Frühstück bei Mc und ein gutes Gefühl im Bauch

Es ist Montag morgen und der Kuschelpunker betritt, noch ein wenig unausgeschlafen eine Filiale eines amerikanischen Fast-Food Vertriebes. Ein sehr schönes, vor allem aber entspanntes Wochenende in gemütlicher Zweisamkeit liegt hinter mir. Einziger Wermutstropfen ist mein Verschlafen Heute morgen. Meine liebste ging um kurz nach 8 Uhr aus dem Haus und was machen ich anstatt artig auf zu stehen um schnell zu Hause und damit wieder fleißig zu sein? Richtig, ich drehe mich nochmal um und fülle die leere Wohnung mit meinem Geschnarche! Als ich die Wohnung verließ war es natürlich kalt, nicht neblig, aber unangenehm. Ich bedanke mich an dieser Stelle bei den Wettermachern. Schön, dass es nicht noch geregnet hat.

Ich stehe nun gehen 10 Uhr in dieser Filiale des Mc in Hamburg-Altona. Szenerie:

Recht voll, vornehmlich junge Menschen, Schulschwänzer (oder sind schon wieder Ferien?), 2 mampfende Mütter mit geschaukeltem Kinderwagen neben dem Tisch und einige wenige Handwerker, die sich wohl, wie ich, mal ein ungesundes Frühstück gönnen wollen.

Und….

ein ziellos, sichtlich nervös umherfahrender Rollstuhl samt drin sitzendem Menschen.

Geschäftiges Treiben. Hier und da ein wenig, sichtlich verhaltenes, Lachen. 2 kassierende weibliche Mitarbeiter, die hektisch die Tasten drücken. Keine Blicke links oder rechts, nur die Monotonie des Verkaufens und Kassierens.

Ich stelle mich an die Kasse mit der kürzesten Schlange. Mp3-Player ist aus und die Stöpsel aus dem Ohr. Einfach unhöflich Musik zu hören und mit jemanden zu reden. Ich werde angesprochen. Der, sichtlich geistig und körperlich behinderte Mann in dem Rollstuhl spricht mich an und fragt, ob ich ihm nicht aus dem Gebäude helfen könnte. Mir, bestimmt auch ihm war klar, dass ich das nicht alleine schaffen kann. Er baute also auf meine Hilfe. Wie viele er schon vor mir angesprochen hat kann ich nicht sagen, aber er muss verzweifelt sein wenn er mich anspricht. Sehe ich etwa aus wie ein Muskelpaket? Nein, so viel ist sicher. Egal, denn ich helfe. Nicht weil er mich vor aller Menschen angesprochen hat, sondern weil er sich auf mich in dieser Situation verlässt. Ich zögere nicht lange und spreche einen der Handwerker an. Er reagiert freundlich und wir machen uns mit dem Rollstuhl auf den Weg. 2 Stufen, aber zu zweit ist das Gefährt samt Insasse nicht zu wuchten. Selbst der gestandene Handwerker sagt mit mitleidigem Blick: „Da heben wir uns nen Bruch, dat wird einfach nix!“ – verstehe ich sofort.

Nun möchte man meinen, dass mein Leidensgenosse seinen Kumpel anhaut….weit gefehlt. Es wird sich wieder an den Tisch gesetzt und munter weiter gefuttert. Mir war das zu blöd. Natürlich lässt man einen um Hilfe bittenden Rollstuhlfahrer nicht nach einem Versuch allein im Regen stehen. Ich nahm also Mc in die Pflicht. Klar, die beiden Kassiereinnen können mir nicht helfen, sehen sie doch nicht wie Bodybilderinnen aus. Ich sprach eine der Damen an und bat höflich aber bestimmend um Hilfe der Angestellten. Der Geschäftsführer, zu erkennen an der grauen „Ich bin wichtig“-Kleidung, winkte natürlich ab und verwies auf seine männlichen Angestellten. Was dann kam erstaunte mich doch sehr. Ein sichtbar älterer Mann (bestimmt nur wenige Monate von einer hobbyreichen Rente entfernt) ist der erste an meiner Seite und hört sich die Misere an. Voller Tatendrang ruft er gleich 2 jüngere Kollegen zu Hilfe und wir folgen, nun zu dritt, dem Rollstuhl. Die verinigten Kräfte der „Fabulösen 4“ schaffen es schlußendlich den Mann die Stufen hinunter zu tragen. Mit 2 Mann wäre dieses Werk sicherlich nicht vollbracht worden, so aber schafften wir es mit großen Mühen doch noch dem Mann zu helfen. Bedankt hat er sich nicht, aber das war uns so egal. Lächelnd gingen die 3 Angestellten wieder ihrer Arbeit nach und ich stellte mich erneut in der Kassenschlange an.

Gerade als ich meine Bestellung aufgeben wollte kam der ältere, mir die helfende Hand reichende, Mann an eine andere Kasse. Ich wollte mich bedanken für seine Hilfe, aber dazu kam es nicht wirklich.

Einmal ….“

Möchten sie etwas zu trinken?“

Nein danke, nur den Burger bitte.“

Ach was, sie bekommen noch eine Cola, die haben sie sich verdient.“

Woooow….damit rechnete ich jetzt nicht. Ein gutes Gefühl im Bauch und dann noch eine Cola extra. Ich war baff.

Ich setzte mich an einen Tisch und beobachtete wieder. Wie kann es nur dazu kommen, dass so viele Menschen hier sitzen und keiner einen herum irrenden Rollstuhlfahrer mal anspricht ob er Hilfe braucht? Ich habe mal von einer ehemaligen Bekannten (selbst Rollstuhlfahrerin) gehört, dass man keinem Rollifahrer ungefragt helfen soll, derjenige fühlt sich dann bevormundet und in seinem Stolz verletzt, aber fragen ist immer drin. Warum also ließ das hier jeden kalt? Warum haben die Handwerker nur ihr Essen im Kopf gehabt, als mal 30 Sekunden (länger hat die Aktion mit An- und Abrücken nicht gedauert) einem hilfesuchenden Menschen unter die Arme zu greifen? Die Mütter, die auch gerne mal Hilfe in Anspruch nehmen, wenn ihr Kinderwagen nicht sicher die Treppe runter will, saßen nur da und verspeisten ihr vitaminloses Futter. Warum waren sie nicht das Sprachrohr des armen Mannes? Ich für meinen Teil weiß, dass ich das richtige getan hab und verhungert bin ich deswegen auch nicht. Ob ich nun ein Held bin? Ich glaube nicht, aber ich habe Heute ein gutes Gefühl im Bauch. Menschen zu helfen kann befriedigend sein. Ich finde es schade, dass dieses Gefühl so wenige Menschen kennen lernen wollen. Mir ist es egal ob mir jemand für meine Unterstützung dankt, ich möchte auch keine Cola….aber eines möchte ich jedes mal…..dieses gute Gefühl im Bauch!

Advertisements

6 Responses to Frühstück bei Mc und ein gutes Gefühl im Bauch

  1. Andy1 says:

    Löblich, sehr fein, nur ich frage mich wie kam der Mann denn erst rauf?

    Um Deine Situation komplett zu verbessern, müsste jetzt bei der Mc Filiale die Anfrage nach behindertengerechtem Zugang anstehen, nicht auf „halber Strecke“ stehenbleiben, wo Du doch so schön ausgeschlafen warst. 🙂

  2. kuschelpunker says:

    dem jungen mann wurde von 2 oder 3 kerlen geholfen da rein zu kommen. – vergass ich wohl zu schreiben. uuupppps!
    du hast recht, ich hätte da gleich mal ein wenig nachhaken können, aber die aufregung über das publikum ist einfach zu groß gewesen, da hab ich das wohl auch vergessen. mist!

  3. Andy1 says:

    Kein Vorwurf, Du hast alles richtig gemacht.

    Ich bekomme nur immer wenn ich es höre, INTEGRATION, ein kribbeln im Rücken, warum integrieren, wer hat den wen ausgegrenzt? 🙂

  4. kuschelpunker says:

    darüber kann man sicherlich mal nachdenken! – gar nicht so leicht das alles auseinander zu bekommen.

  5. larocca says:

    Ich beobachte sowas auch schon mal öfter im Bus. Eine Omi kommt mit ihrem Rollator nicht allein in den Bus oder ein Rollstuhlfahrer möchte, dass ihm jemand die Rampe rausklappt. Was passiert? Keiner bewegt sich. Es kam sogar vor, dass der Busfahrer das nicht mitbekam, die Türen schloss und sich davon machte bzw. machen wollte. Ich stand an der Tür, hab das alles eine Sekunde zu spät mitbekommen und rufe durch den Bus, dass da noch jemand mit nem Rollstuhl rein wird. Der Busfahrer bremst murrend und meckernd, ich mühe mich allein mit der Rampe ab und die coolen Jugendlichen im Bus haben nix besseres zu tun als mich auszulachen, weil’s offenbar unglaublich lustig ist. Menschen sind manchmal so unglaublich scheiße.

  6. kuschelpunker says:

    mein resden, aber wenigstens können wir (natrürlich andere helfende auch) nachts gut schlafen – unser teil um unsere umgebung ein bisschen humaner zu machen, die anderen menschen verdienen eh nur verachtende blicke, schade nur, dass es sie nicht mal interessiert! unsoziales pack!

%d Bloggern gefällt das: