Ein Bus ist eben nicht das TV

Wenn der Postmann zwei mal klingelt….. – an diesen alten Softpornotitel musste ich Heute morgen denken. Nach 5 Stunden Schlaf, ich konnte mal wieder die halbe Nacht nicht schlafen, klingelte es an meiner Tür. Bei der Wärme, die auch in Hamburg zur Zeit herrscht, hab ich dummer weise meine Schlafzimmertür offen gelassen. Gerne schlafe ich mal so tief, dass neben mir eine Bombe hoch gehen könnte ohne auch nur ein Zucken meinerseits. Heute morgen nicht. Erbarmungslos schellte es und ich Trottel zwängte mich auch noch unter meiner Bettdecke hervor. Eine Briefzustellerin lächelte mir entgegen. Sie war eigentlich nicht mein Typ, aber das Lächeln fand ich schon sehr nett. In meinem zugeschnürten St. Pauli – Bademantel stand ich also im Türrahmen und durfte ihr auch noch Auskunft über meine weggezogene Nachbarin geben. Ein Traum. Genau das hab ich Heute morgen gebraucht. Was kommt als nächstes? Richtig – ich konnte nicht mehr einschlafen und der Blick auf den digitalen Schlaftöter verriet mir, dass ich in 30 Minuten eh aufstehen musste. Klasse! Etwa 5 Stunden Schlaf, genervt von der Post und so darf ich dann zu Mutti. Na, die wird sich freun. Tat sie komischer weise auch. Mutti halt.

Nach einem leckeren Mahl, dem dazugehörigen Nachtisch und einer Glühbirnenauswechslung ging ich dann wieder von dannen. Es schien die Sonne, meine Zigarette glühte ebenso wie ich und ich hatte noch 4 Minuten bis der Bus kam. Als es dann endlich soweit gewesen ist, freute ich mich nur noch auf den Fahrtwind, der durch die geöffneten Seitenfenster dringen sollte. Es kam das Lüftchen und ich ärgerte mich, weil mein Platz richtig schön ungünstig gewählt war. 12 Minuten mit dem Bus, dann aussteigen und schnell noch das letzte Geld von der Bank geholt. Es ist Monatsende, aber zu meinem Glück war ich einigermaßen sparsam und so fand dann doch noch der ein oder andere kleine Schein den Weg in meine Hosentaschen. Gibt also doch noch ein Stück Fleisch und nicht nur Reis mit Ketchup. Ich will jetzt hier aber nicht weinen oder weinerlich klingen, ist alles gut meine lieben Leser. Ich trage weiterhin eine ordentliche Portion Wohlstandsspeck vor mir her und die Befürchtung, dass es wesentlich weniger wird hab ich auch nicht mehr.

Ich steige also in den nächsten Bus in Richtung Heimat. Der Bus wartet und wartet. Bei einem Blick aus dem Fenster sehe ich dann, wie sich Kinderwagen und Rollstuhl in die Haare kriegen. Wer darf, oder wer sollte als erstes in den Bus. Überraschend schnelle Lösung: erst Rollstuhl, dann Kinderwagen. Wir fahren los. Vor mir hat sich eine kleine lesbische Punkerin hin gepflanzt. Woher ich von ihrer Neigung weiß? Auf ihrem rechten Oberarm waren die 2 weiblichen Symbole, wie Ringe ineinander gesteckt, in die Haut gemalt. Hübscher roter Iro! – denke ich mir noch, als wir die nächste Station erreichen. Ein alter Mann mit Rollator möchte gern noch mit. Langsam wird es eng. Halb so schlimm. Mit etwas Hilfe bekommt der ältere Mann auch noch seinen Platz. Der Bus füllt sich, doch nach hinten ist kein Durchkommen. 2 ältere Damen erzwingen sich unter leisen Flüchen den Weg den Weg zu einem Sitzplatz in meiner Nähe.

Nächste Station. Ein großes Shoppingcenter in Harburg. Zur Erinnerung: Im Bus befinden sich zur Zeit etwa 20 Fahrgäste, plus 1 Kinderwagen, 1 Rollstuhl und ein älterer Mann mit rollender Gehhilfe.

2 Mütter mit Kinderwagen wollen noch hin zu steigen, von den Einkaufstüten tragenden anderen Menschen mal ganz zu schweigen. Es wird hektisch. Den Überblick behält der Busfahrer. Alles rollende aus dem Bus und nach Fahrziel neu eingeordnet, bitte! Es dauert seine Zeit und ich kann wieder einem meiner Hobbies nachgehen – Menschen beobachten. Was sich mir jetzt zur Schau stellt ist unfassbar!

Die älteren Damen schräg neben mir lästern über eine „fette“ Frau mit ihrem kleinen Hund. Motto: „Ein Wunder, dass sie den nicht auch noch gegessen hat!“ Die kleine Punkerin verzieht das Gesicht und denkt sich ihren Teil und eine Mutter ist so damit beschäftigt ihre Ungeduld und bösen Kommentare runter zu schlucken, dass ihr Sohn seelenruhig auf Entdeckungsreise in dem, eh schon viel zu vollen, Bus gehen kann. Schließlich wird ein Kinderwagen in den Gang zwischen den Sitzen gequetscht, die rollende Gehhilfe wird zusammengefaltet und einer der 2 wartenden Mütter darf ihr Vehicel mit samt Kind auch noch rein schieben. Ich sitze Seelenruhig hinten in der Mitte des Busses und schau mir das aus sicherer Entfernung an. Ich kann ja nichts machen und schließlich sind solche Busse ja extra für Menschen mit Beeinträchtigungen gebaut worden. Unruhig zappeln sie vor mir und neben mir, alle so in Eile, dass sie die „Hin- und Hergeschobenen“ schon so oft mit Flüchen belegt haben, dass ihnen jetzt keiner mehr einfällt.

Als ich dann, mit etwa 5-8 Minuten Verspätung aus dem Bus steigen muss, zwänge ich mich an allem, was mir im Weg steht, vorbei und ärgere mich. Ich ärgere mich sicherlich nicht über die Verspätung. Verspätungen passieren, aus dem Grund fahre ich bei wichtigen Terminen mindestens einen Bus früher los. Nein, ich ärgere mich maßlos über die Scheinheiligkeit meiner Mitmenschen. Ihren Kindern bringen sie bei, Älteren, Behinderten und natürlich Müttern zu helfen. „Liebe deinen Nächsten“ , oder so ähnlich heißt es doch in so nem Gebetsbuch. Vor dem TV schreien sie „Hurra!“ , wenn der Gleichberechtigung genüge getan wird. Doch wehe dem, dass ihr eigenes Leben davon betroffen wird, sei es nur durch einen etwas verspäteten Bus. Frei nach dem Motto: Akzeptanz und Toleranz „JA!“, aber bitte nur im TV und am Stammtisch, in meinem täglichen Leben hat das keinen Platz!

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3 Responses to Ein Bus ist eben nicht das TV

  1. leaclow says:

    Es ist immer einfacher große Reden zu schwingen, als den Worten Taten folgen zu lassen. Der Mensch beobachtet in einer Situation eher die anderen als sich selbst. Vielleicht ist das irgend so ein verkappter Selbstschutz?
    …mein Beileid zum geweckt werden! Bei mir war es heute Morgen um 7.59 Uhr ein Bauarbeiter mit einem Presslufthammer vor dem Fenster 😀

  2. kuschelpunker says:

    ein wenig selbstreflexion täte wohl vielen gut, da muss ich dir ja mal recht geben. selbstschutz, könnte gut sein…. angst vor der eigenen courage halt!

  3. Rosi says:

    wie wahr wie wahr….Nächstenliebe? ein Traum der sich nie zu erfüllen scheint.

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