Selbstreflexion – Ärgern macht Spaß

Die Wetterlage in Hamburg hat sich für mich zum Guten gewendet. Es ist kalt, nicht besonders kalt, aber die Menschen mit südländischem Migrationshintergrund laufen schon mit Handschuhen durch die Stadtgeschichte. Modisch wollen sie trotz der Kälte aussehen und so wundert es mich nicht, dass einige Hosen immer noch bis zu den Knien hängen und statt einer Mütze, der Kopf mit einem Pseudoirokesenschnitt geschmückt ist. Die Mädels scheinen es da einfacher zu haben. Eine feste Strunpfhose und ein dickeres Kleidchen drüber. Fertig. Schon kann der Tag mit seiner Kälte in ihr Leben treten. Gemeistert wird einiges auf diese Art und Weise. Geschützt vor den gierigen Blicken alter Familienväter, die sich in ihre Jugend zurück träumen, können die Mädchen unbehelligt durch die Straßen flanieren. Selbst Mädchen ohne Modelmaße trauen sich ein modisch aussehendes Geschmeide an zu ziehen. Ohne auch nur den Hauch von Lästerei zu spüren gehen diese Mädchen in Cafés, treffen sich mit ihren Freundinnen und reden über ihren aktuellen Schwarm.

Meiner einer sieht nicht viel anders aus als sonst. Die Haare immer noch kurz, die Kleidung immer noch schwarz und die Springerstiefel wärmend an meinen Füßen. Gut, ich gebe ja zu, dass ich ab 17 Uhr nur schwer zu sehen bin, aber das kann auch Vorteile haben. Menschen denen ich nicht begegnen möchte haben zu dieser Jahreszeit nur geringe Chancen mich in den Gassen der Stadt zu entdecken. Ich kann vor vielen Gesichtern, vielen schlecht daher redenden Mündern fliehen. Mir kann es egal sein über wen der ein oder andere sich das Maul zerreißt. Was aber wenn ich es bin über den sich das Maul zerrissen wird? – Es ist mir so was von egal, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen!

Ich habe in meinem Leben viele Dinge getan, auf die man nicht stolz sein kann. Ich muss damit leben, so einfach ist das. Jeder von euch wird so etwas kennen. Kleine Peinlichkeiten aus der Kindheit, Sünden, die dem Alkohol verschuldet sind und Menschen die man enttäuscht hat. Dinge passieren. Könnte man meinen, aber die meisten sind sich nicht bewusst, dass man Dinge auch beeinflussen kann. Kant sagte einmal sinngemäß, dass man sein Handeln so wählen soll, dass es auch Gesetz werden könne. Gar nicht mal so schlecht, oder? Der Mann hatte definitiv was auf dem Kasten. Ich hätte mir zum Beispiel viel Ärger erspart, währe ich an vielen Abenden einfach zu Hause geblieben und hätte somit die Kneipe gemieden. Hätte ich meinen Eltern weniger widersprochen, dann währe ich um den ein oder anderen Hausarrest herum gekommen. „hätte“ „wenn“ und „aber“ ….es lebe der Konjunktiv mit seinen reizvollen Anwendungsmöglichkeiten. Nun bin ich aber nicht der Mensch, der sich auf den Konjunktiv verlässt und jede Ausrede so formuliert. Nein, es gibt viele Dinge, die wir in die eigene Hand nehmen müssen. Ich stelle das oft genug bei meinen Problemen mit den Ämtern fest. Früher habe ich alles auf die Lehrer geschoben und auch Heute neige ich leider dazu, mein Versagen anderen in die Schuhe zu schieben. Ist ja auch bequem, oder? Alles andere müsste man ja mit sich selber klar machen und das bedeute dann ja eine schlaflose Nacht mehr im Leben. Will man ja nicht.

Leider gibt es Dinge, die man einfach so schnell nicht ändern kann, es gibt Dinge die einfach nicht in meinem Einflussbereich liegen. Die Erde wird wohl nie mehr zur Scheibe und die Kirche wird wohl weiterhin gegen Kondome predigen damit ihre Armenspeisung weiterhin als gutmütig Geste gerechtfertigt werden kann. Die Politiker machen weiterhin was sie wollen und der FC ST. Pauli wird wohl in den nächsten 5 Jahren kein Deutscher Meister im Fußball. Alles Dinge die ich nicht ändern kann, auch wenn ich es wollte, es ist nicht möglich. Mit Kirchenpolitikern kann man nicht vernünftig argumentieren, ich wähle weiterhin kleine Splitterparteien um den „Großen“ eins aus zu wischen und als Fußballprofi tauge ich nun wirklich nichts. Es gibt aber Dinge die ich sehr wohl ändern kann – MICH!

Ich ging gestern Vormittag an dem Spielplatz vorbei, auf dem ich als kleiner Stepke rum geturnt bin. Ich blieb eine Weile stehen und beobachtete die Kinder, die sich lachend und warm eingepackt auf den Spielgeräten tummelten. Sorglos, ja zu oft auch furchtlos hüpften und sprangen sie durch die Gegend. 3 Mütter sahen ihnen redend und doch ängstlich bei ihrem Treiben zu. Als ich dann weiter ging habe ich mir überlegt was nur aus mir geworden ist. Ich meine nicht beruflich, sexuell oder wie auch immer, ich meine meinen Charakter. Ich schrieb hier gerne mal ironisches, gerne auch sarkastisches über die Gesellschaft, die Welt oder auch nur die Politik. Immer wieder ärgerte ich mich über unsere Medien, die verkorkste Jugend oder Ansichten im Allgemeinen. Doch warum ich das tue hab ich mich selber eigentlich nie so richtig gefragt. Gestern Morgen tat ich es und ich habe nur eine schlüssige Antwort gefunden:

Wenn ich schon einige Gegebenheiten, die nicht nur mich betreffen, nicht ändern kann, dann muss ich mich darüber aufregen dürfen. Herzinfarkt oder ein Magengeschwür ist keine Lösung des Problems, macht mich aber früher zum „Wurzel mit Erde“ -Esser. Einfach mal alles raus lassen befreit ungemein, regt mich zum Denken an und macht dazu noch höllischen Spaß!

In diesem Sinne – Ärgert euch, habt Spaß dran und ihr lebt länger mit dem Bewusstsein euch etwas Gutes getan zu haben!

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