Medienhetze – aber ich bin ein Gewinner

Die populistische Meinung, dass Hartz IV Empfänger dumm und arbeitsscheu sind, kennt man ja schon. Die Meinung einiger Studierter, dass die weiblichen Mitglieder dieser Kaste nur zum gebären da sind und so weitere 2 Jahre vor dem Amt ihre Ruhe haben, durften wir ja auch schon in der Springerpresse lesen. Alles in allem nicht viel neues über uns. Manchmal fühlt man sich da schon geächtet, aber was will man machen? Welchen Journalisten interessiert es, dass ich mich manchmal schäme ein Abhängiger der Gesellschaft zu sein und nur mit gesenktem Kopf meinen Status preisgebe? – KEINEN! Ist doch auch viel verkaufsfördernder von Arbeitslosen zu schreiben die das Amt austricksen und ohne scheu „Nachbarschaftshilfe“ betreiben um sich so nebenbei noch den ein oder anderen Zwanziger ein zu stecken. Großes Kino meine lieben Mitmenschen der schreibenden Zunft.

Ich habe Heute davon gehört, dass jedem Empfänger von ALG II oder ähnlichen Bezügen ein Fernsehgerät zusteht. Der Oberste Gerichtshof hat das so entschieden. Ich freu mich schon auf die BILD in den nächsten Tagen, die haben jetzt ja wieder eine tolle Schlagzeile mit der sie das Volk aufhetzen können. Entscheidend ist an dieser Stelle aber, dass es sich um einen gebrauchten Fernseher handelt, es muss kein Neuer sein. Werden die Schreiberlinge bestimmt weglassen um die Stimmung noch ein wenig an zu heizen. Immer auf den Bodensatz – getreten wird ja immer noch nach unten! Ich glaube daran wird sich auch nie was ändern. Ob wir ein Anrecht darauf haben am gesellschaftlichen und sozialen Leben teil zu nehmen? – Ich denke schon. Auch wenn viele meiner Kastengenossen nicht die hellsten sind und gerade im fortgeschrittenen Alter den Lebensmut mit Alkohol ertränkt haben, so müssen doch auch diese Menschen am Kiosk was zu erzählen haben, oder? Ist es klug das Volk dumm zu halten? – Mit Sicherheit. Wer nicht informiert ist hat auch nur die Meinung, die man ihm vorgibt. So einfach funktioniert das. Die Gebildeten, die Arbeitenden, sie fürchten um ihren Status. Den Status immer einen Schritt voraus sein zu können. Wie sonst ist es zu erklären, dass viele auf die Banken schimpfen aber kaum einer eine Ahnung hat wie das Bankensystem (zumindest vereinfacht) funktioniert. Am Kiosk nebenan brauch ich nicht danach fragen woher das Geld für einen Kredit kommt, da reicht das Aufschlagen der einschlägigen Tageszeitungen. Wobei ich hier mal anmerken möchte, dass durchaus ein gewisser Informationsgrad vorhanden ist, kommt halt nur drauf an welche Zeitung man liest und ob man die Informationskästchen überhaupt liest. Schön viele Fremdwörter reinpacken, schon versteht es nur noch ein Bruchteil der Leser. Informationen um die Vorgänge zu verstehen sind ja aber verteilt worden.

Es gibt da diverse Tricks, die auch ich nicht durchschaue. Als schreibender bin ich mir aber durchaus der Macht von Worten bewusst, kann also zumindest nachvollziehen warum bestimmt Worte gewählt werden. Die Briten sind da extrem weit vorne. Das Wort „Blitzkrieg“ ist in einem Text, der Verbindungen mit den Deutschen hat, keine Seltenheit. Ich bin nun kein Leser der ausländischen Presse. Liegt wohl daran, dass ich nie der Held im Vokabellernen war und so einfach zu wenig von den Texten verstehe. Eigentlich schade, denn in Verbindung mit dem Angebot von einer Reisegesellschaft, hätte ich da viel zu lesen. Für 7 Oiro am Tag einen Liegestuhl am Pool/Strand sicher zu haben ist schon ne feine Sache. Schmeckt den Briten aber so gar nicht. Nix mehr mit „wer zuletzt kommt, den bestraft das Leben (der Brite)“. Ausgrenzen scheint neuer Volkssport zu sein. Was man im eigenen Land schon einmal toll gemacht hat, wird jetzt einfach mal ausgeweitet. Als ob unser Bild im Ausland nicht auch so schon angeschlagen genug ist. Ja ja, ein Spiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnen die Deutschen! So etwa sagte es Gary Lineker nach dem Halbfinalaus im Elfmeterschießen der Engländer gegen die Deutschen bei der WM 1990. Es gewinnen aber immer nur bestimmte Mitglieder mit deutschem Pass. Ich gehöre da jetzt auch zu, denn ich weiß jetzt, dass ich Anspruch auf einen gebrauchten Fernseher habe, also weiterhin die bekloppten TV Sendeformate ansehen kann. Ich bin ein Gewinner, denn ich kann mich weiterhin von meinem Leben ablenken!

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One Response to Medienhetze – aber ich bin ein Gewinner

  1. Rin says:

    He du=)

    hmm, ich kann deinen Zorn nachvollziehen. Aber du solltest nicht die komplette Journalistenriege über einen Kamm scheren. Es gibt auch noch jene unter ihnen, die durchaus einem Arbeitsethos folgen. Die sind allerdings eher nich so bei der ZEITUNGS-Redaktion zu finden;)… Bei der Frage der Volksverhetzung muss man erst einmal fragen, wenn sprechen die (meisten) Zeitungen an? Bei der ZEITUNG ist es der Durchschnittsbürger. Ein Arbeiter mit Haupt-, vielleicht Realschulabschluss, der 10 Stundentage schiebt, am Abend nach Hause kommt, recht wenig Lust drauf hat sich im Fernsehen eine Politsendung rein zu ziehen, sondern sich lieber berieseln lassen möchte. Das Leben hat ihm wenig zu bieten. Neben dem Job hat er vielleicht noch seine Familie. Alles ist Alltag. Da möchte er doch zumindest ein bisschen Aufregung rein bringen. Und die Zeitungen können ihn am besten aufregen, wenn sie ihm vor Augen führen, was all diejenigen tun, die eben keine 10 Stundentage hinter sich bringen. Da springt dann sein Gereichtigkeitsgefühl an. Ist ja unfair, wenn „die“ nen Fernseher für nix bekommen, sollen doch lieber arbeiten….Im Endeffekt wird der komplette Hintergrund ausgeblendet, weshalb manche in Hartz IV landen. Das ist ziemlich doof….Im Endeffekt nutzen die Zeitungen also das Bedürfnis des Arbeiters aus. Gäbe es das Bedürfnis nicht, wären auch die Zeitungen anders gestrikt. Sind sie aber nicht. Aufregen ist halt schöner als denken. Wobei…nach einem 10Stundentag auch nicht verwunderlich…
    liebe Grüße!

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