Ich hab nicht „JA!“ gesagt, hatte aber dennoch ein schönes Wochenende

Was das wieder für ein Wochenende gewesen is. Meine lieben Leser, ich glaube ich bin immer noch nicht ganz klar in der Birne. Beginnen wir aber von vorne.

Mein kleiner Bruder entschloss sich schon vor vielen Monden seine Lebensgefährtin zur Frau zu nehmen. Soll ja passieren. Kann man mal machen, muss man aber nicht. Er auf jeden Fall glücklich. Fragte vor geraumer Zeit auch, ob ich ihm nicht den Trauzeugen mache. Macht man ja als anständiger Bruder – der ich nicht bin, aber egal – so und deshalb musste ich am Freitag also mit zum Standesamt. Pünktlich Mutti abgeholt, erstaunlicher weise auch noch schnell nen Parkplatz vor dem Amt gefunden. Lief echt gut soweit. Bruder sah schick aus im Anzug. Ich hatte mich übrigens auch artig in Hemd, Kulturstrick und schicker Hose mit noch schickeren Schuhen geschmissen. Hab mich im Spiegel fast nicht wieder erkannt. Soll angeblich gut ausgesehen haben. Essen nach der Hochzeit war der Hammer. Lamm, gefüllte Pute…Leute ich kann euch hier, zu eurem Leidwesen die Speisekarte nicht aufschreiben, beiße sonst in den Monitor. Es war ein anstrengender aber schöner Tag.

Samstag. Nach einem seeehr langen Verdauungsschläfchen hab ich mich dann doch gegen Mittag aus dem Bett geschält. Ein mageres Frühstück und warten auf die Liebste. Die Frühstückspizza wird noch verdaut, da steht sie auch schon in der Tür. Gemeinsam ziehen wir uns dann um. Carrie benetzt ihren Körper mit einem, auf Taille geschnittenen, schwarzen Etwas. Oben geschlossen und kurz überm Knie kommt wieder Haut zum vorschein. Euer Kuschelpunker trägt sogar mal ein weißes Hemd. Schlipps und ein schwarzes Smoking-Jacket komplettieren mich oben rum. Meiner Freundin verschlug es die Sprache als sie mich sah. Begeisternd musterte sie mich von oben bis unten. Ich soll wohl wie eine Mischung aus Türsteher und (mit Sonnenbrille) Mafioso ausgesehen haben. Ich nehme es mal schweigend hin. Beweisfotos wurden natürlich auch gemacht, aber die bekommt ihr nicht zu sehen.

Gut, dass wir den Wein zu hause gelassen haben. Kirchliche Trauungen finde ich mehr als flüssig. „Wenn ihr euch liebt ist Gott in euch!“ – ein Porno in der Kirche? Ich muss mir nicht nur hier kräftig auf die Lippen beißen (meine Mutter saß neben mir!), meine Liebste tat das nicht und so wurde es fast unerträglich das Lachen in mir zu behalten. Kirchliche Trauungen, da hat man was zu lachen. Die Damen unter meinen Lesern werden jetzt vielleicht protestieren, aber ich muss ehrlich sagen, dass ich froh gewesen bin als ich das große Haus ohne Bewohner wieder verlassen durfte. – Randnotiz: Ich habe nicht angefangen zu brennen! – Leider nur für kurze Zeit, denn eine ordentliche Fotosession musste natürlich auch noch sein. Na ja, was macht man nicht alles für seinen Bruder. Komischer weise kamen keine Meldungen, dass bei einer Kamera die Linse geplatzt ist. Merkwürdig.

Die Feier war eine der angenehmsten, die ich je erleben durfte. Nicht nur, dass – wie sollte es auch anders sein – das Essen wieder der Hammer gewesen ist (ich glaub ich wieg nach diesem Wochenende locker 10 Kilo mehr!), auch das Wiedersehen der ganzen Verwandtschaft und das Strahlen des Brautpaares überzeugte auf ganzer Linie. 4 Uhr. Der Kuschelpunker ist betrunken, sein Bruder raucht eine Zigarre und Braut und Freundin tratschen während wir alle auf den Fahrer des Abends warten. Es war ein berauschendes Fest, was ich nicht nur auf Grund meines Katers am Sonntag feststellen durfte. Alle schienen glücklich und zufrieden.

Einen fahlen Nachgeschmack hatte das Ganze aber doch. Wieso müssen denn immer diese dämlichen Fragen kommen: „Bist auf den Geschmack gekommen? Wann ist es denn bei dir soweit?“ – Ja aber hallo meine Lieben. Bin ich den bescheuert? Warum soll ich was kaputt machen was so schön funktioniert? Ich bin glücklich so wie es ist, da gibt es kein wenn und aber. Ich will mir keine Handschellen anlegen lassen, wohne ja noch nicht mal mit meiner liebsten zusammen. Ich brauch kein Stück Papier, das mir sagt, dass mein Mädchen zu mir gehört. Spreche ich von Carrie, hab ich kein Problem von meiner „Frau“ zu sprechen. Mal so unter uns Gebetsschwestern…..ich würd mich echt gefangen fühlen. Ist es das Wert? Was wenn man sich trotz des Ehepapiers trennt? Anwalt, Gütertrennung, vielleicht auch noch ein Sorgerechtsstreit…..muss das denn sein? Ne ne, bei mir bleibt erstmal alles wie es is in der Liebe. Soll heiraten wer will, ich erstmal nicht. Ich bin ledig und das ist gut so!

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