Solidarität für freie Lebensgestaltung

Der Mensch ist im Allgemeinen ein Wesen mit selbstständiger und frei entfaltbarer Denkensweise. Ein nicht ganz einfaches Konstrukt mit vielen Ideen, Wünschen und Träumen. Wir schaffen es meist uns unser Leben so zu gestalten, wie wir es uns erdenken. Kompromisse sind dabei unumgänglich und ich zitiere hier gerne meinen alten Lehrer in Gemeinschaftskunde, der einmal sagte: „Unsere persönliche Freiheit hört dort auf, wo wir die Freiheit eines anderen berühren!“

Über unsere Freiheit sollten wir selbst bestimmen, ist sie uns vom Gesetz her auch zugesichert. Religionsfreiheit, Freiheit des Arbeitsplatzes, Freiheit des Wohnortes….soso… ich darf mir aussuchen wo und wie ich leben möchte. Natürlich in den, inzwischen bekannten Grenzen. Belästige ich meine Mitmenschen gibt es Ärger, das Gesetz der Bundesrepublik Deutschland regelt und will es so. Fein, kein Problem. Nun gibt es aber Menschen, denen ist das Leben wie es der Allgemeinmensch kennt zuwider, oder sie finden sich nicht darin zurecht. Frei sein, sein eigener Herr sein, sich nur dem Nötigsten unterwerfen, ein Wunsch den viele von uns hegen und doch nur sehr wenige sich trauen um zu setzen.

Punks, Berber, Obdachlose, egal welchen Namen wir dem Kind geben, es sind Aussteiger, Menschen die unfreiwillig oder freiwillig ein Leben wählten, ein vielen Mitmenschen unbekanntes Leben. Immer wieder gibt es Blicke, meist angewiderte, oft böse Kommentare. Ein Vergleich zur Normalität wird gerne angebracht, doch müssen wir uns mal fragen was denn eigentlich normal ist. Für die Bewohner von Abbruchhäusern, Bauwagenplätzen und denen die unter Brücken schlafen ist ihre Welt die normale, die, in der es sich zu leben lohnt. Jeden Tag der Kampf um das nächste Nahrungsmittel, die Frage nach der wöchentlichen Dusche und einem geschützten Schlafplatz. Von der Suche nach winterfester Kleidung spreche ich an dieser Stelle gar nicht erst.

Meist leben Obdachlose für sich, erkämpfen sich jeden Tag ein Stück ihrer Lebensqualität. Was um sie herum passiert verschwindet oft in der peripheren Aufmerksamkeit. Alte Leute anpöbeln, Kindern ihre Lutscher klaun? Ammenmärchen die erzählt werden damit man den Berbern aus dem Wege geht, in Ruhe weiterleben kann, ohne sich angewidert fühlen zu müssen. Recht auf Menschenwürde, kann jeder gerne haben, aber bitte nur wenn ich wegsehen darf, mich meinem eigenen Egoismus zuwenden kann! So eine perfide Aussage würde einem wie mir zum „Kotzen im Kreis“ reichen, es gibt jedoch jemanden, dem reicht dies noch nicht. Aus seinem Bezirk sollen Menschen, die nicht seiner Norm entsprechen verschwinden, am liebsten schon vor 4 Wochen. Markus Schreiber, Bezirksamtsleiter Hamburg-Mitte, seines Zeichens Mitglied der „Sozialdemokratischen Partei Deutschland“, ist der Pöbel ein Dorn im Auge. Es werden schließlich ehrbare Bürger (Wähler) schikaniert, angeekelt, wie auch immer. Obwohl mehrere Bürger, darunter auch Unternehmer, sich eher positiv denn negativ über die Obdachlosen äußerten, hat Herr Schreiber auf seiner Meinung beharrt, Berber gehören nicht in seinen Stadtteil. Menschen gehören eben nicht unter die Kersten-Miles-Brücke, gelegen im Hafen der Hansestadt Hamburg und somit in seinem Bezirk. In nächtlicher Umwandlung, oder weil ihm einfach irgendetwas quer saß, dachte sich Herr Schreiber, wir schaffen mal neue Sitzgelegenheiten, die stellen wir den Jungs und Mädels da einfach mal mitten in deren Schlafplätze rein. Kreativ wie der Obdachlose von heute ist, hat er sich drumrum geschlängelt und munter weiter drauf los geschnarcht in der Nacht. Dumme Sache, denn so senkte sich das Damoklesschwert, welches sowieso schon über den Obdachlosen schwebte und Markus Schreiber, ich erinnere, er ist Mitglied einer Partei die das Wort „sozial“ in ihrem Namen hat, stieß da mal kräftig zu. Ein „Tigerkäfig“ wurde um die Schlafstätte der personae non gratae gebaut. Hat ein Käfig im eigentlichen Sinne die Aufgabe etwas ein zu grenzen, so schließt es in diesem Falle Menschen aus. Menschen, die sich jetzt in den umliegenden Parks und Bushaltestellenhäuschen nach einem ruhigen Schlafplatz umsehen müssen. Man zerstreute hier eine Personengruppe, die, war sie zusammen, sich Schutz bot und andere kaum beachtete, da ihr Universum Priorität besaß. Schlägereien, so es welche gab, fanden untereinander statt und nicht, wie gerne angeführt, mit unbeteiligten Passanten statt. Niemand störte sich weiter, jeder Anwohner kannte es und den Touristen bot es ein kleines Schauspiel, einfach dazugehörend zu St. Pauli.

Nach dem Zweitligaspiel des FC St. Pauli formierte sich dann erstmals erkennbarer und unüberhörbarer Widerstand gegen das was ein Paragrafenreiter sich in den Kopf setzte. Eine Demonstration für einen zugänglichen Schlafplatz für Obdachlose und gegen Ausgrenzung von Mitmenschen, die IHR Leben leben wollen. Laut mehreren Quellen sollen sich zwischen 12oo und 2ooo Bürger, ich denke die meisten auch Anhänger des FC St. Pauli, zusammengefunden haben um ihrer Wut und ihrer Fassungslosigkeit Ausdruck zu verleihen. Zu Gast war, wen wundert es, auch der Knüppelverein der Hansestadt. Diese gepanzerten Schildkröten schützten die Idee, bzw. die Umsetzung der Idee, eines Menschen, dem das „Schwiegermuttisliebling“ förmlich auf die Stirn geschrieben steht. Ein Amtsleiter, der sich mehr um Einnahmen denn um Menschen schert. 100.ooo Euro für Steine und dann noch 18.ooo Euro für diesen Käfig! Wann und ob sich diese „Investitionen“ rentieren mögen? – Ich denke nie, denn der Mensch bleibt auf der Strecke in mehrerlei Hinsicht. 118.ooo Euro! Ich wage nicht durch zu rechnen wie viele Brötchen die Übernachtungsgäste der Brücke dafür essen hätten können. Die Polizei(deren Einsatz kostet auch ordentlich Geld!), die Menschen schützen soll, sie schützt wieder nur die Idee eines kleinen Kreises von Gewählten, diejenigen, die schnelle Ergebnisse sehen wollen, denn nach der Wahl ist ja vor der Wahl!

Die Protestierenden, sie wollten sicherlich aufzeigen, die Aussage ist schon richtig, aber die Umsetzung soll nicht auf dem Rücken der sozial Schwächsten ausgetragen werden, sahen sich mal wieder einer gut geordneten Staatsmacht gegenüber stehen. Die Belohnung der Mühen? Zeitungs- und Blogartikel und das Hoffen, es war nicht alles umsonst. Nun gut, an dem Abend bekamen sie noch eine kostenfreie Dusche, ein wenig Sportunterricht im Laufen und einige konnten ihre Fotografiekünste einmal mehr erproben. Was wird bleiben von diesem Abend, was bleibt von den Bemühungen der Menschen? Es wird wieder vergessen werden, wird wieder in eine Schublade geschoben und ausgesessen. Es ist mir ein Rätsel wie einige Politiker überhaupt noch in ihre Stühle passen, bei dem ganzen Aussitzen müssen ihre Ärsche doch schon so breit sein, Satelliten sollten sie erkennen können!

„Freie und Hansestadt Hamburg“ – finde den Fehler!

Drum halte es wie Hubertus Scheurer:

Dank an Ian_aus_Hamburg für die Bilder!

 

Hier der Song zu den Vorfällen!

 

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