Kleines Kind auf St. Pauli

Es gibt Dinge, die dürften wirklich nicht vorbei gehen. Zu gemein, wenn man sich tagelang freut und dann ist alles soooo schnell vorüber. So erging es mir am Samstag. Ich freute mich tagelang, konnte einige Nächte schlecht einschlafen, so aufgeregt war ich. Ein erwachsener Mann wird zum Kind? Genau das ist passiert. Der Kuschelpunker hat Freitag in Ruhe eine Flasche Wein auf sich getrunken, nachts noch das Reizzentrum mit nem Anruf wach gemacht und ist dann selig eingeschlafen. Samstag war ja der große Tag.

St. Pauli Jahr100-Konzert. Bei meiner Süßen aufgeschlagen, mich für die Geschenke artig und angemessen bedankt und dann gabs Geburtstagsessen. Feine Sache. Schnell noch das erste Bier des Tages geöffnet und los ging die wilde Fahrt. Man, was hatten wir für Schwein mit dem Wetter. Strahlende Sonne. Als wir ankamen waren schon 2-3….tausend Menschen da. Grad noch die Real McKenzies mitbekommen. Es gab wieder einmal viele interessante Frisuren zu begutachten und die Merchandisingabteilungen der Bands taten ihr übriges ein illustres Menschenbild zu kreieren. Die Bierkrnappheit auf dem Gelände wurde durch zu wenig Bierabgabestationen perfekt umgesetzt. Im Verlauf des Abends stellte sich ein Kumpel von mir mal an, bis zu seiner Wiederkehr verging fast eine Stunde. Meine Befürchtung im nüchternen Zustand das Gelände wieder verlassen zu müssen, stellte sich aber nicht ein. Man war ich voll. Meine Liebste blieb artig und passte auf mich auf. Glücklicher weise habe ich den Großteil des Konzertes noch im Kopf, so dass ich euch sagen kann – es ist unbeschreiblich gewesen. Die alte Punkband „Slime“ drehte richtig gut auf und spielte neben „Schicksalsspiel“ noch „Deutschland verrecke!“ und andere gute Klassiker aus meiner wilden Zeit. Sollte ich meine Favoriten benennen kommt für mich aber nur eine „Band“ in frage. „Der Seemannschor Hannover“!!!! Ich konnte nicht mehr. Ich stand ja schon den ganzen Nachmittag im Stadion mit Augen, so leuchtend, wie die eines Kindes. Dieser Chor toppte aber alles, auch „Talco“ aus Italien. „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ ging ja schon runter wie Bier, aber was noch folgen sollte stellte definitiv alles in den Schatten. Wacken hat die Feuerwehr, aber ich behaupte, ohne je in Wacken gewesen zu sein, dass dieser Chor das noch überbietet. Ein Mix aus allen Fangesängen aus dem Stadion. Refrain: Wir sind Zecken, asoziale Zecken, wir schlafen unter Brücken oder in der Bahnhofsmission! – Das Volk kochte! In meinem Näheren Umkreis sind wir uns bis Heute einig – and the winner is…..

Als wir nach „Fettes Brot“, die ein richtig gutes Set ablieferten, noch über etliche Coverversionen von Bela B. plus Band schwafelten, dann das Stadion verließen war es bereits dunkel. Getreu dem Motto: Der Mond ist voll und ich hab auch schon durst! – hätte ich noch weiter trinken können….aber nicht auf dem Kiez. Lena hatte alles auf die Straße gelockt was keine trockene Wohnung oder zu wenig Bierreserven im Kühlschrank hat. Wir schlichen uns Vorbei, bekamen also die Punktevergabe nicht mit. Kein Beinbruch wie wir fanden, denn die Lena ging uns tierisch auf den Geist in der letzten Tagen. Ich freue mich über den Gewinn, da lass ich keine zweite Meinung aufkommen, sie is ja auch irgendwie niedlich, aber der Song ist mir aus den Ohren wieder raus gekommen. Ich warte auf die Punkversion, die kann man sich dann mal wieder anhören. Die restliche Punktevergabe am Samstag bekam ich nicht mehr wirklich mit. Liebevoll geschmierte Schnitten und eine Flasche Wein begleiteten mich endgültig ins Jenseits. Ich habe gepennt ehe meine liebste im Bett lag und bin mitten in der Nacht aufgewacht. Da ich anscheinend die ganz große Kettensäge angeworfen hab und es unerträglich geworden ist, trat meine Kleine die Flucht ins Wohnzimmer an. Die arme Liebste, sie tut mir auch Heute noch ein wenig Leid. Ich danke ihr aber, dass sie mich in meine Vergangenheit entführt hat und dem Kind im Manne wieder neue Nahrung gab. Danke mein Schatz!!!!!!! Hier ein Bericht aus der Hamburger Mopo.

Da ich Heute wieder nüchtern bin hab ich natürlich den Rücktritt unseren Herrn Bundespräsidenten mitbekommen. Tja, die unbequeme Wahrheit sagen, dann nicht den Arsch in der Hose haben und jetzt noch Mitleid bekommen? Sorry, von mir nicht. Vielleicht ist es an der Zeit gewesen, vielleicht hat der sich ein Beispiel am Hessischen Ministerpräsidenten genommen und vielleicht ist das der Anfang vom Ende der Republik, oder zumindest von der jetzigen Koalition? Ich weiß es nicht, freue mich aber schon fast auf die Fortsetzung dieser Posse. In 30 Tagen muss ein neues Bundespräsident gewählt werden. „2Wein“-Käßmann ist ja im Angebot. Nicht die schlechteste Wahl. Schaun wir mal was da noch so passiert.

Hier gibt’s nochmal ein wenig auf die Ohren:

Es ist zwar nicht der Chor, aber so hört sich der Zeckengesang vom USP an

Slime – Schicksalsspiel

Hab grad echt ne Cover-Version von „Satellite“ gefunden. Qualität ist nicht die Beste, dennoch besser als das überhörte Original.



Advertisements

2 Responses to Kleines Kind auf St. Pauli

  1. reizzentrum says:

    Wenigstens stehst Du dazu *yawn* 🙂

    Und die alternative (ich würde es fast Punk-)Version von Satellite ist recht nett

  2. kuschelpunker says:

    zu was stehe ich? ich habe mich wie ein kind gefreut? stimmt, damit kann ich seehr gut leben.
    du wolltest bestimmt *ynwa* (you never walk alone) schreiben, oder?“g“

    finde ich auch, die version kann man sich echt anhören.

%d Bloggern gefällt das: