„In Deutschland spricht man Deutsch“

Was für eine Schlagzeile. Unser vielleicht Außenminister, Der Herr Westerwelle, hat sich einen „Klopper“ sondergleichen geleistet. Auf einer Pressekonferenz hat der feine Herr sich darüber mukiert, dass ein britischer Journalist eine Frage auf englisch stellte und in genau dieser Sprache auch eine Antwort erwartete. Nun kann man darüber geteilter Meinung sein. Insbesondere für die Schreibenden eines Blogs ist da Sensibilität gefragt, denn all zu leicht wird der Blog dann in eine Ecke geschoben. Nicht nur für die Blogger ist das heikel. Allgemein ist dies eine komplizierte Sache. Stimmt man Herrn Westerwelle zu, dann ist man Patriot, Nationalist und noch schlimmeres. Findet man das aber nicht so dolle, dann ist man ein Ignorant, Volksverächter und hasst seine Sprache. Keine tolle Ausgangsposition um einen Artikel zu schreiben, oder?

Ich mach es mir hier mal nicht ganz so einfach und schreibe mal auf, was ich darüber so denke. Auf der einen Seite sehe ich mit Besorgnis die Veränderungen meiner Muttersprache durch die ganzen Anglizismen. „Kaffee zum mitnehmen“ heißt jetzt „Coffee to go“ und einfach Berufsbezeichnungen müssen jetzt einfach, durch einen Anglizismus, besser klingen. Aus dem „Kaufmann im Einzelhandel“ wird durch eine Ausbildung und einem kleinen Kurs, der eigentlich unnötig ist, ein „Sales Manager“. Frau ist jetzt auch keine Sekretärin mehr, sondern eine „Office Managerin“. Gleiche Arbeit, klingt aber besser. Donald Rumpsfeld sprach einmal von dem „alten Europa“, unsere Sprachgewohnheiten sprechen dagegen, denn man muss ja mit der Zeit gehen. Deutsche Sprache verändert sich, hat sie schon immer getan. An der Schulwand, eines von mir besuchten Gymnasiums, stand mal, dass Latein die späte Rache der Römer an den Germanen sei. Als ich dann Latein wählte musste ich feststellen – es stimmt! Mit ein bisschen Fleiß kann man diese „tote“ Sprache gut lernen. Ich benutze Heute noch gerne das Wort „vino“ für „Wein“, beeinflusse also die deutsche Sprache auch in meiner kleinen Welt.

Neben den Veränderungen von Sprachen, ist deren Bestehen doch eine Pflicht. Ein Zusammenhaltsgefühl entsteht durch eine gemeinsame Sprache. Es gibt verschiedene Beispiele aus den Jugendkulturen oder anderen Subkulturen. Es ist zwingend notwendig eine Verständigungsform, nichts anderes ist die Sprache, zu finden, die verbindet und von anderen abgrenzt. In Frankreich sagt man sinngemäß: Einmal Franzose immer Franzose! Wer als Franzose geboren wird, der gibt seinen Pass nie ab. Es gibt in Frankreich ein Institut, dass für den Erhalt der Landessprache sorgt. In Geschäftsbriefen findet man selten bis nie einen Anglizismus wie „Computer“, obwohl der Begriff allgemein verstanden wird finde man die Begriffe „informatique“ oder „ordinateur“ öfter. Für die Franzosen eine Ehrensache. Hier zu Lande hat man sich an einige Begriffe gewöhnt, so schreibe ich Geldbörse nur, weil mir oft die richtige Schreibweise von „porte-monnaie“ (hab das grad nachgeschlagen!) nicht einfällt. Wir Deutschen müssen mit unseren Ansprüchen, aus historischer Sicht, bekanntlicher Weise recht vorsichtig sein. Mal ganz ehrlich – mir egal!

Ich mag die deutsche Sprache, denn sie ist die weit verbreitetste in Europa und außerdem eine so schwierig zu erlernende Sprache, dass wir auf unsere Grammatik stolz sein sollten, denn sie gewährt uns in gewisser Weise einen Sonderstatus. Jeder der schreibt, der wird mir beipflichten, dass wir unsere Schreibweise immer wieder verfeinern, immer wieder an uns arbeiten müssen, damit wir nicht wie ein 10.Klässler rüberkommen. Ich schreibe, nicht erst seit gestern, Geschichten, habe auch ein unveröffentlichtes Buch von mir hier rum liegen, aber seit dem ist viel passiert und mein alter Schreibstil beschämt mich schon fast ein wenig. Ich möchte kein Lehrer sein, denn was einige auf der Straße so von sich geben ist nur noch ein Kauderwälsch ohne Struktur. Vielleicht ist es gar nicht mal so schlecht, dass Herr Westerwelle mal auf den Tisch gehauen hat und somit mal wieder auf ein Thema aufmerksam macht, dass für viel einfach egal ist. Jede Nationalmannschaft dieses Landes kennt die Nationalhymne, wer die kennt, ERkennt schon am Text, dass Einigkeit ein wichtiger Bestandteil unseres – jedes – Volkes ist. Wird wohl Zeit mal danach zu handeln, oder?

Den Auftritt des Herrn Westerwelle könnt ihr euch hier anschauen:

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5 Responses to „In Deutschland spricht man Deutsch“

  1. sebastiang63 says:

    Also ich finde das doch sehr hübsch, zumal der Rheinländer offenbar durchaus sich der Peinlichkeit der eigenen Zwiesprache mit dem britischen Pressevertreter bewusst zu sein scheint. Da kommt doch ad hoc eine ordentliche Portion Schadenfreude bei mir auf; noch nicht einmal Außenminister und schon den ersten peinlichen Auftritt absolviert. Bravo!

    Immerhin können wir nun sicher sein, dieser Mann wird das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland in Zukunft würdevoll im Ausland repräsentieren!

  2. LaRocca says:

    Ich bin auch gegen Anglizismen mit all diesen komischen Wörtern und Phrasen („Ey Freak, hör auf mich zu dissen, dein Gehate is nicht tight!“), weil wir uns schon ein bisschen unsere Kultur bewahren sollten.

    Aber das steht doch in keinem Vergleich zu dem, was Westerwelle da getan hat. Wenn er Englisch kann, soll er dem Briten doch auf Englisch antworten. Das hat was mit Respekt gegenüber anderen Kulturen zu tun. Man kann nicht verlangen, dass Menschen aus anderen Ländern die deutsche Sprache beherrschen, aber wenn man doch deren Sprache beherrscht, sollte man sie anwenden, scheiß egal, ob man sich dabei gerade in Deutschland oder auf dem Nordpol befindet.

    Gerade als eventueller Außenminister ist das ein riesiger Faux-Pas (Ha, das ist französisch). Will er dann genauso doof rumzicken, wenn US-Präident Obama zu Besuch kommt und ihn auf englisch anspricht?! Und wenn er nach Japan reist, wird er japanisch sprechen? Denn „In Japan spricht man japanisch“.

  3. kuschelpunker says:

    @sebastiang63

    da vermisst man glatt den Herrn Fischer, denn der hat auf internationalem packet eine gute figur abgegeben.

    @larocca

    Es gibt überall übersetzer, so hat es in diesem fall ja auch funktioniert. im nachhinein muss ich zugeben, dass die aktion schon etwas drastisch gewesen ist, vielleicht hätte man das auch etwas anders lösen können (frag bitte nicht wie) und so nicht schon vor dem amtsamtritt die gemüter erhitzen müssen. alles in allem bleibe ich aber bei meiner meinung, dass die übersetzer nicht umsonst da sind und in allen ländern übersetzt wird. irgendwie müssen wir doch wenigstens diese arbeitsplätze sichern, oder?

  4. leaclow says:

    Ich glaube, Westerwelles Reaktion hatte einen ganz praktischen Grund. Betrachtet man andere Außenminister, sei es nun Hillary Clinton oder der Herr von Japan, dessen Namen ich leider nicht kenne, so würde weder die eine noch der andere sich jemals zu einer politischen Frage auf einer Fremdsprache äußern. Der Grund ist einfacher dieser, dass man nie so gut wie ein Muttersprachler eine Sprache sprechen wird. Bei Worten kommt es auf Bedeutungsnuancen an. Es ist also reine Vorsicht, wenn Westerwelle auf Deutsch anworten möchte – da kann es weniger leicht in Fettnäpfchen treten.
    Bezüglich „Deutsch ist die weitverbreiteste Sprache in der EU“ muss ich jedoch widersprechen => Italienisch ist viel verbreiteter…
    Liebe Grüße aus Ungarn=)

  5. reizzentrum says:

    @leaclow

    War die Frage des Journalisten so tief politisch, dass es angezeigt war aufgrund der Problematik des Missverstehens in der Heimatsprache zu sprechen? DANN wären Westerwelles englischen Sprachkenntnisse katastrophal und er wäre wohl kaum in der Lage sich Fish & Chips zu bestellen.

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