Kleine Einführung in die Wirtschaftslehre

Ich sollte nachts schlafen und keine Nachrichten mehr schaun. Nachdem ich mir die letzten Wochen schon ein paar Nächte um die Ohren gehaun habe, bin eben nachtaktiv, durfte gestern natürlich nicht fehlen. Ich hätte schlafen sollen.

Eine gute Nachricht vorneweg – wir werden bald mehr Fleisch zum verzehr haben. Nun aber die schlechte Nachricht – tote Kühe geben keine Milch. Wer Schuld ist? – WIR! W-I-R-!

Der liebe Konsument als eine durchaus beeinflussende Marktmacht wird wohl nur von den Unternehmen richtig wahr genommen. Er selber ist sich nämlich seiner Macht und den damit verbundenen Auswirkungen anscheinend nicht wirklich bewusst. Als die Banken ihr Geld verloren schimpften alle auf die doofen Manager, ihr Geldgeilheit und das rücksichtslose Verhalten. Wenn jetzt die Rede von eingehenden Milchkühen ist, dann schimpfen alle im Chor auf Lidl, Aldi und Co., dabei müssen auch die nur sehen, wie sie ihre Mitarbeiter mit den niedrigen Sklavenlöhnen versorgen. Im letzten Jahr demonstrierten die Bauern für ein paar Cent mehr pro Liter des leckeren Kuhsaftes. Was ist jedoch geblieben? Nicht viel. Lidl senkte die Preise schon vor Monaten dauerhaft. Milchprodukte sind teilweise um bis zu 20% billiger. Konsumenten sind ja manchmal doofe Herdentiere, aber auch dem dümmsten sollte bewusst sein, dass Lild nicht an seinen Gewinnen knabbern wird. Die Ersparnis wird an die Bauern weiter gereicht, mit anderen Worten – die Cents die wir weniger zahlen, bekommen die Bauern auch weniger. Lidl behauptet sich durch diesen Schachzug lediglich auf dem hart umkämpften Markt der Diskounter. Gewinnmaximierung ist hier immer noch das Schlagwort.

Der Konsument, das träge Herdentier, freut sich über die geringeren Ausgaben für Lebensmittel. Jippiiiii! Echt klasse. Die Konsequenz ist jedoch, dass in diesem Jahr vorraussichtlich 1/3 der Milchbauern sich nicht halten können. Spinnen wir den Gedanken mal weiter und gehen davon aus, dass im nächsten Jahr auch wieder einige Bauern ihr Geld, anstatt mit Milchkühen mit der Verpachtung der Quadratmeter für Windkrafträder verdienen werden. Folge – es wird weniger Milchkühe, weniger Milchbauern und somit weniger angebotene Milch geben. Angebotsverknappung führt „gelegentlich“ zur Erhöhung des Angebotspreises. Der Nachfrager (Konsument), der sich jetzt jubelnd in die Kaufhallen begibt, wird sich schnell auf steigende Preise einstellen müssen. Aus einem Angebotspolypol ist also ein Angebotsolygopol geworden. Die Jungs werden sich freun, wir kennen das aus der Petrobranche, wo schon seit Jahren von Preisabsprachen gemunkelt wird. Wer erinnert sich nicht gerne an Benzinpreise von 1,40 Eoro/Liter?

Mit Olygopolen ist das so eine Sache. Wenn sich die Teilnehmer des Olygopols gegenseitig fressen, haben wir…schwupps…man glaubt es kaum….ein Monopol. Dem Laien wird das nicht weiter wild vorkommen, kennen wir es doch aus der Zeit, da die Post das Monopol auf Brieffrachtsendungen hatte. Zu der Zeit gab es aber auch noch einen Postminister (genaue Bezeichnung ist mir gerade nicht bekannt). Wollen wir in ein paar Jahren einen Milchminister vereidigt sehen? Noch einen machthungrigen Minister, der mit der Realität soviel zu tun hat, wie Kader Lot mit Intelligenz?

Ich für meinen Teil würde gerne für jedes Milchprodukt 5 Cent (nur so eine Beispielzahl) mehr bezahlen, wenn ich genau wüsste, dass die Bauern es auch bekommen. Milch ist ein wichtiger Bestandteil meines/unseres Lebens. Beinahe täglich nehmen wir Milchprodukte zu uns. Ich möchte nicht, dass ein einziger Großbauer die Milchpreise in der Hand hält und so darüber entscheidet ob ich Vitamine, die ja zweifellos in Milch enthalten sind, zu mir nehmen kann weil ich sie mir gerade leisten kann, oder nicht. Bei der Post war es mir fast schon egal, aber bei Nahrungsmitteln hört der Spaß für mich auf.

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3 Responses to Kleine Einführung in die Wirtschaftslehre

  1. thearcadier says:

    Das ganze ist eh nen totaler Witz. Diese ganzen Hochleistungskühe sind ein reines Konstrukt menschlicher Leistungshysterie. Dass diese Kühe viel anfälliger sind, teilweise sogar das Grasen verlernt haben und viel früher sterben als „normale“ Rassen, sollte man auch mal bedenken. Überall gehts immer nur um mehr, dass der Markt aber schon längst übervoll ist mit Milch, das liest man nur mal am Rande…

  2. kuschelpunker says:

    wirtschaftliche interessen stehen doch immer über der natur. leider nichts neues, jedoch deshalb nicht minder abstoßend. es fehlt einfach das gesunde maß rationalität.

  3. Pingback: Galileo sollte lieber wieder kleine Brötchen backen « Habt ihr nichts anderes zu tun?

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