Das Billardspiel

Manchmal kommt mir das Leben komisch vor – manchmal komme ich mir komisch vor. Ich habe mir mal den ein oder anderen Beitrag zu diesem Blog durchgelesen. Gerne war ich kritisch, manchmal lustig und in letzter Zeit doch zunehmend nachdenklich. Habe ich mir so verändert? Ist mir die Politik egal? Denke ich nur noch über das Leben im allgemeinen nach, ohne dabei die Scheuklappen ab zu nehmen?

Neulich war ich ne Runde Billard spielen. Ein alter Freund ist gelegentlich so nett und läd mich mal zu nem netten Herrennachmittag ein. Ihr wisst schon – Bier trinken, Murmeln über den Tisch stoßen und nebenbei mal den ein oder anderen flachen Kommentar ablassen. Ersteres haben wir reichlich gemacht. Ich muss dazu sagen, dass wir gerne mal 3-10 Stunden an so einem Tisch verbringen. Könnt euch also vorstellen wie ich abends nach etwa 6 Stunden Billard drauf war. Komischer weise haben wir die Kugeln aber noch recht häufig eingelocht. Nach jedem Stoß einen Schluck, da geht dann mal der Vorrat der Bar zur Neige. Sie werden es überleben, haben ja schließlich auch ordentlich Geld da gelassen.

Nun schaute ich mir an besagtem Nachmittag mal die Murmeln an. Ich hatte den ersten Stoß und blickte über meinen Queue (keine Ahnung ob man das Spielgerät so schreibt, bin jetzt auch zu faul da nach zu schaun!) direkt auf die weiße Kugel. Ich hielt eine weile inne und dann fühlte ich mich komisch. Ich sollte jetzt also diese arme weiße Kugel auf Kollisionskurs mit den anderen, im Dreieck aufgestellten bringen. Wie im richtigen Leben. Man schubst uns an und dann prallen wir auf viele andere Murmeln/Menschen. Ich stoße also diese arme Kugel.

Sie prallt seitlich gegen die gelbe Nummer 1 und ändert dadurch ihre Richtung. Nur eines der vielen Hindernisse in diesem Spiel, das manche gerne Leben nennen. Mein Kumpel ist dran, denn ich konnte keines der Hindernisse aus dem Weg räumen. Mein Mitspieler schnappt sich eine der halb gefärbten Kugeln, ich werde sie Halbe nennen, und versenkt sie mit einem kräftigen Stoß. Es scheint als würde er seine Hindernisse im Leben mit Leichtigkeit aus dem Weg räumen können. Die nächste Kugel im Visier, ich male mir aus es währe meinen prekäre finanzielle Situation, zieht er den Queue an seiner Hand zurück und versenkt auch diese mit stoischer Ruhe in eine der Ecktaschen. Motto: Du bist im Weg, also räum ich dich mal lieber schnell weg!

Meine Murmeln auf dem Tisch, ich habe folgerichtig die voll angemalten, ich werde sie Volle nennen, bilden ein unüberwindbares Hindernis. An den einen Ecke des Tisches haben sie sich zusammen geschlossen. Solidarität, nicht nur bei französischen und deutschen Gewerkschaftlern, ist anscheinend in Mode. Leider liegen die Kugeln so doof, dass Einlochen nicht einfach wird. Wie kriege ich dieses Hindernis vom Tisch des Lebens? Während ich noch so überlege locht mein Kumpel gerade die vierte Kugel in Folge. Ich liege zurück. Mal wieder liege ich zurück, mal wieder schaffe ich es nicht meine Probleme in Form von Kugeln vom Tisch zu kriegen. Vielleicht sollte ich der Waffenlobby beitreten, dann dürfte ich umher ballern und meine Murmeln würden pulverisiert. Keine Schlechte Idee wie ich finde und treten an den Tisch, denn eine Halbe fand nicht den ihr zugedachten Weg ins Loch.

Wie die Internetsperre liegen da immer noch 2 Volle auf dem Tisch. Direkt lochen geht nicht, also visiere ich die Bande an. Siehe da, es war knapp, aber ich habe ein Problem aus der Welt geschafft. Kurzweilig verliere ich den Überblick, habe ich wohl mit vielen Politikern gemeinsam. Die weiße Kugel bleibt günstig liegen und so kann ich eine Folge von 3 Kugeln einlochen. Wieder 3 Probleme weniger auf dem Tisch. Es wird leerer, ich gewinne wieder an Übersicht. Leider muss ich das nächste Problem/die nächste Kugel auf dem Tisch liegen lassen. Mit fortlaufendem Spiel schreit meine Leber immer mehr nach Alkohol und dann is das mit dem Zielen nicht mehr so dolle. Im nach hinein muss ich mich allerdings fragen, ob man mit Alkohol in der Blutbahn überhaupt Probleme vom Tisch bekommt. Ich weiß es nicht, aber in diesen Minuten ist es mir auch recht egal.

Ich habe noch ein Problem auf dem Tisch, während mein Kumpel schon auf die letzte, die schwarze Kugel spielt und sein Tisch/Leben bald im Reinen ist. Ich quäle mich, aber das ist ja nichts neues, kennt man ja. Ich verliere das Spiel, auch das kennt man ja.

Insgesamt habe ich mit 10:9 gewonnen, aber auch nur, weil mein lieber Mitspieler so nett gewesen ist für mich ein paar Problemchen aus dem Spiel zu nehmen. Dafür sind Freunde halt auch da.

Alles in allem war es ein nachdenklicher, dennoch aber schöner Nachmittag auf den wir nochmals anstoßen. Auf den Alkohol den Ursprung und die Lösung sämtlicher Lebensprobleme! Trinke nur artig genug, dann räumen auch deine Freunde mit dir auf?

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