Ein offener Brief

Sehr geehrte Familienministerin,

sehr geehrter Wirtschaftsminister!

Mit Bedauern musste ich Ihren Aussagen in den vergangenen Tagen folgen. Den Vorstoß gegen Kinderpornographie habe ich sehr begrüßt und halte es weiterhin für ein erstrebenswertes Ziel diese aus dem Netz, aus unserer Welt zu verbannen. Wenn ich da an meine kleine Nichte denke, wird mir richtig übel.

Dennoch habe ich Ihre Aussagen mit großer Sorge hören müssen. Sind jetzt auf einmal über 50. ooo Internetnutzer für Kinderpornographie nur weil sie sich Gedanken um ihre, gesetzlich zugesicherte, Meinungsfreiheit machen? Niemand, der eine Internetzseite betreibt wird mehr sicher sein, ob die Seite überhaupt noch aufgerufen werden darf, nur weil er vielleicht ein paar Urlaubsfotos von seinem kleinen Kind am Strand ins Internet setzte. Das BKA hat die willkürliche Entscheidungsgewalt, etwas, das wir eigentlich gesetzmäßig ausrotten wollten, oder haben sich da Herr Adenauer und seine Minister geirrt, vertan, wollten sie vielleicht gar zu viel?

Ich habe die Petition unterschrieben und bin stolz darauf nicht nur meine Rechte sondern auch meine Pflichten zu kennen. Immer wieder wird dem Bürger erzählt, er sei mündig, müsse mehr Interesse zeigen und sich engagieren. Was ist nun daraus geworden? Bin ich jetzt kriminell? Bin ich aufmüpfig zum falschen Zeitpunkt oder Thema? Ich denke nicht. Welchen Worten sollen wir noch glauben, wenn man A sagt, aber B nur annehmbar ist wenn es A entspricht?

Ich bin wie viele andere auch sehr verwirrt. Vielleicht sollten Sie, meine lieben Minister, sich mal wieder an die Basis begeben und die Welle der Oberflächlichkeit, auf der Sie ja augenscheinlich surfen verlassen. Springen Sie vom Brett und schwimmen Sie, wie wir auch, in einer Welt, in der man Worten noch glauben soll, die eigenen aber gerne mal im Mund verdreht werden. Wie würden Sie sich da fühlen? Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie für etwas eintreten, die Beweggründe aber offensichtlich nicht gesehen werden wollen?

Mach Sie es sich weiterhin so einfach, dann bekommen sie Ihre Quittung bei der nächsten Wahl. Wer Wind säht, wird Aufmüpfigkeit ernten!

Mit freundlichen Grüßen

Ein Petitionsbefürworter und -unterzeichner

Advertisements

2 Responses to Ein offener Brief

  1. Pingback: Mehr Demokratie wagen! « Computerversteher’s Blog

  2. Thearcadier says:

    Hey, cooler brief. Den hab ich zuerst gar nicht gesehen. Du triffst aber genau den Nagel auf den Kopf. Ich verfolge das ja auch sehr aufmerksam. Besonders überrascht bin ich, dass einige Journalisten gerade jetzt in Zeiten von Internetsperren und Verbotswahn zu ungeahnter, ja fast schon in Vergessenheit geratener Stärke auflaufen. Habe bei mir ein paar dieser Online-Schätze verlinkt. Ich bin auch schwer beeindruckt, wie schnell sich das über das Internet verbreiten konnte und dass da so viele Leute mitgemacht haben.

    Liebe Grüße
    Thearcadier

%d Bloggern gefällt das: