Abschied

Viele Tage sind wieder vergangen. Viele Tagen an denen ich viel zu tun hatte. Keinen Tag verschenken. Bewusst wird einen das eigentlich immer nur dann, wenn man einen Ort betritt an dem die Vergänglichkeit mit jedem Atemzug inhaliert wird. Ob es einem nun gefällt oder nicht. Am Freitag haben, neben mir, noch viele Menschen einen alten Freund zu Grabe getragen. Er war damit der 4 liebe Mensch aus meinem Bekanntenkreis in den letzten 3 Jahren. Seinen Verlust will ich damit nicht schmälern, lediglich zum Ausdruck bringen, dass bei fortschreitendem Alter solche Dinge nicht aus bleiben. Ein Schock, bedenkt man doch, dass man sich schon des öfteren mit dem Ableben beschäftigt hat. Kommt es dann aber tatsächlich, scheint es, als könne man sich die ganzen Überlegungen sparen. Irgendwie ist es egal, ob nun nach langer Krankheit oder plötzlich. Ist es soweit, dass man einen lieben Menschen nicht mehr wieder sehen kann, dann gibt es nur einen Reaktion – Fassungslosigkeit!

Ich habe bei der Beisetzung viele alte Bekannte wieder getroffen. Ich hätte sie gerne unter anderen Umständen gesehen. Hängende Köpfe, der Versuch durch einen Spruch die Situation auf zu lockern und dann die Erkenntnis, dass nichts so sein wird wie vorher. Der schwere Gang zum Grab, der Blick in schweigende Gesichter und dann noch das Hören der stumpfen Schritte. Langsam schlingert der Trauerzug zum Grab, der eine Schritt mal schneller, der andere mal langsamer. Hände in den Hosentaschen, Hände hinter dem Rücken verschränkt. Jeder auf seine Weise.

Beängstigen wie viele Seelen neben dem Gehweg ihre ewige Ruhe finden sollten und dann kommen wir. Hinter jedem Namen auf einem Grabstein schlummert ein Leben. Hat es einen Weltverbesserer erwischt, oder ist ein Zimmermann hier zur letzten Ruhe gelegt worden? Getrauert wird/wurde in jedem Fall. Auch für diese Menschen rascheln die Blätter an den Bäumen ihre letzten Akkorde. Vereinzelt fliegen Marienkäfer durch die Lüfte, setzen sich auf traurige Schultern als wollten sie Trost spenden. Es hilft nichts. Stumm gehen wir weiter.

Am Grab stehend und den letzten Worten lauschend betrachte ich die arme Witwe, die Geschwister des Verstorbenen und den vielen Bekannten und Freunden. Auch wenn ich mittendrin bin, auch wenn ich traurig bin, so ist dieses Gefühl mit keinem zu vergleichen. Jeder trauert doch auf seine Art und Weise. Blumen für den Toten, ein buddhistisches Gebet, oder so wie ich, den Kopf ob des Verlustes schütteln und traurig ein „Du wirst mir fehlen“ stumm an die wichtigste Adresse in diesen Sekunden senden.

Als ich später mit Freunden noch bei einem Bierchen zusammensaß schwirrten meine Gedanken nur so umher. Eine Frage nach der anderen versuchte ich mir zu beantworten. Wann hat man wirklich gelebt? Wann ist mein Leben eines, an das sich auch andere erinnern mögen? Wird man mich vermissen? Ich fand keine rechte Antwort auf die Fragen. Muss ich das aber? Noch eine Frage, die ohne Antwort blieb und wohl auch bleiben wird. Obwohl ich nach diesem, nicht sehr angenehmen Freitag ein angenehmes Wochenende hatte, so verließen meine Gedanken doch keine Sekunde die Personen, denen ich ebenfalls so schöne Stunden zu verdanken hatte!

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One Response to Abschied

  1. Rosi says:

    es tut mir sehr leid für dich…

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