diesem Land zwei mal ob er etwas unternimmt, denn er ist, wie wir alle, ein Produkt unserer Eltern, unserer Gesellschaft und das bedeutet „Ruhe“. Wenn ich mich tief genug ducke wird mich schon keiner sehen, ich will doch nicht auf „deren“ Radar auftauchen. Leider sind wir das aber schon alle. Payback-Punkte sammeln, mit Kreditkarte bezahlen über Twitter unseren aktuellen Standort angeben….aber immer noch glauben wir geben nichts von uns Preis. Der „Staatstrojaner“ ist nicht anderes als eine abartige staatlich legitimierte Fortführung unseres eigenen Verhaltens. Wer hat eigentlich schon meine E-Mail Adresse, wer kennt meinen Nickname auf Facebook, kann ihn gar mit meiner Person in Verbindung bringen und wem teile ich in all den social Networks mit was ich gerade denke?

Wir geben all zu gerne etwas von uns Preis, denn so bekommen wir Aufmerksamkeit, werden wahrgenommen, alles was wir von staatlicher Seite vermeiden wollen, dass holen wir uns bei unseren „Freunden“ ab. Sie sind es auch, die uns ermutigen unsere Meinung zu äußern, natürlich nur gemäßigt, denn wir wollen unsere Lobspender nicht verlieren. Es geht soweit, ich denke das kann man so sagen, dass wir uns mit der Nase nach dem Wind richten, egal ob wir verstehen worum es in dem Wind geht oder nicht. Gemeinsam gegen die Banken, gemeinsam gegen das System – doch wer kann außer den bekannten Floskeln schon genau sagen warum wir dagegen sein sollten? „Die Banken werden mit unserem Geld gerettet!“ – „Scheiß auf die Banken, die verzocken mein Geld!“ Soso, aha, stimmt. Darf ich aber mal fragen was dahinter steckt? Erklärt mir das mal einer? Kannst du mir sagen inwiefern die Bank mit deinem „sicher“ angelegten Geld so in eine Krise stürzen konnte? Kannst du mir erklären warum du, obwohl du einen Hass auf die Banken hast, nicht gleich am Monatsanfang alles Geld was du übrig hast, also nicht zum Bezahlen von Rechnungen brauchst, abhebst? Lieferst du nicht jeden Monat aufs Neue, denen ihr Spekulationsgut, gegen die du vorgehen willst? Du bist gegen das Wirtschaftssystem im allgemeine, denn es krankt ja an sich selbst? Auch da stimme ich dir zu. Wie würdest du aber mit denen verfahren, die im System des Anarchismus nicht arbeiten wollen? Wie gehst du mit denen um, die nur nehmen und nicht geben, denn es sind in dem Fall ja deine „Brüder“ und du wolltest ja eine möglichst flache Hierarchie?

Es stimmt, ich stelle mir oft zu viele Fragen, aber ich stelle mir lieber eine zu viel als eine zu wenig. Auch ich kenne keine Pauschalantwort auf alle gestellten Fragen, oft möchte ich es auch nicht. Es ist schon ungerecht, die die dieses System stützen, es am Leben erhalten haben schlaflose Nächte, wissen oft nicht wie es weitergehen soll….und die die mit dem System spielen, die mit Geld um sich werfen als hätten sie alle Monopolyspiele der Welt aufgekauft, die schlafen den Schlaf der (vermeintlich) Gerechten. Es ist gemein, aber was will ich mich beschweren, es ist doch alles nur zu meinem Wohl, dient der Allgemeinheit und muss so sein, denn anders funktioniert es ja nicht. Ich kann mir meines Lebens nicht mehr sicher sein, wenn nicht alle Menschen der Bundesrepublik unter den Generalverdacht des Terrorismus gestellt würden. Wie soll ich mir was zu beißen kaufen können, wenn nicht Broker um Rohstoffe pokern würden und wie soll ich je an einen Arbeitsplatz kommen wenn Aktiengesellschaften nicht mit meinem Geld gerettet werden würden. Es scheint als dürfe jeder machen was er will, er muss nur eine hohe Gewichtigkeit für das Allgemeinwohl haben. Wer das bestimmt bleibt mir ein Rätsel, ich jedenfalls darf es nicht bestimmen und du mein lieber Leser sicherlich auch nicht. Was uns bleibt ist die Straße, ihr wisst schon, die Wege, die geschaffen wurden damit wir in unserem hektischen Leben noch schneller von Termin zu Termin eilen können.

„…du bist ein Wassertropfen, kannst nichts ändern hier auf Erden, doch aus vielen Wassertropfen können Wasserfälle werden!“ (Dritte Wahl – Sklave)

Ich mag dieses Zitat, denn es drückt am besten aus, was ein jeder von uns wissen sollte. Ein einzelner Zweig ist leicht zu zerbrechen, ein Bündel Zweige hingegen nicht. Wenn wir uns endlich mal alle einig würden, wir hätten längst mehr erreicht, da könnte uns auch die Staatsmacht auf Dauer nicht mehr abhalten. Nein meine Leser, ich fordere hier kein Brandschatzen, kein sinnloses Plündern von Banken oder das Zerstören privaten Eigentums, ich möchte nur daran erinnern, WIR sind die, die gehört werden müssen, denn wir sind die Spielfiguren in dem perfiden Spiel um Geld, Macht und Ignoranz. WIR dienen wenigen Machtstrategen als Legitimation für willkürliches, meist ungewolltes Handeln. Auf unseren Rücken wird geritten, doch die, die sich daran aufgeilen müssen wir endlich runterschmeißen, devotes Verhalten muss man abtrainieren. Einen Trainer habe ich schon gefunden, er heißt „Welt“ und wir leben auf ihr, wir schulden ihr etwas, wir schulden uns etwas. “…einen Stiefel sie zu knechten…“, ziehen wir einigen mal ihre Stiefel aus und zeigen ihnen wie es ist über Glasscherben, über Reißnägel und über Stacheldraht zu laufen, ohne zu wissen ob einen nicht der Nachbar mit seinen Ellenbogen zu Boden schiebt, um als erster am rettenden Ufer zu sein!

In diesem Sinne:

Occupy the world!

Hier einmal die deutsche Übersetzung der Forderung der Occupy-Bewegung:

Wir sind normale Menschen.

 

Wir sind wie du: Menschen, die jeden Morgen aufstehen, um studieren zu gehen, zur Arbeit zu gehen oder einen Job zu finden, Menschen mit Familien und Freunden. Menschen, die jeden Tag hart arbeiten, um denjenigen die uns umgeben eine bessere Zukunft zu bieten.

 

Einige von uns bezeichnen sich als fortschrittlich, andere als konservativ. Manche von uns sind gläubig, andere wiederum nicht.

Einige von uns folgen klar definierten Ideologien, manche unter uns sind unpolitisch, aber wir sind alle besorgt und wütend angesichts der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Perspektive, die sich uns um uns herum präsentiert: die Korruption unter Politikern, Geschäftsleuten und Bankern macht uns hilf- als auch sprachlos.

 

Und diese Situation ist mittlerweile zur Normalität geworden – tägliches Leid, ohne jegliche Hoffnung.

 

Doch wenn wir uns zusammentun, können wir das ändern.

 

Es ist an der Zeit, Dinge zu verändern. Zeit, miteinander eine bessere Gesellschaft aufzubauen.

Deswegen treten wir eindringlich hierfür ein:

  • Gleichheit, Fortschritt, Solidarität, kulturelle Freiheit, Nachhaltigkeit und Entwicklung, sowie das Wohl und Glück der Menschen müssen als Prioritäten einer jeden modernen Gesellschaft gelten.
  • Es gibt Grundrechte, die unsere Gesellschaft gewähren muss: das Recht auf Wohnung, Arbeit, Kultur, Gesundheit, Bildung, politische Teilhabe, freie persönliche Entwicklung und das Recht auf Konsum von Gütern, die notwendig sind um ein gesundes und glückliches Leben zu führen.
  • In ihrem momentanen Zustand sorgen unsere Regierung und das Wirtschaftssystem nicht für diese Prioritäten, sondern stellen sogar auf vielerlei Weise ein Hindernis für menschlichen Fortschritt dar.
  • Die Demokratie gehört den Menschen (demos = Menschen, krátos = Regierung), wobei die Regierung aus jedem Einzelnen von uns besteht. Dennoch hört uns auf der Welt der Großteil der Politiker überhaupt nicht zu. Politiker sollten unsere Stimmen in die Institutionen bringen, die politische Teilhabe von Bürgern mit Hilfe direkter Kommunikationskanäle erleichtern, um der gesamten Gesellschaft den größten Nutzen zu erbringen, sie sollten sich nicht auf unsere Kosten bereichern und deswegen vorankommen, sie sollten sich nicht nur um die Herrschaft der Wirtschaftsgroßmächte kümmern und diese durch ein Zweiparteiensystem erhalten, welches vom unerschütterlichen Akronym PP & PSOE angeführt wird.

     

  • Die Gier nach Macht und deren Beschränkung auf einige wenige Menschen bringt Ungleichheit, Spannung und Ungerechtigkeit mit sich, was wiederum zu Gewalt führt, die wir jedoch ablehnen. Das veraltete und unnatürliche Wirtschaftsmodell treibt die gesellschaftliche Maschinerie an, einer immerfort wachsenden Spirale gleich, die sich selbst vernichtet indem sie nur wenigen Menschen Reichtum bringt und den Rest in Armut stürzt. Bis zum völligen Kollaps.
  • Ziel und Absicht des derzeitigen Systems sind die Anhäufung von Geld, ohne dabei auf Wirtschaftlichkeit oder den Wohlstand der Gesellschaft zu achten. Ressourcen werden verschwendet, der Planet wird zerstört und Arbeitslosigkeit sowie Unzufriedenheit unter den Verbrauchern entsteht.
  • Die Bürger bilden das Getriebe dieser Maschinerie, welche nur dazu entwickelt wurde, um einer Minderheit zu Reichtum zu verhelfen, die sich nicht um unsere Bedürfnisse kümmert. Wir sind anonym, doch ohne uns würde dergleichen nicht existieren können, denn am Ende bewegen wir die Welt.
  • Wenn wir es als Gesellschaft lernen, unsere Zukunft nicht mehr einem abstrakten Wirtschaftssystem anzuvertrauen, das den meisten ohnehin keine Vorteile erbringt, können wir den Missbrauch abschaffen, unter dem wir alle leiden.
  • Wir brauchen eine ethische Revolution. Anstatt das Geld über Menschen zu stellen, sollten wir es wieder in unsere Dienste stellen. Wir sind Menschen, keine Produkte. Ich bin kein Produkt dessen, was ich kaufe, weshalb ich es kaufe oder von wem.

    Im Sinne all dieser Punkte, empöre ich mich.

    Ich glaube, dass ich etwas ändern kann.

    Ich glaube, dass ich helfen kann.

    Ich weiß, dass wir es gemeinsam schaffen können.

    Geh mit uns auf die Straße. Es ist dein Recht.

 

 

Wir danken der spanischen “Democracia Real YA!” Bewegung !

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