23.08 Uhr

Am Donnerstag um 23.08 Uhr (Ortszeit Georgia) hat die Welt wieder einen Menschen verloren, wieder einen Verurteilten durch staatliche legitimierten Mord an den Totengräber abgeben müssen. Dies ist nicht der Erste und wird auch nicht der Letzte sein, der einen unfreiwilligen Tod findet.

 

Als ich vor 2 Tagen (Ortszeit Europa) von dem Fall des Troy Davis hörte verschlug es mir erstmal die Sprache, nun kann man mir Populismus vorwerfen, vielleicht auch Opportunismus, doch ich bin, Freunde wissen dies, ein Gegner von staatlich legitimierten Mord, egal in welcher Form.

 

Troy Davis hat angeblich im Jahr 1989 einen Polizisten erschossen. Eine Tat die nicht gut zu heißen ist, egal ob der mordende Troy Davis oder Person Xy gewesen ist und es ist auch, jedenfalls für mich, unwichtig ob der Getötete ein Polizist, Berber oder Fußballspieler war. Troy Davis ist von neun Zeugenaussagen belastet worden, von diesen neun Personen haben in den letzten Jahren sieben ihre Aussagen teilweise oder komplett geändert. Zeugen, die Troy Davis hätten entlasten können und wollen, sind nicht gehört worden. Es läuft darauf hinaus, entweder stand eine Wahl an oder jemand wollte nicht zugeben er habe sich geirrt. Ein Schuldiger musste gefunden werden, denn anscheinend gilt „Auge um Auge“ als verankert in den Gesetzen der USA. Das in diesem Land auch Minderjährige zum Tode verurteilt werden lass ich hier mal als bedauernswerte und traurige Randnotiz stehen.

„Ja, aber der Mensch hat doch einen anderen getötet!“ – tolles Argument, darf man also Gleiches mit Gleichem vergelten? Wenn ich dir eine Hand abhacke darfst du das also auch bei mir? Interessant, besonders da Länder, deren Gesetzgebung nach diesem Schema aufgebaut sind, auch von den USA, als rückständig bezeichnet werden. Wir messen also mal wieder mit zweierlei Maß. Glückwunsch, im Besonderen für die Tatsache, die Hinterbliebenen setzen nicht einmal selbst die Spritze, sie sind so dekadent, sie lassen töten!

 

„Die kosten doch den Steuerzahlen soviel Geld, wenn sie tot sind, dann sind sie auch kein Kostenfaktor mehr.“ – aha, die Tatsache das zum Tode Verurteilte meist noch 15-30 Jahre auf ihre Hinrichtung warten müssen, denn es soll ja die (scheinheilige) Möglichkeit einer Berufung ermöglicht werden, kostet kein Geld? Das Wort „Reue“ oder „Läuterung“ existiert in diesem, ach so christlichen Land, also nicht mehr, denn Geld ist ja der Faktor schlechthin. Kommen Verurteilte aus den staatlichen Aufbewahrungsheimen bleibt ihnen, auch vom Sozialsystem her, kaum genug zum Leben. Eine Belastung der Sozialkassen kann man den wenigen Entlassenen nun wirklich nicht vorwerfen.

 

Das ein Mensch gestorben ist, ein Verlust für Freunde und Familie, darüber lässt sich auch nicht streiten, doch selten ist im öffentlichen Fokus eine Hinrichtung, ein Mord, zweifelhafter gewesen. Es darf keine begründeten Zweifel geben, doch die gab es, es gab mehr als einen, aber die Vereinigten Staaten scheinen nach dem Prinzip vor zu gehen: „Der wird schon was getan haben, kann also nicht falsch sein was wir vorhaben!“ Ein Leitprinzip das sich nur all zu gerne auch in der Außen- bzw. Kriegspolitik anwenden lassen will. Die Amerikaner sorgen mit solchen „Vorfällen“ einmal mehr für ihren eigenen moralischen Untergang, da kann es noch so viele Gegner dieser Politik im eigenen Land geben, es sind noch nicht genug!

Und WIR? Ja, wir „verurteilen“, schreiben eine E-Mail oder verkünden dies in der Presse, aber bitte schön vorsichtig, denn unsere Konjunktur darf nicht in Gefahr geraten. Der erhobene Zeigefinger scheint sich immer öfter zwischen China, den USA und einigen arabischen Ländern hin und her zu bewegen. Schleudertraumagefahr! Ändern werden wir damit nur herzlich wenig wenn im Hinterzimmer schon die nächsten Milliardenverträge ausformuliert und unterzeichnet werden.

Ich solle mal nicht so weit weg schauen, hier gibt es genug worüber man sich aufregen kann? Stimmt, auch hier wird Mord staatl. legitimiert, auch wir schicken Soldaten in die Welt hinaus um Handelswege zu sichern und führen Kriege zum Wohle der Wirtschaft und auch wir gehen gerne scheinheilig durch die Welt. Ich bedaure all dies, dennoch muss es auch mal erlaubt sein auf den ach so erhabenen Amerikaner mit dem Finger zu zeigen. Die Hoffnung es würde sich mit Obama eine Menge ändern, sie hat sich mal wieder als Trugschluss entlarvt. Guantanamo? Gibt es noch! Das kapitalistische System hat nach wie vor keine Handschellen und es gibt immer noch eine große Anzahl Amerikaner mit mehr als einem Job, sofern sie denn einen ergattern können.

Amerika ist doch so toll und die Menschen erst! Mag sein, aber sie sind nicht anders als wir, sie atmen, freuen und grämen sich…und…sie brauchen Nahrung um leben zu können. Sie leiden wie wir, viele ärgern sich wie wir und sie ignorieren…wie wir.

 

Es gibt eine Menge zu tun, wir können viel verändern…doch wenn ein Mensch tot ist, dann können wir ihn nicht wieder zurückholen in das Leben das wir ja so gerne haben!

 

Genauere Informationen gibt es z.B. bei Wikipedia und im Focus

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