Von Dichtern und dem Leben

Es ist wieder einmal hell in Deutschland. Man glaubt es kaum, aber die trüben Regenwolken des Lebens scheinen sich zu verdrücken. Woher ich das weiß? Schaut doch selbst mal aus dem Fenster. Is doch hell draußen, oder? Ich als bekennender Dunkelheitsfanatiker find das ja minderkomisch, aber was soll ich schon gegen den Sommer machen? Abschießen? Mit Hilfe von Voodoopuppen verfluchen? Geht ja alles wohl nicht ganz so gut. Mist!

Ich tue viele Dinge gerne im Dunkeln. Nicht nur das was ihr jetzt wieder denkt, dass mach ich auch im Hellen. Ich lese zum Beispiel, so mit ein wenig Licht aus von der Decke, gern im Dunkeln, sehe mir den nicht wirklich zu erkennenden Himmel an oder schreibe ein paar Zeilen. Ich schreibe für meinen Blog – wohl die Erklärung, warum ich zur Zeit nicht wirklich viel schreiben tu – gelegentlich entspringt meiner Tastatur auch mal eine Kurzgeschichte, gerne ja auch mal ein Gedicht. Bei Letzterem ist das immer so eine Sache. Ich bin ja nu kein Moereke, Schiller oder wie die toten Dichter alle heißen. Ich habe also die Wahl zwischen Kreuzreimen, Stabreimen, Yamben und was es da nicht noch alles für Fachbegriffe gibt. Ich habe oft versucht das perfekte Gedicht zu schreiben. Doch wie schreibt man das perfekte Gedicht?

Mein alter Englischlehrer erzählte ins mal im Grundkurs, dass es einen englischen Dichter gab, der ein Gedicht schrieb, damit aber nicht zufrieden gewesen ist. Was machte dieser Dichter also? Er kürzte es, er kürzte es soweit, bis es nur noch 2, sich reimende Zeilen waren. Erstaunlich ist das ganze, da der Sinn des ursprünglichen Gedichts dabei nicht verloren ging. Beachtlich. Einschüchternd. Irgendwie aber auch mutig. Zur Übung dieser Kunst habe ich mir mal ein paar meiner alten Gedichte vorgenommen und was soll ich sagen? Nichts. Ich hab es einfach nicht hin bekommen. Ich habe mehrere Tage über einem meiner unveröffentlichten Gedichte gesessen und es kam nichts. Nicht mal eine kleine Idee. Kürzte ich etwas, so war der Sinn verfälscht. Dichtete ich etwas um, denn auch so kann man ja vielleicht verkürzen, ergab es oft keinen Reim mehr. Nun wird der geneigte Gedichteleser aufschreien und mir entgegenschmettern, dass sich Gedichte ja nicht unbedingt reimen müssen. Stimmt, aber wie im Leben muss es einen gewissen Fluß von Gedanken, Worten und Meinungen geben, denn sonst stockt man. Vielfach wird man dann dazu veranlasst Stillstand einkehren zu lassen.

Gerne wird dann überlegt, wird etwas solange überlegt, dass sich ein Weg verschließt, eine Situation an einem vorüber zog und das ganze hin und her der Gedanken war umsonst. Gratis leider manchmal nicht. „Lehrgeld zahlen“ nennt man das dann wohl. Unter Umständen wird auch zu wenig überlegt, doch ob da was vernünftiges bei rum kommt ist auch nicht immer gewiss. Manch einer geht strikt den Pfad der Ahnen.

Sind ausgetretene Pfade immer die besten und führen sie an das richtige Ziel? Nur zu gerne lässt man sich von seinen Eltern beeinflussen, nimmt ihren Rat an und geht einen vorbestimmten Weg. Mit 50 Lebensjahren auf dem Buckel wacht man dann auf, lässt sich vielleicht von seiner, ihm vielleicht auch bestimmten Frau scheiden und sucht einen Porschehändler auf um eine 20 jährige Flugbegleiterin an Land zu ziehen. – Vorteil: die sind nicht so oft da und bemerkten nicht wenn man fremd geht! Will man das? Ich nicht, aber das soll jeder für sich entscheiden.

Es gibt aber auch Menschen unter uns, die sich dem Vorgegebenen entziehen. Menschen, die nichts anderes wollen als ihre Freiheit, ihren Gedanken folgen und sich das Krebsrot auf ihrem Körper einschmieren. Geträumt von einer reichen Ernte, aber vergessen aus zu sähen. Wie ein Wolkenkratzer sein wollen, aber vergessen ein gutes Fundament zu legen! Herzlichen Glückwunsch. In ein paar Wochen sieht man solche Gestalten dann wohl bei RTL in einer Reality-Soap oder ner tollen Talkshow. So kann man dann auch seinen Lebensunterhalt bestreiten. Erstrebenswert? Für mich nicht, denn obwohl nicht mit einem reichen Erbe ausgestattet ist meine Schmerzgrenzen doch zu hoch. Ich habe gesäht, nun warte ich auf die Ernte. Manchmal sind Bauern doch nicht so dumm, wie sie gerne hingestellt werden und Dichter brauchen nicht immer über das Leben schreiben um uns etwas mit zu teilen!

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