Von wegen „Früher Vogel…“

Es hängt ein Kalender an der Wand, nicht irgendeiner, es ist ein Popo-Kalender. Einer von der Sorte – schenke mir bitte noch einen Busen- einen Bein-Kalender damit ich mir meine Traumfrau basteln kann. Leicht bekleidet versüßen mir die Hinterteile meine Tage. Meine 3-Zimmer-Sauna heizt sich gerne mal auf über 40 Grad Celsius auf, verglichen mit dem Bahnviehtransport noch wenig, reicht mir aber auch.

Duschen, kurz aus dem Haus und alles war umsonst. Ich gehe über die Straße zum Zigarettendealer meines Vertrauens, ein freundliches „Hallo“, 5 Minuten warten. Als ich dann vor der Kassiererin stand sah ich aus wie frisch aus der Dusche, leider roch ich bestimmt nicht mehr so.

Ich will hier raus!“, sprachs und versuchte das, am Körper klebende, T-Shirt zu lüften. Es trafen sich vier leidende Augen. Mit Kippen ausgestattet musste ich dies leidende Wesen zurücklassen.

Im Bus dann der Knall. 2 Kinderwagen, anscheinend auch 2 volle Windeln. Ich setze mich nach hinten direkt neben ein geöffnetes Fenster. Der vor mir sitzende schien vom Hanse-Marathon zu kommen, er roch jedenfalls genau so. Übelkeit, Brechreiz und diverse Stoßgebete gen Himmel später stiegen die ersten aus. 2 Kinderwagen verließen das Nahverkehrsmittel, eine Gruppe hormonstrotzender Pubertierender tritt ein. Ich habe mal gehört, dass Babies (ja, das schreibt man jetzt so) an sich ja keinen Geruch haben, je älter so ein Zellhaufen aber wird, um so mehr entwickelt er „seinen“ Körpergeruch. Macht, glaub ich, jeder. Es weiß aber auch jeder, dass man da ein wenig mehr auf die Körperhygiene achten sollte. Deo am Arbeitsplatz? Es gibt Menschen die können einfach nichts fürs schwitzen, aber dagegen könnte man ja dezent was tun. Bei meinen Jungspunden war es ähnlich. Einige hatten ihr Deo/Parfum oder was auch immer dabei. Guter Plan wird sich jeder denken, dachte ich mir auch. Ich wurde eines besseren belehrt. Voller Inbrunst und mit gekonnter Handbewegung wurde eine Duftschwade durch den Bus getrieben, die ihres gleichen noch im Jahr 2015 suchen wird.

Am Ziel. Aussteigen aus dem Bus, aber schnell bitte. Endlich an der frischen Luft. Ein laues Lüftchen, es kam mir wie ein kühler Sturm vor, umspielte meinen windschnittigen Körper. Aufgaben erledigt, mit anderen Worten, meine Mutter bekam mich wieder einmal satt und entließ mich mit den Worten: „Wenn du am Tag nichts vernünftiges machen kannst, dann steh doch früher auf und mach es gleich in der Frühe.“ – danke Mutti. Getreu dem Motto: Der frühe Vogel fängt den Wurm, machte ich mich also daran meine Heimweg an zu treten. Wieder diese Duftwaben um mich herum. Feierabend bei dem großen Automobilhersteller mit dem Sternchen als Kühlerfigur (denen viel wohl auch nix besseres ein), eine Horde Verschwitzter wartet auf mich im Bus. Ihre Begrüßung fiel, sagen wir mal, mit so vielen (Duft-)Noten aus, dass Beethoven neidisch gewesen währe. Wieder in meinen vier Wänden traute ich meinem Körper kaum. Ab 12 Uhr scheint bis abends die Sonne auf mein Wohn-, Arbeits- und größtem Saunazimmer. Gefühlte 300 Grad ließen mich nach Luft japsen. Jetzt hier lernen? Ich glaube eher nicht. Ich fasste mein lernskript an, es klebte an meinen Händen fest. Bemerkenswert, da in diesem Heftchen HTML-Zeugs drinsteht und keine Schmuddelbilder weit und breit in Sicht. Lernen knicken wir dann mal. Nachdem ich mein Hand vom Skript gelöst hab ging ich ins Schlafzimmer. Kühle. Einfach nur erfrischende Kühle, die fast keine Wünsche offen ließ. Ich stellte mir den Ventilator richtig hin, streichelte ihn noch mal artig, versprach ihm eine Gehaltserhöhung und stellte ihn mir richtig ein. In der kühlen Brise der elektronischen Windmaschine schlief ich erstmal 2 Stunden. Ich konnte schlafen, ich war soooo fertig, ich musste schlafen.

Lange Rede kurzer Sinn, ich hab zwar nicht ausgeschlafen, konnte so aber am nächsten Morgen früher als geplant aufstehen. Die ersten Handwerker sammelten sich auf dem Parkplatz meiner Küche gegenüber und tranken ihren Morgenkaffee. Es muss also gegen 7 Uhr gewesen sein. Meine Küche schwitzte schon, keine Abkühlung in der Nacht. Ich betrat das Wohnzimmer voller Tatendrang, den Ventilator schon vorahnend in der Hand. Ich erinnerte mich an meine Busfahrt von gestern – genau so roch es jetzt. Was habe ich getan? Ich stellte später fest, der Geruch kam aus dem Treppenhaus, warum auch immer.

Es war also kurz nach 7 Uhr am Morgen, mein Arbeitsplatz miefte, meine Morgendusche schien umsonst und der Ventilator beschimpfte mich als Sklaventreiber. Ich bekam Kopfschmerzen, das Skript klebte nach 20 Minuten auch schon wieder an meinen Händen fest und ich bedachte meine Mutter mit, hier nicht zu nennenden, Flüchen und Schimpfworten. Von wegen, der frühe Vogel frisst den Wurm – der frühe Vogel stinkt, klebt und kann mich mal!

Ich schiebe jetzt Nachtschichten, kein Lärm, nicht so viel Mief und der Venti muss auch nicht auf vollen Touren laufen. Jetzt surrt er mich dankbar an, Seiten lassen sich gut und einfach blättern und wenn der frühe Vogel kommt geh ich ins Bett und zeig ihm meine kühle Schulter!

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: