Kuschelpunker und Social Media

Nerd“, „Geek“, so hat man diejenigen Bezeichnet, deren Leben sich hauptsächlich um den PC und das Internet drehte. Wie schnell sich die Welt doch ändern kann. Inzwischen ist selbst der Handwerker nicht mehr davor gefeit an seinem Arbeitsplatz mal ein paar Tasten drücken zu müssen. Jeder Büroangestellte hat das „googeln“ bis zur Perfektion getrieben und geht nur noch zum Arzt wenn „Dr. Google“ was schlimmes prophezeit. Diese schier unendliche Informationsflut wird aber nicht nur von professionellen Suchmaschinen, Unternehmenswebsites oder den Medien, die ursprünglich aus anderen Gattung entsprungen sind, überflutet. Eine klare Trennung von Konsument und Produzent ist fast nicht mehr möglich. Der Prosument ist eine Gattung User, die Kommentare schreiben, bloggen oder bei Youtube ein Video ihrer fressenden Katze hochladen.

Doch das Netz kann noch mehr. Auf Plattformen, die einzig der Suche nach dem Partner schlechthin dienen, braucht eigentlich niemand mehr in die Disco zu gehen. Wer will sich das noch antun, dieses „Hey, kenn ich dich nicht?“ oder „Du auch hier?“ ? Eine kurze E-Mail, ein Verweis auf sein Profilbild und schon ist ein Kontakt hergestellt. Anonymität im Netz – nicht auf solchen Plattformen. Ungeniert verschickt man Bilder, schreibt Zweideutiges und erfreut sich an der (seelischen) Nacktheit seiner Mitmenschen. Es sieht ja keiner die tomatenrote Gesichtsfarbe und ins Stottern kommt man auch nicht. Ist es also einfacher jemanden kennen zu lernen, ist es besser, hat es eine höhere Qualität?

 

Sieht man von diesen Plattformen, auf denen man den Traumpartner, ein anderes Swingerpärchen oder einfach nur das Geld für eine Nutte sparen kann, mal ab, so kann man den Begriff „Social Media“ ja auch noch mit anderen Dingen füttern. Ein interessantes Medium, es wurde gerade erst 5 Jahre alt, ist Twitter. 140 Zeichen gefüllt mit allem was einen beschäftigt. Liebeskummer, der Tod des Lieblingsstars oder die Geruchsbelästigung durch Arbeitskollegen. Auch Twitter ersetzt natürlich den persönlichen Kontakt nicht, aber dennoch entwickeln sich auch hier „Freundschaften“, gute Bekanntschaften, die einem die Zeit vertreiben, oder sogar vertieft werden. Oft sind 140 Zeichen ausreichend um in kürzester Zeit eine Verbindung herzu stellen, die in natura so wohl eher nicht zustande kommen würde. Im laufe der Zeit wird sich natürlich auch im Internet eine Gruppe zusammenfinden, die auch in der Realität klarkommen würde – oder auch nicht, denn 140 Zeichen ersetzen ja keine 2 Std. Unterhaltung.

Wird man aber am #ff (follower friday – ein Tag in der Woche an dem der Twitterer anderen Empfehlungen zum Folgen aussprechen kann) mit den Worten empfohlen:

 

#FF @kuschelpunker Weil er mir total sympathisch ist & ich seinen Namen total mag. 🙂

(via Teufelsweiblein (ihren Blog gibts hier))

…und das, obwohl man sich erst einige Tage kennt, so ist das natürlich eine Lobhudelei, die das Selbstwertgefühl enorm steigern kann.

Auf der anderen Seite, ergibt sich auch gerne mal die Gelegenheit einen Menschen näher kennen zu lernen. Leid verbindet, gemeinsame Freude aber auch und gelegentlich findet man jemanden wieder den man vor Monaten auf seinem Blog kennenlernte. Wer genau hinschaut kann auch Dinge entdecken, die man nicht entdecken will.

 

Das Internet ist eine Wundertüte, sie wird jeden Tag aufs neue gefüllt, doch sie ersetzt nicht die Umarmung eines geliebten Menschen, den Geruch frischer Blumen oder das Lieblingsessen von Mutti. Es bleibt einem also nichts anderes übrig als seinen faulen Arsch mal aus dem Haus, auf die Straße und in die Augen eines fremden Menschen zu bewegen.

 

Wer mir auf Twitter folgen möchte, der kann das hier tun!

 

Wer mir auf Facebook folgen möchte, der kann das nicht! – Bisher verweigere ich mich dem Teil des (Social-)Internets noch mit aller Macht.

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