T-Mobile Serverausfall – ein Segen?

Ja ja, das Leben kann schon anstrengend sein. Eilig hetzen wir von Ort zu Ort, quälen uns durch Menschenmassen, nur um noch schnell ein Sonderangebot zu erhaschen. Als währe das noch nicht genug, übertrumpfen sich die Anbieter von Mobilfunktarifen mit verlockenden Angeboten. Ich sehne mich manchmal in die Zeit zurück, als ich ein paar Jahre jünger und einige Pfunde weniger auf den Hüften hatte. Ich kam aus der Schule nach hause, machte – gelegentlich – meine Hausaufgaben, telefonierte kurz mit Freunden und dann war ich bis abends unterwegs. Ich war weg, einfach nur weg. Meine Eltern kamen nicht um vor Sorge und wer mich nicht erreichte hatte Pech gehabt. Ich sagte meinen Eltern wo ich ungefähr bin und alles war im Lack. Es gab kein Hinterhertelefonieren, es wurden noch Zettelchen auf den Küchentisch gelegt, nur für den Fall das ich nach hause kam und meine Eltern das Weite vor mir suchten.

In meiner Jugend wurde im Bus gelesen, es wurde still aus dem Fenster gesehen und die Zielhaltestelle wurde innerlich wie ein Orgasmus gefeiert. Heut zu Tage klingelt alle 100 Meter der Busfahrt ein Mobiltelefon, von einigen gerne „Handy“ genannt. Es wird sich lauthals mit dem unsichtbaren Gesprächspartner über sinniges, meist jedoch unsinniges unterhalten. Junge Menschen, die Pubertät gerade mal in Sichtweite, teilen ihre ersten Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht mit, tratschen über das „vielleicht“ – Verhältnis von Mitschüler X zu Mitschülerin Y. Kleinkinder werden im Bus von ihren Eltern mit deren mobiler Telefonzelle ruhig gestellt, denn nur telefonieren kann so ein Gerät nicht mehr. Spiele erheitern und vertreiben die Zeit. Blöd nur, dass das Kind die „Ton aus“-Taste noch nicht kennt und so die umliegenden Sitzreihen auch noch vom Spielerfolg oder Misserfolg profitieren können. Ein zweifelhaftes Vergnügen wenn man mich fragt. Doch wer fragt mich schon.

Besonders anstrengend wird es für mich dann, wenn das Mobiltelefon zur Musicbox mutiert. Da wird zu hause munter heruntergeladen was das Zeug hält. Yamba freut sich! Ich frage mich nur, warum mir die Freiheit, Musik zu hören die ich mag, auf so penetrante Art und Weise genommen wird. Diese Plastikmusik aus Amerika is doch echt anstrengend. Bewundernswert wie aggressiv die Nutzer der Musicboxen werden können, wenn meiner einer mal einen Kommentar loslässt. Schon dreist einen Kerl an zu gucken, der dem Störenfried in Größe und Gewicht um etwa das Doppelte überlegen ist. Da muss man den jungen Menschen von Heute eine gute Portion Mut zusprechen.

Doch auch die älteren Semester sind gerne mal nervtötend. Mit dem Alter leidet oft die Fähigkeit zu hören. Nicht weiter schlimm, denn auch meiner Hörfähigkeit hat durch viel Konzerte schon ein wenig leiden müssen. Muss man durch, doch ich sitze nicht in einem Cafe und schreie in ein Mobiltelefon, das die Größe der Handfläche nicht überschreitet. Ich will doch nur in Ruhe mein Nachmittagsbierchen trinken. Ist das denn zu viel verlangt? Was ist denn so wichtig, dass man zwischen einem Bissen Kirschtorte und einen Schluck Kaffee alle umliegenden Tische penetrieren muss?

Leider muss ich mir selber auch eingestehen, dass ich ein wenig Abhängig geworden bin. Obwohl mein Mobiltelefon im Schnitt nur alle 2 Tage einmal klingelt, gehe ich so gut wie immer mit diesem Ding in der Tasche aus dem Haus. Ich erinnere mich noch wie der Akku keinen Saft mehr hatte und ich das portable Kommunikationsgerät zu hause lassen musste. Die ersten Minuten sind doch recht komisch gewesen, aber nach einem gewissen Zeitraum fühlte ich mich irgendwie frei. Kein hektischer Kontrollblick mehr. Hat mir jemand eine SMS geschickt? Hat Person X mich endlich angerufen? Es interessierte mich nicht die Bohne. Ich schulterte meinen Rucksack, nahm meine Zeitung und schlenderte – ja, ich schlenderte – von einem guten Essen bei Mutti wieder Richtung Heimat. Ich schlug keinen schnellen Schritt an, ich kontrollierte nicht alle 2 Minuten die Uhrzeit, eventuelle Anrufe/SMS. Ich nahm mir einfach Zeit, las im gehen, wich einem Auto aus und tat sonst nichts. Im Bus bemitleidete ich meine Mitfahrer wenn deren Telefone anfingen mit ihnen zu reden und lächelte nur müde als ein Mädchen vor mir hektisch mit ihrem Gerät spielte. Es gibt nur ein Wort, das meine Situation am besten beschreiben kann: ENTSPANNT …. Ich war so richtig entspannt. Ich hatte nichts mehr gemein mit den hastenden Menschen auf den Straßen. Ich fühlte mich richtig wohl in meiner Haut.

Wenn ich so an jenen Tag zurückdenke frage ich mich warum ich dieses Ding, diese nervige transportable Ding, überhaupt brauche. Freunde habe ich, Kontakt besteht auch mit ihnen, eine Familie habe ich auch, mit denen stehe ich auch in Kontakt. Ich frag mich nur wann ich mit den allen in Kontakt stehe. Ich tue es abends. Ich bin, wie viele andere auch, am Tage beschäftigt. Meinen Freunden geht es ebenso. Was soll das Ding also? Habe ich unbemerkt auch das Hobby „Penetrieren“ für mich entdeckt? Ich glaube eher nicht, denn wenn mich jemand anruft während ich im Bus sitze, dann melde ich mich und sage wann ich zu hause bin. ENDE

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