„Hi, ich bin der Kuschelpunker!“….“AUA!“

Nein, ich habe mich nicht gestoßen und mich hat auch niemand geschlagen. Mir geht es gut, danke der Nachfrage. Alles begann am 17. Oktober 2011, einem Montagabend. Ein Spiel des FC St. Pauli. Ja liebe Fernesehkommentatoren, es heißt nicht „Pauli“, vielleicht könntet ihr euch das bitte mal in euer Hirn meißeln!!!

Ich habe vor wenigen Tagen die Zusage auf eine Karte für ein ausverkauftes Spiel des FC St. Pauli bekommen. Dies ist eine Begebenheit, die nicht nur erwähnenswert, eher sogar ein Geschenk der Sonderklasse für mich darstellt. An dieser Stelle ein dickes DANKESCHÖN an Jessica!!!! Ich habe mit dieser Karte auch die Möglichkeit bekommen in eine homogene soziale Gruppe rein zu schnuppern. Dies ist, viele werden das aus einem Freundeskreis kennen, keine einfache Sache, nichts was so im Vorbeigehen passiert und abgehakt wird. Einige kannte ich vom schreiben her schon, dies erleichtert es natürlich ungemein sich in so einer Gruppe zurecht zu finden, macht es aber dennoch nicht zu einem Selbstgänger.

In den letzten Tagen wurden Details wie Treffpunkt und typischer Ablauf des Abends besprochen. Da jeder Fan, jede Fangruppierung ihre eigenen Rituale hat, lauschte ich, notierte und malte mir Szenerien aus. Was werden das wohl für Menschen sein, wie werden sie mich aufnehmen? Versteht mich nicht falsch, nervös bin ich nicht gewesen, warum auch, verbindet uns doch etwas, verbindet uns doch der #fcsp. Ich würde es eher Skepsis nennen, würde es eine angebrachte Anspannung nennen, denn, wie schon erwähnt, ich kam zu einer homogenen sozialen Gruppe hinzu. Ich rede hier von keiner Gruppe unreifer und manipulierbarer Teenager, ich spreche hier von erwachsenen Menschen, die sich seit Jahren kennen, viel erlebten, viel teilten und sich viel gaben. Die zusammenschweißende Wirkung brauch ich hier nicht extra zu erwähnen, oder?

Spieltag. Treffpunkt. Bier. Erste Kontaktaufnahme. Genau so wie es zu erwarten war, herzlich, freundlich, es fehlten ein wenig die Namensschilder, denn ich musste mir ja doch sehr viele neue Namen merken, darüber sehen wir jetzt aber mal hinweg. Die ersten Worte von vielen sind gewesen: „Ach, so sieht also der Kuschelpunker aus, gar nicht schafig.“, oder: „Mein Bild von dir war ganz anders, ich dachte du währst wesentlich jünger.“

Ich merke an dieser Stelle kurz an, auf den Avataren bei Twitter und Facebook sieht man nur ein winkendes Schaf, weswegen ich inzwischen auch gerne „Schaf“ oder auch abkürzender und verniedlichender Weise „Kuschel“ genannt werde. Ob es mir gefällt oder nicht steh auf einem anderen Blatt, aber ein wenig bin ich ja auch selbst Schuld. Genug jetzt aber dazu.

Es wurde eine rundum herzliche Begrüßungsrunde, auch oder vielleicht gerade, weil ich nicht der einzige Neuling in der Gruppe gewesen bin. Eine junge Dame gesellte sich ebenfalls zum ersten mal zu dieser Gruppe.

Schon vor Spielbeginn wurden eingetrocknete Kehlen mit Flüssigkeit versorgt, wie selbstverständlich wurden die „Neuen“ mit einbezogen, kleine Anekdoten erzählt und egal in welches Gesicht ich schaute, ich sah ein Lächeln. Ja, ich kenne das auch gaaaanz anders, kenne das auch umgekehrt. Feindseligkeit, Zurückhaltung, dies sind eher die Worte mit die ich mit jenen Treffen verbindet. Glücklicher weise lief es diesmal anders. Noch mit dem ersten Bier in der Hand wurden die Plätze eingenommen. Anfangs noch kuschelig gemütlich, wurde es schnell voll. Kein Wunder, ist das Stadion doch ausverkauft gewesen.

Was kann man über den Beginn des Spiel schreiben? Es hat sich seit meinem letzten Aufenthalt nicht viel verändert. Die Fans sangen, ich bekam eine Gänsehaut als die Glocken von „Hells Bells“ (AC/DC) ertönten und in der 15. Minute war für uns alle die Welt in Ordnung. Das 1:0 beflügelte unsere Kehlen, wir sangen, klatschten und ein breites Grinsen meißelte sich in unsere Gesichter. Leider hatte die 1. Halbzeit auch ein Ende, ein unglückliches, ein auf den Boden der Tatsachen holendes Ende. 1:1 kurz vor dem Halbzeitpfiff.

Der obligatorische Gang an die Pinkelrinne will an dieser Stelle nicht näher beschrieben werden.

Die 2. Halbzeit, es wurde eine Düstere, für alle Beteiligten. Fortuna Düsseldoref machte Druck, St. Pauli verlor irgendwie den Faden und der Schiri wurde nach Freistößen für die Fortuna bezahlt. Die Gelb-Rote-Karte für Thorandt schien der traurige Höhepunkt des Spiels zu werden, sieht man von den schlechten schauspielerischen Leistungen eines Herrn Rösler mal ab. Der „Jarolim“ der Fortuna viel bei jedem Windhauch um, als währe er ein Blatt Papier, oder er hatte das Bedürfnis sich bei den Grashalmen, auf die er getreten ist, persönlich zu entschuldigen und ihnen das Wehwehchen weg zu pusten. Eine Theatralik, die mich an die italienische Nationalmannschaft im Halbfinale der WM 2006 erinnerte. Gut abgeschaut Herr R. aus D.!

„Wir müssen auch mal verlieren um in der 2. Liga zu bleiben“ – ein Satz der immer wieder die Runde machte, ebenso wie ein „AUA!“ sobald ein Düsseldorfer in die Nähe des Balls oder eines St. Paulianers kam. „AUA!“ – „AUA!“ – „AUA!“ – „Oh mein Gott, ein Grashalm – AUA!“ – Es hörte nicht mehr auf und wurde zu einem tragisch-komischem Aufschrei an diesem Abend. Wir verloren dieses Spiel mit 1:3! Ich bin kein Glücksbringer, aber mir wurde vergeben.

Das Treffen nach dem Spiel mit denen, die wir in der Kurve nicht um uns hatten, mit denen die ich noch nicht kennenlernen durfte, verlief ähnlich herzlich und aufgeschlossen, wie das Aufeinandertreffen vor Spielbeginn. Wir haben debattiert über Schiedsrichterentscheidungen, sofern man sie so nennen kann, seichten Smalltalk betrieben und dann schrie die Uhr leider: „Es wird wird Zeit, die letzte Bahn schick ich gleich auf die Reise!“ Traurig, weil ich diese sympathischen Menschen verlassen musste, glücklich, weil ich einen tollen Abend hatte, verließ ich die Gruppe. Gern währe ich länger geblieben, aber der Gedanke und die Hoffnung, es war nicht der letzte Spieltag mit dieser Gruppe haben mich erschöpft grinsend nach hause fahren lassen.

„Ich bin viel zu selten im Stadion, dies hat mehrere Gründe, ich möchte sie hier nicht aufzählen, aber ich bin kein Modefan, gehe ich ins Stadion ist mir bewusst, ich freue und leide mit „meinem“ Verein. Ein Spiel dauert mindestens 90 Minuten, keine 85 und auch keine 80 Minuten. Wenn den „Fans“ das nicht gefällt dann dürfen sie gerne ihre Karten bei mir abgeben, ich weiß ein Fussballspiel zu schätzen, es ist Sport, da gibt es schon mal Verlierer und dessen muss man sich bewusst sein.“ – so erdachte ich mir im Bus noch ein paar mögliche Zeilen für den heutigen Blogpost und war fast ein wenig traurig als ich zu hause ankam.

Ein dickes DANKESCHÖN an die Bezugsgruppe, ein Dankeschön an den FC St. Pauli und ein Dankeschön an die Fans, die auch bis zur letzten Minuten im Stadion waren und das Team angefeuert haben, denn nur so macht ein Stadionbesuch auch wirklich Spaß!

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2 Responses to „Hi, ich bin der Kuschelpunker!“….“AUA!“

  1. Dann übernehme ich das mal und beschreibe den obligatorischen Gang zur Pinkelrinne, der zu meinem persönlichen Spießrutenlauf wurde, weil ich mich ob der Dringlichkeit des Anliegens etwas weiter vorne in der Schlange einreihte. Nee, lassen wir das:-)
    Ich kann mich noch erinnern als ich letzte Saison zur Bezugsgruppe stieß. Diese wunderbaren Menschen machen es einem auch einfach. Hoffentlich ergibt sich bald wieder die nächste Gelegenheit, dass wir uns am Millerntor sehen.

    • kuschelpunker says:

      Ich bemühe mich, würde es sehr schade finden, würde es bei diesem einen Aufeinandertreffen bleiben!

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