„Kevin, schling nicht so!“

Ich hatte Heute mal wieder das zweifelhafte Vergnügen früh aus den Federn zu müssen. Es soll ja Menschen geben, denen macht das nichts aus. Mir schon! Es begab sich also zu der Zeit um 8 Uhr herum, als aus meinem Radiowecker irgend ein neumodischer Popsong dröhnte. – Erinnerung an mich selber: Wecker unbedingt ein bisschen leiser stellen! – Ich drehte mich zum Fernseher, da ich der Meinung war, dass der selbige noch lief. Dem war nicht so. Werd ich wohl Heute Nacht ausgemacht haben. Drehung zum Wecker, Blick auf die Zeitanzeige und dann einfach nochmal frech umgedreht. Der Tag begann also nicht so prall wie ich das gerne hätte. Den Duschkram und so fix erledigt und dann los. Behördengang. Nichts neues, muss ja aber auch mal sein. Nach der Behörde dann der Gang in einen der großen Konsumtempel. Ich brauchte noch Schuhe. Wer mich kennt weiß, dass ich kein Schuhfetischist bin und auch nicht mal ansatzweise auf die Idee kommen würde, schlechte Laune mit einem Schuhkauf wieder an zu heben. Was soll ich sagen? Im letzten Schuhladen hab ich dann endlich ein Paar gefunden mit dem ich leben kann. Muss ja auch fast den ganzen Samstag darin durch die Gegend laufen. Mein Bruder hat sich ja mal so gedacht, dass er seiner Holden einen Ring an den Finger stecken will. Wer es braucht…

Nette Verkäuferin gehabt. Gute Beratung und natürlich dieselbe auch gut bezahlt. Na ja, vielleicht hab ich ja länger was von den Tretern. Ich will es ihnen geraten haben. Ich weine also dem ausgegebenen Geld nach und denke mir, dass es jetzt ja auch nicht mehr auf den Oiro ankommt. Essen. Ich habe Hunger, und was für einen. So wie ich aussehe kann die Fast-Food-Kette mit dem großen M auch nicht mehr viel Schaden an meinem Körper anrichten.

Einmal das Menü mit Chicken, Cola, keine kleinen Tütchen zum verfeinern, das blaue Coal-Glas und das alles zum hier essen.“ – durfte ich 2 mal wiederholen, da der Jung an der Kasse nicht von der hell, schon gar nicht von der schnellen Sorte gewesen ist. Ich überstehe die Situation nur durch mein antrainiertes Verhalten, in dem ich im Kopf an einen Einkaufszettel denke oder mir den letzten gehörten Song nochmal vorsinge. Situation vorbei. Ich hab Essen. MOPO auf den Tisch, Tablett daneben und die Nachbartische aus dem Augenwinkel gleich mal unter die Lupe genommen. Rechts neben mir – Frei. Links neben mir ein älteres Ehepaar mit ihrem Sohn – für die Alten bestimmt ein Kulturschock, meine Mutter würd ich da jedenfalls nicht zu sehen kriegen! Schräg vor mir – eine Mutter mit ihren 2 Söhnen. Keine Einkaufstaschen, vielleicht ein Arztbesuch. Ich kann nur mutmaßen.

Kevin, schling nicht so!“

Oha, diese eh schon viel zu moppelige Kind kommt noch auf die Idee bei Fast-Food zu schlingen. Ich habe keine Ahnung wie dieses Balg satt werden soll, is ja aber nicht mein Körper. In dem Alter, ich denke das Kind wird so zwischen 8 und 11 Jahren gewesen sein, sah ich auch so aus. Mit einem kleinen Unterschied – Meine Mutter hat das bemerkt und ist nicht mit mir in solche Franchiseketten essen gegangen. Ich wurde noch durch Muttis Küche aufgebläht, rund gemacht, wie man es auch immer nennen will. Vielleicht ist das ja Heute alles anders. Vielleicht trägt die Mutter die Brille nur, damit sie in der Ferne einen neuen Papa für die Kleinen suchen kann, vielleicht will sie es nicht sehen, denn dann müsste sie sich ja mit den körperlichen Problemen des Kindes auseinander setzen. Mir bleibt es ein Rätsel. Ich lese weiter von dem Kantersieg des FC. ST. Pauli im Aachener Tivoli. Als ich wieder aufsehe sitzt das eine Kind satt und auch sehr träge auf seinem Stuhl. Ich sehe ihn mir so an, seine Mutter meckert gerade mal wieder und dann fällt es mir ein. Na klar, alles Taktik der Mutter. Kind macht was falsch, Mutter will es ausschimpfen und Kind kann nicht weglaufen wegen Schnappatmung nach 3 Metern. Gute Taktik junge Frau.

Als ich den Fast-Food Laden und die gesammelte Anhäufung von Läden verlasse habe ich die Szenerie schon wieder fast vergessen. Am Bahnhof warte ich auf meinen Bus. Als der große Transportmercedes endlich vorfährt und ich einsteigen kann bin ich erleichtert. Ich habs geschafft! Ich bin auf dem Weg nach Hause. Ich sitze und warte auf das Anfahren, da hechelt es hinter mir. Ein süßer Hund? Eine alte Frau mit Gehproblemen? Nein! Es sind die 2 Jungs von vorhin. Schweißgebadet setzen sie sich auf die Sitzbank neben mir. Die Schweißperlen sind unübersehbar. Ich fahre 2 Stationen, total entspannt. Einer der Jungen scheint noch immer am Hecheln zu sein, doch auf einen erstaunten Blick der Mutter warte ich vergebens, denn die unterhält sich angeregt mit ihrer Sitznachbarin. Ich bin jetzt 30 Jahre alt, aber selbst mit Raucherlunge und einem Alkoholkonsum wie einst Harald Juhnke noch besser in Form als dieser kleine 8-11 jährige. Der Staat wird sich freun. Ein Revoluzzer weniger, denn der Junge kann ja nicht mal ohne kleinen Herzinfarkt vor ner Schnecke fliehen!

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14 Responses to „Kevin, schling nicht so!“

  1. jekylla says:

    Ein Glück, dass es die Mopo vom 18. war, sonst hätten Sie Ihr Chicken-Maxi-Menü wiedergesehen…

  2. kuschelpunker says:

    wie krieg ich die bilder jetzt wieder aus meinem kopf? – muss dir aber recht geben, die mopo vom tag nach dem st. pauli – aachen spiel war schon echt bitter!

  3. jekylla says:

    Ich gebe zu, dass ich das Blatt bisher hin und wieder auch gekauft habe. Jetzt nicht mehr. Und sie zensieren munter weiter in den Kommentaren. BILD Dir Deine MOPO.

  4. kuschelpunker says:

    denken sich wohl auch, wenn die politiker den artikel 5 des grundgesetzes abschaffen – jedenfalls den sinn dieses artikels – dann dürfen die herren redakteure das doch munter mal umsetzen! ich könnt k*****!

  5. jekylla says:

    Wenigstens gibt es Blogs, Foren, twitter, damit man diese Wut trotzdem los wird.
    zeitonline lässt übrigens auch extrem zeitonline-kritische Kommentare stehen. Jetzt weiß ich das erst wirklich zu schätzen.

  6. kuschelpunker says:

    traurig das es verschwindend wenig wird und man sich schon mit kleinkram zufrieden gibt. in was für zeiten schliddern wir nur hinein?

  7. jekylla says:

    Gruselig, das stimmt. Aber der Tag, an dem ich sowas schweigend hinnehme, dürfte mein Todestag sein. Wenigstens selbst möchte ich noch in den Spiegel schauen können, auch wenn es scheinbar nichts bringt.
    Sozialromantik?

  8. kuschelpunker says:

    nur wer mit sich selbst im reinen ist, der kann auch andere überzeugen. insofern ist es mal ganz gut sich noch selber im spiegel an zu schaun. sozialromantik? vielleicht, aber in diesem fall gesund und überlebenswichtig.

  9. jekylla says:

    Und immerhin sind wir wohl mindestens schon mal zu zweit 😉

  10. kuschelpunker says:

    jaaaaaa! – aber mal ehrlich, könnten wir nicht noch mindestens 5 leute aus unserem bekanntenkreis hin zu zählen?

    ein wassertropfen ist viel auf erden, doch aus vielen wassertropfen können wasserfälle werden!

  11. jekylla says:

    Ja, da kommen tatsächlich einige zusammen! Also weitermachen!

    Übrigens interessantes Blog, heute erst hergefunden, ich komm dann mal öfter her.

  12. kuschelpunker says:

    danke für das kompliment, kann ich nur zurückgeben. schau ruhig mal ein paar monate zurück, dann wirste bestimmt noch den ein oder anderen interessanten beitrag finden. aus vielen themen ein bisschen was. ich werd deinen blog auch im auge behalten, denn das is endlich mal ein vernünftiger fussball-fan-blog!

  13. jekylla says:

    Ich bin schon am durchklicken.

    Danke ebenfalls fürs Kompliment, freut mich sehr.

  14. kuschelpunker says:

    viel spaß beim lesen!

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