Quo vadis dummer Kuschelpunker?

Wochenende. Ein durchaus amüsantes, wie ich feststellen durfte. Leider dennoch nicht so ganz ohne Makel. Gehen wir aber der Reihe nach vor.

Einer der Vorteile einer „Fernbeziehung“ ist eindeutig die viele Freizeit. Auch wenn man den Beziehungspartner vermisst, so ist es dennoch von Vorteil ihn nicht zu sehen. Gerade an gestressten Tagen reicht oft auch ein Telefonat. 10 Minuten und gut is. Sieht man sich dann am Freitagabend wieder, so ist die Freude unbeschreiblich. Ich komme mir gelegentlich wie ein verliebter Teenager vor. Ein wenig Kribbeln im Bauch, man macht sich fertig, als würde man zu einem ersten Date gehen und der Begrüßungskuss hat eine unbeschreibliche Magie. Nun gut, ich verbringe also mit meiner Liebsten den Freitag abend ganz gediegen vor dem TV. Entspannung und ihr Geruch in meiner Atemluft lassen mich noch einmal unsere ersten Minuten als „Pärchen“ in Erinnerung rufen. Geht es dann ins Bett, kommt mir unsere erste Nacht wieder ins Gedächtnis. Es ist schon etwas unbeschreiblich schönes, wenn man auch nach über 3 Jahren noch solche Empfindungen hat.

Aufstehen, Frühstücken und dann meine Tagesaufgabe. Laptop aufräumen und schaun das ich ihr WLAN in die Gänge bekomme. Nach einer Stunde telefonie mit dem Reizzentrum habe ich dann, glücklicher weise nur in Gedanken, den Laptop an die Wand geworfen. Die Überreste hab ich mir dann aber doch noch geschnappt und ein wenig aufgeräumt. Die Kiste schnurrt wieder. Alte Programme sind halt nur Balast, erst Recht wenn sie im „Autostart“ herumlungern und die Kiste so erst nach 10 Minuten arbeitsbereit machen. Ich hätte weinen können. Selten hatte ich solche eine Wut und solche ein Unverständnis mir selbst gegenüber. Bin ich denn wirklich so dumm, dass ich einfachste Dinge nicht in meinen Kopf bekomme? Bis vor kurzem konnte ich nicht begreifen, dass WLAN eine Abkürzung für „Wireless Local Area Network“ ist. Fragt man mich Heute nach WWAN muss ich ebenfalls passen. Nun gut, ich weiß wo es steht, bedauerlich ist es dennoch. Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen „Online Redakteur“ zu werden. Versteht mich bitte nicht falsch, ich habe damit begonnen und werde es auch nicht aufgeben, Aber die Angst vor meiner Abkürzungs- und Fachbegriffslernresistenz kommt wieder hoch. Wohl ein Grund warum es in Naturwissenschaften nicht mehr als eine 3 wurde.

Als wir, meine Freundin und ich, uns am Samstag mal ein wenig Kultur gönnten. Keine Angst aus dem „Kuschelpunker“ wird bestimmt kein „Kulturpunker“, aber ein wenig kann ja nicht schaden. Wir begaben uns also ins Bucerius Haus. Es gibt dort bis ende Mai noch eine Ausstellung mit dem Thema: „Täuschend echt – Illusion und Wirklichkeit in der Kunst“. Künstler aus vielen Jahrhunderten wurden ausgestellt. Bemerkenswertes habe ich gesehen. Ein Junge, der so gemalt wurde, dass es schien als würde er aus dem Bilderrahmen steigen. Ein Mädchenschuh aus Wachs – mit Männerhaaren innen eingeklebt. Bleistiftzeichnungen, die eine Schlichtheit besaßen, dass es mir die Sprach verschlug. Schlichtheit – Einfachheit – kein überflüssiger Strich. Perfekte Illusionen. Ist mein Mut etwas zu beginnen und etwas wirklich zu wollen auch Illusion? Habe ich mir zu viel zugemutet? Quo vadis Kuschelpunker? (Für alle Nicht – Lateiner hier die freie Übersetzung: Wohin des Weges Kuschelpunker?)

Ich habe mir mein Umfeld über Jahre hinweg sorgsam ausgesucht. Ich habe viel gefiltert. Auch wenn es böse klingt, aber Dumpfnasen, obwohl wegen ihrer gedanklichen Schlichtheit manchmal als Vorbild geeignet, habe ich aussortiert. Menschen, die hinterhältig sind, habe ich gerne gleiches mit gleichem vergolten und ihnen so ihr sozialschädliches Verhalten vor Augen geführt. Viele alte Weggefährten fielen auch einfach weg, sind inzwischen gestorben oder legen auf mich keinen gesteigerten Wert. Es bleibt ja jedem selbst überlassen mit wem er sich abgeben möchte. Übrig bleibt also ein Freundes- und Bekanntenkreis, der für mich geeignet ist…oder schien. Bin ich jetzt vielleicht ein Opfer meiner eigenen Politik geworden? Ich legte und lege auch immer noch hohen Wert auf Menschen, die mich charakterlich und geistig weiterbringen können. Viele meiner geliebten Mitmenschen sind älter, bleibt nicht aus wenn man so hohe Maßstäbe setzt, dies birgt für mich eine unglaublich große Bibliothek mit Lebenserfahrungen und erlernten Kenntnissen. Wie ich gerade schrieb, habe ich mir meine Freunde gut ausgesucht, denn was würde mir diese Schatztruhe mit Wissen nützen, wenn ich sie nicht öffnen darf. Natürlich hört man so einige Geschichten zum Xten mal, aber immer wieder kommt das ein oder andere Neue zu Tage. Man lernt nie aus! – diese Floskel kennt wohl jeder von uns. Schwierig wird es nur dann, wenn man sich mit Menschen umgibt, die einem scheinbar soooo viel voraus haben. Hat man eine kleine Krise, muss man zum 10.ooo mal ein Telefonat führen indem es nicht darum geht wie das Befinden des Gesprächspartners ist, oder wie groß der Wunsch nach einer Maschine zur Wetteränderung ist, fühlt man sich gerne mal mies. In meinem Fall fühlt man sich dumm. „Dumm“ ist ein sehr hartes Wort, das ist mir durchaus bewusst, aber man stelle sich gerne mal die Gedanken der anderen vor. Wie muss man selber wohl rüber kommen, wenn man nimmt, aber scheinbar so wenig zu geben hat. Ich kriege nicht einmal die einfachsten Fachbegriffe in meinen Schädel und das obwohl es dringender als je zu vor erforderlich ist. Wie oft muss ich mir von Menschen anhören müssen, dass ich das doch hätte wissen müssen? Wie oft muss ich dann denken, dass der andere Recht mit seiner Behauptung hat?

Hat der Kuschelpunker jetzt den Verstand verloren? Hat er eine Sinneskrise und erstickt sich an einer Briefmarke? – Keine Ahnung ob das jetzt wirklich geht.

Ich habe meinen Verstand noch. Würde ich sonst solche komisch Worte schreiben? Seit Tagen hadere ich mit mir, seit Tagen überlege ich mir jeden Anruf, zum Teil ging ich auch Gesprächen aus dem Weg. Vielleicht hat ja jeder Mensch mal so eine kleine Krise. Ich musste meine jetzt einfach mal kund tun. Ob ich meine Verfahrensweise betrefflich meiner Freundesauswahl ändern muss? Ich kann es nicht sagen und ich denke mir kann da auch niemand einen Rat geben. Jeder trifft doch letztendlich seine eigenen Entscheidungen und die gehen glücklicher weise über das Bloggerleben hinaus.

So, nun genug der persönlichen Dinge aus meinem Gefühlsleben. Demnächst werde ich euch dann wieder mit genüsslich ausgeführter Kritikerarroganz beglücken!

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4 Responses to Quo vadis dummer Kuschelpunker?

  1. Andy says:

    Schaue mal, diese Seite hat mir im AKÜ(Abkürzungswahn) schon viel geholfen:
    http://www.itwissen.info/

    Gerade weil Abkürzungen und Synonyme oft doppelt besetzt sind.

  2. kuschelpunker says:

    danke dir, werd ich mir gleich mal anschaun!

  3. Elke Ziegele says:

    Tipp – Wer Höhen erreichen will, sollte in Tiefen gehen können.-

    Spiegelbildkonfrontation erleichtert den Freundeskreis zu selektieren, funktionert immer, entlarvende und erschütternde Reaktionen, wenn man dabei voll ins Schwarze trifft.
    Doch Vorsicht, wenn man es gar nicht so genau wissen will und wenn ein verkapptes Sensibelchen in einem schlummert, denn Desillusion kann schmerzhaft sein.
    In diesem Sinne, Servus und Tschüß, Elke

  4. kuschelpunker says:

    welche weise worte! ich denke, dass dies die quintessenz ist. da lässt sicher weiter nichts zu sagen – außer: beehre meinen blog bald wieder!

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