Was ist nur aus den Kühen, Kamelen und Schafen geworden?

Geld an sich ist eine feine Erfindung, denn mal ehrlich, habt ihr Lust mit Kühen, Kamelen oder Schafen durch die Landschaft zu ziehen? Die Prägung von Münzen ist einer der Meilensteine in der Zivilisation gewesen. Vieles wurde einfacher – oder? Die letzten Wochen, Monate, sogar Jahre haben dazu gedient den Menschen das Vertrauen in die Geldpolitik, die Wirtschaft zu entziehen.

In den alten Zeiten, als jeder noch mit Kühen und Kamelen durch die Lande zog war klar, man brauchte etwas zu essen, brauchte eine Absicherung der Familie, brauchte Tauschobjekte und gelegentlich auch mal eine Reserve für eine Mitgift. Die Grundbedürfnisse mussten abgesichert sein. 3 Kühe und man bekam Milch und Fleisch falls notwendig. In den Wüstenregionen dieser Welt dienten Kamele als Fortbewegungsmittel, Milchabgabestation oder zum Vergnügen eines Wettstreits. Nomadenvölker brauchten eine Grundlage, eine Absicherung ihres und des Lebens ihrer Frauen und Kinder. Wohlstand? Vornehmlich galt Kinderreichtum mal als Wohlstand, denn Kinder konnten bei der täglichen Arbeit mithelfen, konnten gegen aufdringliche Stämme mit verteidigen und versorgten die Eltern im Alter. Große Familie bedeutete man braucht mehr Vieh zum Absichern des Grundbedürfnisses. Leben. Es ging um das nackte Überleben, keine Heizung, keinen oder kaum Schutz gegen Wettereinflüsse und von sanitären Anlagen möchte ich hier erst gar nicht sprechen.

Die Münzprägung erleichterte den Tauschhandel ungemein. Keine Kuhherde die durch Landschaften und Dörfer getrieben werden musste, es reichte ein Säckchen mit Bronze- oder Silbermünzen, später kamen die Goldmünzen hinzu. Mit einem mal war eine dicke „Brieftasche“ Ausdruck von Wohlstand, von Reichtum und Macht geworden. Jeder wollte möglichst viele dieser Münzen sein eigen wissen. Irgendwann wurde den Wohlhabenderen auch dies zu müßig und, man misst den Italienern die größte wirtschaftliche Bedeutung zu, erfand man das Bankwesen.

Viele werden jetzt sagen, die Tempelritter hätten das schon eher getan, dies ist auch durchaus richtig, jedoch für die heutige Form des Bankwesens sind die Italiener prägnanter, daher auch noch viele Begriffe, die so heute noch verwendet werden – z.B. Agio, Disagio oder auch nur das Wort Bank, das sich aus dem italienischen ableiten lässt.

Mit dem Aufschreiben von Geldwerten wurde vieles einfacher, der ausgebeulte Umhang viel weg, wurde noch etwas anderes eingeführt – der Kredit. Bemerkenswert an dieser Stelle ist folgende Tatsache, die Verzinsung eines Kredites wurde als unethisch gebrandmarkt und führte zum Verweilen in der Hölle nach dem Tode. Für die Gläubigen jener Zeit, die Kirche hatte einen erheblichen Einfluss, es wahren nahe zu alle Menschen gläubig, eine sehr hohe Strafe. Geprägt durch Ehrlichkeit und dem Vertrauen auf das Wort des Geschäftspartners, konnte man diese Zeit als eine entspannte Zeit des Kapitalismus betrachten. Ethische Grundsätze wurden beachtet und Kontrollen meist unnötig. Vertragsbruch wurde natürlich auch in der Zeit geahndet und auch hier hatte der Staat, bzw. Stadtvorsteher, Ratsherr und ähnliche ein genaues Auge um die schwarzen Schafe schnell aus zu sortieren.

Im Vergleich zu jenen Tagen scheint sich nicht viel verändert zu haben, nimmt man die Kirche, das ethische Verständnis und die Einführung des Geldscheins mal außen vor. Es gibt nach wie vor einen Geldkreislauf der von den Staaten gesteuert wird, Gesetze sollen verhindern das sich Einzelne alles nehmen, gerade wenn es ihnen nicht zusteht und Verträge werden auch heute noch gebrochen. Dennoch ist einiges anders.

Die Weltbevölkerung wächst stetig und jeder möchte den ein oder anderen Geldschein in seinen Händen halten. Es ist also zwingend notwendig genügend Geld im Umlauf zu haben. Was aber passiert wenn „genug“ Geld im Umlauf ist, wenn es dem Arbeitnehmer genehmigt wird sich einen Kredit auf zu nehmen, oder Unternehmen Investitionskredite bewilligt bekommen?

Es wird Geld ausgegeben, von Produzenten bleibt dies nicht unbemerkt. Steigt die Nachfrage, das Angebot bleibt aber gleich, führt dieser Zustand auf längere Sicht zu einer Inflation, also einer Geldentwertung. Folge: Die Menschen brauchen immer mehr von diesen bunten Scheinen und den harten Münzen um das selbe Produkt kaufen zu können. Abgesehen von den Produktionskosten des Geldes, tritt der Staat auch als Auftraggeber in Erscheinung, er hat also auch mit steigenden Preisen zu kämpfen. So kommt es dann, der Staat hat die Lizenz zum Gelddrucken, schießt sich aber ins eigene Knie wenn er es übertreibt. Nebenbei mag noch erwähnt werden, die Banken haben ebenfalls die Möglichkeit neues Geld zu kreieren, Geld das sie nicht haben. Es wird also eine Blase aufgepumpt, die zwangsläufig platzen muss.

Was passiert wenn diese Blase platzt? Wir kennen es aus den vergangenen Monaten, Banken ersticken unter ihren Schulden, der Staat hilft und pumpt neues Geld in die Wirtschaft, von der er ja auch profitiert und es kann alles von vorne beginnen. Geld ist da, neues Geld kann geschaffen werden und eine neue Blase darf sich aufblähen. Dieser Kreislauf des Kapitalismus kränkelt an sich selbst, doch die Auswirkungen tragen nicht die Verursacher. Steuern müssen erhöht, Einsparungen vorgenommen werden und am Ende schafft man einigen wenigen wieder neue Möglichkeiten Geld zu nehmen, dass sie nicht brauchen würden hätten sie vorher ihre Gier im Zaum gehalten.

Mit Kühen, Kamelen und Schafen wär uns das vielleicht erspart geblieben!

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2 Responses to Was ist nur aus den Kühen, Kamelen und Schafen geworden?

  1. spz says:

    Nebenbemerkung:

    > Nomadenvölker brauchten eine Grundlage, eine Absicherung ihres und des Lebens ihrer Frauen und Kinder.

    Frauen und Kinder == bewegliche Habe? (jedenfalls offensichtlich kein Teil des Volkes)

    • kuschelpunker says:

      Es war ursprünglich als Erläuterung gedacht, werde mir mal Gedanken machen das ich das klarer formuliere oder es einfach rausstreiche. Danke für den Hinweis!

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