Innerer Dialog

Was ist das Heute doch für ein schöner Tag. Der Baum vor meinem Wohnzimmerfenster trägt mehr Blätter als die EU-Verfassung sie beinhaltet, die erste Biene hat sich vorsichtig in meine Räumlichkeiten verirrt und eine kühle Brise bringt meine Lamelen am Fenster zum tanzen. Was währe dies doch, obwohl mir eigentlich zu hell, für ein wundervoller Tag. Leider mache ich, wie so oft, einen entscheidenden Fehler – ich lese meinen Feedreader und noch den ein oder anderen Internetauftritt von Printmedien. So schön könnte alles sein und doch rege ich mich wieder auf. Meine Herzfrequenz verdoppelt sich schlagartig, gelegentlich bekomme ich Schnappatmung oder verneige mich vor der Ignoranz anderer. Die Zigarette zittert zwischen den Fingern, die Gedanken trauern um meinen letzten Funken Stupidität. Gerne würde ich einfach mal wieder etwas überlesen, wie wundervoll währe es Details zu verschlingen und sie im selben Augenblick gleich wieder zu vergessen.

Der Traum von einer besseren Welt stirbt nie, oder? Wo ist mein Utopia geblieben? Habe ich es verloren oder hat man es mir auf gemeinste Weise genommen? Ist die Unterdrückung durch Horrorszenarien eine Verschwörung alle Regierungen dieser Welt? „Ihr könnt mich schlagen, könnt mich treten doch meinen Traum bekommt ihr nie!“ – Wann habe ich zuletzt so denken können? Es mag sein – meine Utopie hat sich selbst zersetzt, zu verzweifelt darbte sie dahin. Fristlos kündigte mein Hirn dem Leichtsinn und der Unschuld – kein Platz mehr. Kindliche Gedanken erlebe ich nur noch in Gegenwart eines kleinen Kindes. Mein Kind ist gestorben. Kein erleichterndes Lachen für mich selber, nur Lachen anderer. Zu viel Nachdenken, zu viele Sorgen. Geht die Welt unter? Trinke ich bald Öl statt Wasser? Es währe die Konsequenz der an mich gesetzten Erwartungen – funktioniere du „Mensch“ und gehst du kaputt ersetze ich dich ohne Verlust.

Was passiert mit meinem erbettelten Geld? Frist eine künstlich herbeigesehnte Inflation mein Lohn und Brot? Gibt es einen Neuanfang? Wird er dann mit mir oder über mir stattfinden? Wo ist nur der Boden? – Irgendwann muss doch der Aufprall kommen. Ich sehe schon die Reißleine, leider finde ich meine Hände nicht. Geknebelt suchen sie hinter meinem Rücken nach Hilfe. Wer soll helfen? Über mir in der Ferne sehe ich verschwommen einige Körper. Es sind Menschen, Menschen die nicht mit mir, sondern über mir fliegen. Überheblich winken sie zu mir herab. Ich bin allein. Ich sehe große Schirme sich über mir entfalten – ich werde noch schneller. Da hat wohl jemand die Reißleine gefunden und sie fix gezogen. Ich habe niemanden der meinen Aufprall abfedert. Auf dem Boden warten sie schon auf mich. Es sind nicht wenige. Sie sind platt, sind ausgelaugt. Jemand hat alles, was er erhaschen konnte, genommen und schmale wackelige Hülsen zurück gelassen. Hilfe! – nicht von jenen die hier auf mich warten.

Vorwurfsvoll sieht man mich an, denn ich habe noch etwas übrig. Noch nicht ganz leer, aber lustlos, verbittert und dem Erbrechen nahe. Warum kam keine Hilfe? Wer band mir die Arme auf den Rücken? Sind meine Beine noch heil? Dürfen die das? Ich wanke durch die, die alles verloren. Ich schaue in flache, ausgezehrte Gesichter. Hände versuchen mich zu berühren. Ich möchte sie nicht weg stoßen, aber was für eine Wahl habe ich? Auf der Suche nach einem ruhigen Fleck darf ich mich nicht aufhalten lassen. Ich muss das alles abschütteln. Was denke ich denn da? Infiltrierte Gedanken. Isolation in hohem Maße. Ungehobelter Mensch. Angepasster Roboter.

Was davon bin ich? Ist es unumgänglich Zurückweisungen zu verteilen um ein Mensch zu sein? Ich will nicht ersetzt werden! – Hat dieser Überlebenswille mein Kind, meine ungezwungenen Gedanken langsam verdrängt. Ist mein Utopia durch mich zerstört worden, bin ich das Opfer meiner Neugier, die mich immer wieder zur Suche nach Neuigkeiten zwingt? Wo bleiben die Guten Dinge? Warum erzählt man mir nicht auch mal so etwas? Tod und Zerstörung, Neid und Missgunst, Habgier und Machtstreben – Mensch als Ware dessen was er sich selbst gezüchtet hat. Arbeitskraft wird gekauft und wieder verkauft, Meinungen gesagt, andere unterdrückt. Wer das Geld hat, der hat auch die Macht? Warum? Wer bestimmt den Einfluss weniger über so viele? Was ist mit meiner Meinung? In einem Bier darf ich sie ertränken, soviel Selbstbestimmung lässt man mir noch. Danke!

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12 Responses to Innerer Dialog

  1. Andy1 says:

    Gut, sehr gut erkannt, ein klein wenig, vermisse ich die Alternative, für Dich selbst.

    Vll. etwas pragmatisch, aber noch kannst Du ausprechen was Du denkst.

    Wenn man einem auch diese letzte Würde nimmt, dann wird es schwierig, sich zum einem nicht selbst umzubringen, oder zum Massenmörder zu werden.

    Ganz schöne Gratwanderung.

  2. kuschelpunker says:

    tja, es gibt doch oft gradwanderungen im leben. leider sind sie oft tagesthema.

    ich denke gerne etwas konfus, dazu steh ich. einfache schwarz-weiß-malerei überlass ich den anderen. „grau“ muss es auch geben, die farbe hat durchaus ihren zweck in einem menschenleben, oder?

    alternativen kann man gern bei den philodophen suchen, ich bin ja nur ein amatuer-theken-philosoph, nicht mehr und nicht weniger!

  3. Andy1 says:

    Du hast das schon sehr gut ausgedrückt, und ob Hobby (Stammtischphilosoph), wird ein Philosoph besser wenn er es studiert, oder wenn er es im täglichen Leben selbst erlebt?

    Da mach Dir keinen Kopf, kontroverse Denkweisen und Herangehensweisen, sind gut.

    Schwarz-Weiß, hat auch Vorteile, zumindest kann man sich selbst eindeutig positionieren.
    Natürlich hat das Leben mehr als diese beiden „Zustände“ (schwarz-weiß).

    Aber wichtiger ist, nicht alles nachzuplappern, sondern seine eigenen Gedanken auszudrücken, bzw. überhaupt welche zu haben.

    Du glaubst gar nicht wie „spießig“ und „rassistisch“ die Menschen wirklich sind.

    Daher gefällt mir was Du schreibst, 🙂

    Behalte bitte im Hinterkopf, „Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral“ ( B.Brecht), da steckt viel wahres drin, wenn man sich dann noch die 2 großen Triebfedern der Menschheit ansieht, Gier und Angst, dann wird oft vieles sehr schnell begreiflich. 🙂

  4. kuschelpunker says:

    ich frage mich gerade ob du auch einen blog hast – gibst jedenfalls keinen an wenn du die kommentare schreibst. deine denkensweise jedenfalls ist nicht die eines bild-lesers!^^

    ich wiederhole mich zwar, aber: die menschen sind wirklich komische tiere! es gibt wohl kaum andere wesen auf dieser welt die so differenziert und so leidenschaftlich kontrovers denken wie wir menschen. besonders die triebfedern sidn erschütternd. man denkt unbewusst oft in diesen bahnen – davon kann auch ich mich nicht frei machen!

  5. Andy1 says:

    Nein ich habe keinen Blog, habe mehr als genug Arbeit um den Hals.

    Und nochmals nein, was für eine Zeitung? 🙂 , kenne ich nicht.

    Wir haben auf dieser Welt soviele unterschiedliche Meinungen, wie Menschen, das ist gut, weil es uns voranbringt. (Nicht immer auf den ersten Blick)

    Ich stelle mir „Alterstarrsinn“ grausam vor.

    Das wichtigste für mich ist frei nach Dostojewski, die Wahl der freien Entscheidung.
    also das man Alternativen hat.

    Achso, das Lob für das nicht lesen der Bild, nehme ich gerne an.

    Und ich bin ein ganz normaler, zumindest halte ich mich dafür, Mensch mit Stärken und Schwächen.

    Hier lese ich gern, weil zum einem eine gewisse Kongruenz im Denken, aber dennoch verschiedene Ansicht von meiner Seite auf die Dinge da ist.

    Es liest sich gut. Solltest vll. mal überlegen, mehr draus zu machen.

  6. kuschelpunker says:

    altersstarrsinn zählt sicherlich auch nicht zu meinen liebsten erungenschaften, die man sich im alter zulegen kann.

    was schwebt dir denn so vor was man machen kann?

    • reizzentrum says:

      Ich finde das nicht lustig – GAR NICHT lustig!

      Ausserdem bin ich nicht starrsinnig sondern habe gefestigte Ansichten – jawoll!

  7. kuschelpunker says:

    nicht so dolle aufregen, sonst muss der zivi wieder die atemmaske über dein lautes mundwerk stülpen. – gibt doch nur wieder druckstellen im gesicht! „lach“

  8. Andy1 says:

    So wie es sich darstellt, liegt Dir das schreiben und formulieren, da kannst Du mal überdenken, ob Du dies ausbaust.

    Wobei, dies ein von mir sehr subjektiv getragener Eindruck ist, mit dem schreiben, jemand anderem kann es garnicht gefallen und er denkt vll. „besser wenn er nicht weiterschreibt“.

    „Alterstarrsinn“ und gefestigte Meinung, so denke ich sind schon 2 paar verschiedene Schuhe.
    🙂

    Bei einer gefestigten Meinung, lässt man andere Meinungen zu und kann damit umgehen, bei „Alterstarrsinn“ zählt nur die eigene Meinung und nichts geht mehr.

    Denke mir aber das ich schon verstanden wurde. 🙂 (von reizzentrum)

  9. kuschelpunker says:

    danke für deine aufmunternden worte. die unterstützenden worte sind immer gut zu hören, besonders da es meine lernentscheidung unterstützt. ich werde wohl in etwa in die richtung gehen. ist ein mix aus schreiben und programmieren, konzepte erstellen..usw. online-redakteur halt.

  10. Andy1 says:

    Das klingt gut, was ich mich im vorherigen Beitrag nicht getraut hatte zu schreiben, war,
    das Dein Stil zumindest mir sehr gut gefällt, aber auch der Inhalt die Themen kommen gut an.

    Denn was nützt es wenn man sich zwar gut ausdrücken kann, aber nicht wirklich etwas aussagt damit.

    Nein ohne „Einschleimen“ was Du hier im Blog tust, gefällt mir und mache weiter so.

  11. kuschelpunker says:

    danke dir!
    ich geb mir mühe weiterhin anspruchsvoll und ansprechend formuliert zu schreiben. will ja keinen meiner leser entäuschen.^^

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