9. November – Ostwestvorteil

Heute ist nicht der 9. November, Heute ist ein Tag danach. Gestern vor 20 Jahren hatte die friedliche Revolution einen ersten Zwischenerfolg. 20 Jahre ist das her, ich war also gerade 10 Jahre jung. Mit 10 Lebensjahren begreift man vieles nicht so wie man es sollte. Würde ich Heute, wie so viele Prominente bereits vor mir, gefragt werden wo und wie ich das damals erlebte, ich könnte es nicht mehr sagen. Ich glaube ich war im Kreise meiner Familie. Ich denke ich befand mich neben meiner Mutter auf der Couch. So muss es gewesen sein, denn mir liegen ihre Worte noch Heute in den Ohren – „Na endlich, das wurde ja auch Zeit!“ Ich glaube wir alle waren begeistert, die älteren Familienmitglieder mehr als wir jüngeren. Mein Bruder, gerade 8 Jahre alt verstand noch weniger von der Freude der „Großen“ als ich. Ich glaube man könnte sagen, dass wir beide uns zwar mit unseren Eltern freuten, warum war uns damals aber egal. Ich erinnere mich noch an den Anblick meines ersten Trabi´s. Ich saß gerade im Bus und fuhr in die Stadt als ich dieses seltsame kleine Gefährt auf der Gegenfahrbahn bemerkte. Viel Krach, aber kein Tempo, wie mir erklärt wurde. Das Fahrzeug war „Baby-Blau“, wie wir die Farbe nannten. Heute sehe ich schon lange keine Trabi´s mehr, vielleicht nochmal im TV, wenn irgend ein Sender über einen Trabiclub berichtet. Ich fand die Farbe irgendwie ansehnlich, hatte was kultiges, aber der Gestank der Trabanten suchte seine gleichen.

Im Schulunterricht wurden wir dann über den 2. Weltkrieg und seine Nachwehen aufgeklärt. Mauerbau, Kubakrise und was da nicht noch alles mit dazu gehört. In jenen Jahren fluchten viele Menschen auf die Wiedervereinigung. Besonders von Arbeitnehmern, die durch den, damals noch höheren Solidaritätszuschlag, weniger Geld zur Verfügung hatten. Die Fußballbundesliga fand zusammen und einige namhafte Spieler sind uns Heute noch im Ohr. Man denke an M. Sammer, den Europameister von 1996, oder Ulf Kirsten, der nie irgendwas tolles gewann und wenn doch, dann nur auf der Ersatzbank, so dass sich keiner mehr dran erinnert. Michael Ballack ist ebenfalls ein „Ossi“, ein sehr beliebter und erfolgreicher „Ossi“. Die kleinen Unterschiede in Sprache oder Gepflogenheiten sind Heute, 20 Jahre nach dem Mauerfall nichtig geworden. Nur ein Problem haben „Wessis“ und „Ossis“, die Menschen aus dem Süden des jeweiligen Landes kann man einfach nicht verstehen. Sachsen und Bayern kann man da in einen Topf werfen. An alle, die die Mauer wieder haben wollen: Bauen wir sie doch einfach als Nord-Süd-Trennung!

Sprachlich sind die Unterschiede gelegentlich bemerkenswert und doch so einfach. Beispiel?

Im Osten gibt es kein Wort für „feudeln“

Der Strohhalm ist dort ein Trinkröhrchen.

Was wir gerne als Weihnachtsengel bezeichnen ist im Osten der Republik die „geflügelte Jahresendzeitpuppe“, obwohl ich das als umgangssprachlich abtue.

Und unser Q-Tipp ist ein einfaches Wattestäbchen.

Ich kann die Menschen, die die Mauer wieder haben wollen oft nicht verstehen. Auch wir haben ja schließlich jetzt mehr Reisefreiheit. Meine Eltern schimpften immer über das Beantragen eines Visums, doch Heute ist das alles kein Problem mehr. Man kann einfach so nach Heiligendamm fahren und demonstrieren und durch den Fußball beschauliche Orte wie Aue im Erzgebirge kennen lernen. Alles in allem ist die Wiedervereinigung gut gelaufen und ich muss sagen, dass der finanzielle Aspekt einfach mal raus genommen werden muss. Wir haben Menschen geholfen, die es – unserer Meinung nach – nicht so gut hatten. Gut, dass wir gezwungen wurden, denn mal ehrlich, für „Brot für die Welt“ spenden ja viele nur 1 Oiro in der Kirche, sofern sie denn überhaupt hingehen.


Das, für mich, schönste an der Wiedervereinigung ist aber meine Freundin!

 

Nachtrag: Einen anderen schönen Erlebnisbericht findet ihr hier!

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