2:1 für St.Pauli – Freitagabendspaß

Ich habs geschafft, ich kann wieder schreiben. Ich hatte einfach keine Lust auf die Schreiberei, kommt ja mal vor hab ich mir sagen lassen. Was ist also in letzter Zeit so passiert? Ganz einfach, ich hab mir einen neuen Rechner zugelegt. Endlich Windows 7, weg von dem nervig langsamen Vistaproblem. Die Geschichte läuft soweit ganz gut, der Rechner spielt gut mit und noch gibt es keine erkennbaren Probleme. Ich fühle mich also dementsprechend gut. Dennoch musste ich meine neues Baby gestern Abend einfach mal im Stich lassen.

Ein alter Schulfreund lud mich schon vor Wochen ein mit ihm ein Spiel des FC St. Pauli zu besuchen. Gestern ist es dann soweit gewesen. St. Pauli gegen Fortuna Düsseldorf. Nicht gerade ein Spitzenspiel, aber da das Stadion seit Wochen ausverkauft ist, bin ich einfach nur froh gewesen mal wieder live dabei zu sein. Ich denke es ist schon über 1 Jahr her, dass ich live mit fiebern durfte. Dementsprechend groß war meine Vorfreude.

15 Uhr: Mist, ich muss noch schnell was zum Beißen kaufen, nichts mehr im Haus. Wie konnte das nur passieren? Egal, ich hab noch Zeit.

15 Minuten später: Gibt zwar nur Brötchen, aber Hauptsache es füllt den Magen und schmeckt wenigstens ein bisschen. Eine Grundlage ist wichtig, da hab ich in meiner Jugend also doch etwas gelernt. Jetzt noch eine rauchen und dann unter die Dusche.

Kurz vor 4 verlasse ich endlich meine Wohnung. Der Getränkedealer meines Vertrauens ist ja direkt gegenüber. Ein paar Astra eingepackt, zum Treffpunkt gefahren und dann endlich die ersehnte Eintrittskarte in den Händen gehalten.

Um halb 6 stehen wir endlich vor dem Stadion und ich bin sichtlich nervös. Zu lange musste ich auf dieses Gefühl verzichten. Einige bekannte Gesichter kann ich erkennen. Die üblichen Verdächtigen eben.

Gegen 10 Minuten vor 6 lasse ich mich dann abtasten. Grinst der Kerl etwa? Nun gut, die empfindlichen Zonen lässt er aus. Meine Freundin wird es ihm danken, ich übrigens auch. Ich habe keine Ahnung wieso, aber ich muss gerade an ein Heer denken. Ein Heer von Uniformierten, die ich hier noch nicht gesehen habe. Ein Heer von Arbeitslosen, ein Heer von Protestierenden (nicht – Protestanten, das sind Religionsfreaks). Haben die Opelmitarbeiter eine Chance mit ihrem Protest? Was hat man davon, wenn eh keiner hinhört? „Toll, da sind ein paar Menschen unzufrieden.“ – mehr wird man, neben einem Achselzucken als Reaktion nicht erwarten dürfen. Da spielen die Industriebosse mit Mitarbeitern wie mit LEGO-Steinen. Passt das Häuschen nicht in den großen Stadtplan, wird es eben abgerissen. In Frankreich haben Protestler ihren Chef entführt um aufmerksam zu machen. Doch wer von Opel fliegt mal eben nach Amerika und entführt die ganze Vorstandsetage? Ein schier unmögliches Unterfangen. Es wird wohl doch wieder alles beim alten bleiben, nur dass sich die Heeresmitglieder verschieben. Das Heer der protestierenden Opelanern wird dann in das Heer der Arbeitslosen einfließen. Ein Heer weniger, Kriege werden dadurch wohl aber nicht verhindert werden.

4 Minuten sind gespielt. TOOOOOOOOOOOOOOOOR! Tor durch Kruse. Ich bin am Feiern. Hinter mir der schönste Kommentar des gesammten Spiels: „Sehr gut Jungs, jetzt locker die Zeit runter spielen!“ – Stimmt, 1:0 nach 4 Minuten, da ist es logisch den aktiven Spielbetrieb ein zu stellen und sich jeden Aktionismus zu schenken. Oh man, was ein klasse Kommentar.

Ja ja, einfach schon Kilometer vor der Ziellinie aufhören zu Laufen. Wozu durchhalten, hat man doch das Gefühl es kann noch was schief gehen. Geht es dann schief, ist man doch sowieso nur enttäuscht. Da kann man auch gleich mal jedes Handeln einstellen. Versteh ich vollkommen, mach ich doch auch so. Wenn ich weiß ich muss aufs Klo steh ich ja auch nicht auf, ich könnte ja auf dem Weg dahin hinfallen und es dann nicht mehr rechtzeitig schaffen, so mit 2 gebrochenen Beinen und so. Was passiert wenn man sich zu früh zu sicher ist, oder verzweifelt aufgibt bekommen jetzt die Mitarbeiter von Opel zu spüren. So ist es dann aber wohl im Leben, andere bauen Mist und wir kleinen Verdiener müssen es ausbaden. Ein Patentrezept gegen diesen Missstand habe ich leider noch nicht gefunden. Ich setze euch aber in Kenntnis wenn es soweit ist.

Elfmeter gegen uns und es steht 1:1! Gedämpfte Stimmung um mich rum. Gleichstand? Wie konnte das nur passieren. Der Schiri hat mich nicht wirklich überzeugt, aber nicht nur wegen des einen Elfers. Der Pfeiffenmann könnte locker Unterricht geben. Fach: Wie verpfeiffe ich ein Fussballspiel!

Halbzeitstand 1:1 und 5 Bier im Kuschelpunker (original SMS an meine Freundin)

Nun denn, was gibt es aus der 2. Halbzeit zu berichten? Noch ein schönes Tor durch den eingewechselten Hennings. Der Joker hat mal wieder gestochen. Mit dem 2:1 kann hier jeder gut leben. Nach Spielabpfiff haben wir dann noch die Haupttribüne verabschiedet, denn die wird am Donnerstag feierlich vom Präsi mit dem Bagger platt gemacht. Natürlich nicht alles, aber zumindest werden ab dem Tag erstmal keine Karten mehr für die Tribüne verkauft werden.

Auf dem Hamburger Dom gabs dann noch ein paar Feierabendbierchen für 1 Oiro den Becher. Nüchtern sieht, spätestens ab dem Zeitpunkt, anders aus!

Soviel zu den gestrigen Ereignissen. Ich hoffe meine Schreiblust wiedergefunden zu haben und euch somit nicht mehr so lange aus meinem Leben zu verbannen, bzw. euch so einer langen Lesepause aus zu setzen. Bis bald mal wieder auf diesem Sender.

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