Ton Aus!

Seit letztem Donnerstag ist es wieder soweit – wir haben wieder Fußballweltmeisterschaft!

Die ganze Welt, zumindest wohl aber die mit einem Empfangsgerät im Haus, schaut auf Südafrika. Das alte römische Prinzip „Brot und Spiele“ erreicht wieder einmal seinen Höhepunkt. 22 Verrückte laufen mindestens 90 Minuten einem Ball hinterher und alles andere verschwindet aus unserem Fokus. 4 Wochen in denen die Welt zusammenrückt. Mit einem Pfiff verschwinden alle Ärgernisse, alle Zwietracht zwischen Nationen und Kämpfe werden endlich ohne Waffen ausgetragen. Mann gegen Mann. 11 Vertreter einer Nation gegen 11 Vertreter einer anderen. Auf einem, durch die BP noch nicht verseuchten, Stück Natur treten sie einen Ball um diesen in einem Viereck unter zu bringen. 32 Mannschaften treten in 4er Gruppen an um die (Fußball-)Welt zu beherrschen. Hierbei ist klar an zu merken, dass den meisten Mannschaften dies nicht zu zu trauen ist. Den Fußballnationen Japan oder Neuseeland rechnet man hier nicht einmal eine theoretische Chance zu. Bei anderen Nationen geht man von einer Viertelfinalteilnahme aus und bei einigen wenigen ist das Finale schon fest eingeplant.

Es ist Fußballzeit. Eine Zeit, in der Männerfreundschaften mit Alkohol aufgefrischt werden, man sein schlichtes Auto (so wollte man es ja haben) mit bunten Fähnchen „seiner“ Nation ausstaffiert und die Freundin die Schnittchen für die Männerrunde schmieren darf. Auch wenn jetzt wieder jeder dritte auf die Idee kommt mir in den Kommentaren das Gegenteil auf zu zeigen, so muss ich doch sagen – Ja, ich bin ein Arsch und meine Freundin hat mich immer noch nicht verlassen!

Es ist also wieder Männerzeit. Wir sitzen nebeneinander, schauen auf die Flimmerkiste und sind sowieso die besten Trainer der Welt. Bei den Großveranstaltungen läuft das natürlich ein wenig anders. Dort steht Mann neben Frau, schaut auf die Sterne die ihre Brust schmücken und lässt sich, alkoholgeschwängert zu einigen zweideutigen Bemerkungen hinreißen worauf hin sie ein wenig rot wird oder spitzzüngig kontra gibt. Warum tut man sich das an? 70.ooo Menschen sollen am Sonntag auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg gewesen sein. Zusammengepfercht, künstlich wird Bierknappheit durch zu wenig Bierausschankstationen erzeugt und die Toilette ist der letzte Bierbecher. Alles in allem tolle Argumente für einen Vegetarier, denn Tier dürften so ja nicht leiden.

Doch leider gibt es, neben den bisher eher schlechten Spielen (Deutschland vs. Australien ausgenommen) noch ein weiteres großes Ärgernis bei dieser Weltmeisterschaft. Das Grauen hat einen Namen: Vuvuzela! Selten hab ich mich über Fußballübertragungen so aufgeregt wie in diesen Tagen. Wo bleiben die Schlachtrufe, wo die Fangesänge? Alles muss sich dem Wespenschwarmgedröhne dieser Tröten unterordnen. Afrikanische Tradition? Mag sein, aber auf jeden Fall eine sehr nervige. Auf den Fanfesten in Deutschland verboten, treiben diese Tröten Spieler, Moderatoren (da bin ich geteilter Meinung ob man die unbedingt hören muss!) und vor allem den TV-Zuschauer an den Rand des Gehörsuizids. In vielen Fußballstadien gibt es noch die gute alte Stadiontröte, aber auch diese nervt mich ungemein, auch wenn ich nicht direkt neben so einem Ding stehen muss. Ich habe nichts dagegen wenn man solche Tröten rausholt wenn eine afrikanische Mannschaft spielt, aber eine Frage muss gestattet sein: Was haben diese Dinger bei dem Spiel Deutschland gegen Australien verloren? Ich hätte da ja eher ein Didgeridoo erwartet. Wir saßen gemütlich zu dritt vor dem TV und ich musste die Übertragung nach wenigen Minuten leiser stellen, da wir unser eigenes Wort nur schwer verstehen konnten. Jetzt wo ich diesen Text schreibe läuft nebenbei Brasilien gegen Nordkorea und was muss ich euch sagen? Der Ton ist aus! Was ich bei vielen Politikern nicht tue, denn man will ja die Peinlichkeiten genau mitbekommen, mache ich jetzt beim Fußball. Die Stummtaste ist schon ein wenig abgenutzt, aber damit kann ich leben – muss ich leben.

Ich werde mir auch am Freitag wieder ein Spiel unserer Nationalmannschaft anschauen, aber diesmal wird nebenbei gegrillt und die Übertragung mit gutem Punkrock oder ähnlichem gefüllt. So geht das ja nicht weiter.

In diesem Sinne wünsch ich uns eine Hörsturz freie WM.

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