Was tut man nicht alles für seine kleine Nichte

Tage voller Ereignisse liegen hinter mir. Nein, ich bin noch keine Millionär – leider! – ich habe auch noch keine Superidee auf Grund derer ich die Weltherrschaft an mich reißen kann. Nein, ich gebe mich gerne mit etwas weniger zufrieden. Muss ja nicht immer die gaaaanz große Nummer sein, oder? Ich kann sehr gut mit dem leben was ich am Wochenende bekommen habe. Nun aber der Reihe nach….

Freitag war wie immer. Fußballvereine haben trainiert, das Wetter war gemischt und Touristen blockieren einem den Weg zur S-Bahn. Ich hole meine Liebste ab, Freitags mit Rucksack, denn in dem Beziehungsvertrag ( bestimmt von einer Frau erfunden!!!) steh ja, dass Mann die Einkäufe nach hause zu tragen hat. Mein Rücken hat es überlebt. Gewohnheitssache halt. Abend verlief ruhig, kam mir sehr entgegen, denn von Donnerstag Nacht hat sich mein Körper immer noch nicht so ganz erholt. Geburtstagsfeiern dauern ja gerne etwas länger. Alte Bekannte, viel Cider und eine Außentemperatur mit der ich gut umgehen konnte sind die hier an zu führenden Gründe meines körperlichen Schlappheitsgefühls.

Das Aufwachen am Samstag fand erst spät statt. Wen wird es wundern, sind doch wieder zwei Liter Weinflascheninhalt in uns rein geflossen. Warum muss das Zeug aber auch immer so gut schmecken und so angenehm betüddelt machen? Ich muss noch in einen großen Spielzeughandel mit dem umgedrehten „R“ im Namen. Meine Nicht hat ja Geburtstag. Gehen da nur Eltern einkaufen, oder dürfen sich die Blagen auch noch selber was aussuchen um es dann später doch wieder kaputt zu machen? Frühstück fällt aus, es ist schon spät und so zwänge ich mir nur schnell ein französisches Gebäckteilchen von der Tanke in meine Figur. Am Ziel meines Alptraums angekommen sehe ich mich vor einer Wand aus genervten Eltern und testenden Kinder stehen. Wo kommen die alle her? Was wollen die hier? Warum habe ich gerade meinen Körper verlassen?

Ich: „Guten Tag. Können Sie mir mal helfen?“

Verkäufer: „Sicher. Wo drückt denn der Schuh?“

Ich: „Ich suche Spielzeug von duplo, oder wie der Riegel auch immer heißt. Wo kann ich das denn finden?“

Verkäufer: „Am Ende des Ganges links und dann stehen Sie auch schon davor.“

Sein rosa Hemdchen scheint ihn geblendet zu haben, oder ich war einfach so durcheinander, dass ich die Frauenkrankheit bekommen habe. Rechts und links darf man schon mal verwechseln. Nachdem mich der Verkäufer dann direkt mit der Nase ins das Spielzeug getunkt hat stand ich nun da. Ein Ochs vor dem Berg ist nichts gegen das, was ihr da gesehen hättet. Ich stehe also ganz in schwarz gekleidet mit meinen Totenkopf T-Shirt vor einer unendlich scheinenden Wand aus duplo Spielzeug.

Hilf mir, aber stelle dir nicht mein Gesicht vor, sonst kannst du mir vor Lachen nicht mehr helfen!“ – Höre ich mich, wie in Trance in mein Mobiltelefon sprechen. Meine Mutter musste natürlich lachen. Was auch sonst?

Ich entscheide mich schließlich für einen Ponyhof. Ein Ponyhof!!!!! Hallo?!?! Ich erinnere mich an einen alten Schulfreud, der seiner Zeit entrüstet über sich gewesen ist, als er für seine Schwester eine Kelly Family CD kaufen musste.

Nun ja, meine Nichte kann da ja nix für. Ich begebe mich also an die Kasse und setze mich den Blicken der Eltern aus. Ich bin überzeugt, dass ihnen nicht die besten Bezeichnungen für meine Person einfallen. Was tut man nicht alles für ein kleines 2 Jahre alt werdendes Geschöpf. Meine Belohnung wird ihr Lächeln sein, dann weiß ich, dass sich die Mühen gelohnt haben. Fühlt sich so ein Vater? Muss ich wohl mal meinen Bruder fragen. Egal, ich hab was ich wollte und hoffe ihr wird es gefallen.

Eine andere Belohnung gab es dann am Samstag Abend. Meine Frau lud zum essen ein. Lecker Auflauf und als Nachtisch versunkenen Kirschkuchen. Sie sagte, dass ihr das rumwursteln in der Küche Spaß gemacht hat. Ich kann meine Freude kaum verbergen. Juhuuuuu!!!! Wir passen gut zusammen. Sie kocht gern und ich esse gern. Perfekt! Was will man mehr? Den Rest des Wochenendes überspring ich mal, denn außer dem Weinabend mit Frau und Schwägerin, dem Verdauungsschläfchen und Sonntag dann ne Runde Billard mit nem Freund und viel Bier ist nichts weiter passiert.

Montag. Geburtstag. Erster Gang – Mutti! Die Verkäufer wollten mir den Ponyhof nicht einpacken, jetzt muss Mutti ran. Hat sie auch toll gemacht. Gemeinsam machen wir uns dann auf den Weg zum Geburtstagskind. Die Kleine hat sich sehr gefreut und mit ein wenig Hilfe von Oma war das Geschenk auch ratzfatz ausgepackt. So viele Menschen und alle nur wegen ihr. Die Freude schien keine Grenzen zu haben. Wieder lecker Essen. Na ja, was soll ich noch weiter schreiben? Eigentlich kann sich ja jeder so einen Kindergeburtstag vorstellen, oder? Onkel, Tanten, die Omas und dann….ja, dann noch der Vater. Ihr wisst schon, derjenige, der am Ende mit dem Ponyhof spielt!

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3 Responses to Was tut man nicht alles für seine kleine Nichte

  1. reizzentrum says:

    Armer Kuschelpunker,

    deine Geschichte um den – das Leben ist kein – Ponyhof erinnert mich an das Barbie (Alp)Traumschiff. Gruselfaktor undendlich – genau so, wie der Kindeswunsch nach eben dieser Grauslichkeit aus billigem taiwanesischen Kunststoff.

  2. Der Jojo says:

    hehe isdoch perfekt sie kocht und du futterst so muss das sein 😉
    nein, mal wieder ein sehr erheiternder beitrag ich konnte es mir bildlich vorstellen …. ein 2 Meter hühne an der kasse, glatze, absolut kalter gesichtsausdruck siehe History X…. dann ein verschmitzter blick, in der hand ein „duplo“ ponyhof mit der frage kann ich auch mit karte bezahlen haha sehr erheiternd =) aber spass muss immerhin sein

  3. kuschelpunker says:

    gut, dass ich nicht in die gedanken der mitwartenden schauen konnte. ich würds für meine nichte aber jederzeit wieder tun!!!!

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