Nachbarn bespitzeln 2011

Es herrscht also wieder Terror. Überrascht? Ich nicht. Erschrocken? Ich ja, jedenfalls ein wenig. Die Toten zu beklagen haben schon viele getan, da werd ich mich jetzt nicht einreihen. „Mein Beileid“ – wird hoffentlich reichen. Fast 100 Tote mit einer noch höheren Anzahl Trauernder, es reicht!

Einen Schuldigen hat man gefunden, zumindest für das Gemetzel im Jugendfreizeitcamp. Er ist weiß, Anfang 30, hört Techno und spielt Videospiele…ach ja…nicht zu vergessen – es ist KEIN Moslem! Nein nein, der Kerl ist doch tatsächlich Christ. Es stimmt liebe Leser, da ist einer, der die gleiche, oder zumindest eine ähnliche Konfession wie wir hat und der erschießt Jugendliche.

Es kam nicht wirklich überraschend und doch müssen sich die Herrschaften die die Hebel ziehen mal überlegen was in den letzten Jahren so passiert ist. Was hat die Gesellschaft aus uns Menschen gemacht? Eine Gesellschaft, die vornehmlich durch Neid und Missgunst geprägt ist, die soviel Groll in den Bäuchen vieler Menschen provozierte, dass es bis zum Kotzen nicht mehr lange dauern kann. Brot und Spiele, Spiele und noch mehr Ablenkung, eure Haltung ist schon ein wenig widerwärtig. Für Arbeit wird gesorgt, angeblich hat ja jeder die Chance eine zu bekommen. Geldverdienen und sich dann schnell die neue Playstation kaufen. Wie, da werden nicht nur Fussballspiele gespielt? Sehr schön, da habt ihr dann ja wieder einen Grund gefunden. Killerspiele, aggressive Musik, solche Dinge sorgen für Amokstimmung? Bestimmt habt ihr Recht, alle der Glaube daran will nicht so recht aufkommen.

Ja, der Glaube, eine merkwürdige Erfindung von Menschen. Die Moslems sind die Schuldigen, Schurkenstaaten, Attentäter mit Bärten. Pech gehabt, nun seht ihr mal das eine Religion nicht für alles herhalten kann. Tut es mir leid? Nein, verbieten wir die Religionen, alles Videospiele und laute Musik…aber dann bitte auch die Schützenvereine, Parteien in deren Namen auf Religiösität zu schließen ist und Medien die mehr als nur Autoreifen und Vaginaltabletten an den Konsumenten bringen wollen.

Sie schreien wieder nach Vorratsdatenspeicherung, mehr Videoüberwachung und mehr Milliarden um den Unruheherd Griechenland endlich zum Schweigen zu bringen. Sammelt unsere Bewegungsprofile, zählt die Einwohner jedes Haushalts und verwanzt mir bitte auch noch meinen mp3-Player, aber darf ich euch etwas fragen? Fühlt ihr euch in euren Palästen so sicher und unantastbar? Seht ihr überhaupt mal aus eurer Glaskuppel mal hinaus? In Deutschland leben viele Kinder unter der Armutsgrenze, die Wahlbeteiligung ist nicht einmal mehr bei 80% und ihr denkt das alles und jeder hinter euch steht?

Denkt es bitte weiter, schickt den BND ruhig auch in mein Haus, erhöht die Polizeipräsenz in meinem Stadtteil, sicher fühle ich mich nicht. Ich lebe in Deutschland, einem Land in Europa, doch Europa war selten weiter weg als in diesen Tagen. Europa hatte doch mal diesen Gemeinschaftsgedanken, oder irre ich jetzt?

Was aber ist aus diesem Gedanken geworden wenn sich Arbeitnehmer wöchentlich in ihren Löhnen unterbieten um ihren Arbeitsplatz nicht zu verlieren? Die Unzufriedenheit wird mit dem Frühstückskaffee geschluckt und den Neid auf alle die es besser haben gibt es als Brotaufstrich. Aufstehen um Rechnungen zu bezahlen, die einem der Anzugträger vor 2 Jahren aufgedrückt hat, das Gefühl nie etwas zu bekommen braucht man denn mal Hilfe. Steuergelder ausgeben für Dinge die nur dazu dienen etwas zu bekämpfen was ohne die Obrigkeit nicht hätte entstehen können. Der Wagen muss noch abbezahlt werden, die Bank schreit nach der letzten Hypothek und die Kinder sollen es dennoch mal besser haben.

4% Lohnerhöhung, 3% schluckt die Inflation und am Ende muss noch drauf gezahlt werden weil da jemand meint die Sozialkassen und deren ausführende Organe könnten ihren aufgeblähten Wasserkopf nicht mehr bezahlen.

Ja, es brodelt und das nicht erst seit gestern. Interessiert es jemanden? Die Ausrüster für Polizei und Sicherheitsapparate vielleicht. „Wenn ich deine Meinung hören will sag ich dir welche!“ – so in etwa scheint das Credo der gewählten Volksvertreter zu lauten. „Wir haben hören Ziele im Kopf, wir müssen an das Ganze denken.“ – stimmt sicherlich auch, aber das Ganze zerbröckelt wenn die Kleinstteile nicht mitspielen wollen. Griechenland hat noch nicht gereicht, Italien wird wohl nicht ernst genommen aber jetzt stirbt der Halbbruder eines Mitglieds eines Königshauses und jeder schreit nach Vergeltung. Mit einem mal sind die anderen Toten eine Randnotiz in den Gehirnen der Medienmacher. Verkaufen! Meinungen verkaufen! Hetzmeinungen texten und verkaufen!

Ist jetzt der Musilmane in den Hintergrund gerückt, es überschlugen sich doch alle Experten, nur 1 Std nach Bekanntwerden der Tragödie, mit der Muslimenhetze. Ein Schuldiger ward schnell gefunden, doch wer ist es jetzt wirklich? Ein Christ, einer von „uns“ und mit einem mal sind sie sprachlos, dabei hätten sie alle es kommen sehen müssen, aber wer auf dem sozialen Auge blind ist, dem fehlt der Blick für das Ganze, für das auf was sie sich ja alle so gut verstehen.

Ich gehe jetzt mal meinen Nachbarn bespitzeln, der ist ja auch weiß und Christ und einen PC hat der auch!

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3 Responses to Nachbarn bespitzeln 2011

  1. Andy1 says:

    Erst nehmen sie uns Pfeil und Bogen weg, dann die Angel, somit können wir für unseren Lebensunterhalt nicht mehr selbst sorgen, dann stellen sie die Nahrungsbeschaffung noch unter Strafe. Am Ende wird der öffentliche Pranger rausgeholt und nach uns gesucht.

    Altes Thema, derzeit in England ganz aktuell.

    P.S. Thema und Umsetzung der Seite ist gut, weiter so.

    • kuschelpunker says:

      Ja…und es wird wohl auch nie eine überaschende Erkenntnis werden. Leider lernen viele es einfach nicht und derjenige, der von seinem kargen Einkommen leben muss, der hat das Nachsehen. Über die Geschehnisse in England habe ich ja in einem anderen Artikel meinen Senf rausgelassen, darauf möchte ich hier nicht eingehen.

      Es ist schön dich hier mal wieder zu lesen, danke dir für deinen Zuspruch!

  2. Andy1 says:

    Zum lesen komme ich, zum antworten weniger , die liebe Zeit eben, aber habe mir vorgenommen Dir wieder öfters ein paar Gedanken zu widmen. 🙂

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