Kuschelpunker auf Städtereise in Greifswald

Es ist wieder etwas Zeit vergangen, is mir durchaus bewusst. Diesmal gab es aber auch einen triftigen Grund dafür. Der Kuschelpunker hat seine Schwiegereltern in spe besucht. Mittwoch ging die Packerei los. Für die paar Tage nicht viel, ein paar Socken, T-Shirts und noch so allerlei. In weiser Voraussicht habe ich das essen schon mal eingestellt. Geschlafen habe ich in der Nacht richtig gut, noch ein wenig gearbeitet und gegen 0 Uhr am Kissen gehorcht.

Donnerstag 13 Uhr

Anruf meiner Liebsten.

Wollt mal sehen ob du schon wach bist.“

Wach? Neeeee…..aber der Körper ist erreicht langsam eine vernünftige Betriebstemperatur.

Hast du alles? Hast du deine Tasche überhaupt schon gepackt?“

Packen? Na ja, angefangen hab ich, aber der Rest kommt erst nachdem ich meinen Luxuskörper in der Badewanne ertränkt habe.

Du willst noch in die Badewanne? Komm aber nicht zu spät!!!!“

Ich bade zwar gerne, aber den halben Tag verbringe ich nicht damit meinen Körper zu schrubben – so groß is der auch wieder nicht.

Soweit so gut. Badewanne abgehakt, den Rest an Utensilien noch schnell im Bundeswehrrucksack (stilecht mit Totenkopfaufnäher) und dann gings aus dem Haus. Hab ich den Herd auch ausgemacht? Klaaaaar, gab ja heute nur Schnitte mit Käse, denn irgendwas brauch ich ja doch im Magen. Man will ja nicht zusammenklappen. Die Piccolöchen für meine Liebste und ihre Schwester noch besorgt und mir noch ein wenig Literatur und schon gings gen Hauptbahnhof. Einen Klassiker wollte ich mir mal antun. – Thomas Mann, Die Buddenbrooks – Vorweg genommen sei, dass ich anstatt der veranschlagten 100 Seiten, ich nur 30 schaffte, dazu aber später mehr.

Es war die Hölle los. Fußball war angesagt. Auf dem Hauptbahnhof tummelten sich Anhänger des größten Hamburger Fußballvereins und ein vereinzelt ein paar angetrunkene Engländer, die ich aber glücklicher weise nur hören konnte. Der Osterreiseverkehr tat sein übriges um meinen Stresspegel noch ein wenig weiter in die Höhe zu schrauben. Rechtzeitig angekommen, hatten wir 3 der heiß begehrten Sitzplätze ergattern können.

Meine Damen und Herren, herzlich willkommen im Viehtransporter nach Rostock!“

Es war nicht schön. Neben mir hatte sich bei Zeiten ein angetrunkener polnischer Mitbürger einen Haltegriff gesucht und leider auch gefunden. Laut und besorgniserregend stand dieser Mann atmend direkt neben mir. Zeitweise machte er die Augen zu, so dass ich es mit der Angst bekam. Was wenn dieser Kerl gleich auf mir liegt? Mir wurde anders. Egal. Wir kamen dann müde aber auch erleichtert an. Es war schon dunkel über Greifswald, dem Städtchen, dass ich in den nächsten Tagen noch ein wenig besser kennen lernen durfte.

Ich fasse mich jetzt einfach mal ein wenig kürzer. Hier nun mal die Speisekarte meiner Ostertage, den Fesstagsschmaus mit dem ich von Schwiegermutti in spe verwöhnt wurde. Lest und lasst euch das Wasser im Munde zusammen laufen.

Donnerstagabend – nichts spektakuläres, aber dennoch überraschend:

Kartoffelsalat, Eiersalat, Heringssalat plus diverses Grünzeugs. Als „Nachtisch“ würde leckerer Kräuterschnaps mit Bierchen gereicht.

Freitag – der erste ganze Tag in Greifswald:

Frühstück viel aus, besser is! Das Mittagessen zerlif dafür nur so auf der Zunge. Lecker Zander und zum Nachtisch Eis, danach noch schnell Kräuter in flüssiger Form. Der Kuchen war auch nach meinem Geschmack. Brommbeertorte mit ordentlich Schlagsahne. Hier wünschte ich mir schon, dass ich 7 Mägen hätte. Es sollte aber noch besser kommen. Abends wurde dann angegrillt, obwohl Karfreitag, lasse ich mich doch nicht so schnell von der Spitze der Nahrungskette verdrängen. Ich platzte aus allen Nähten, die Hose schnürte schon ein wenig.

Kulturell durfte ich mir das St. Peter Ording des Osten ansehen. Lubmin hat einen ähnlich schönen Strand wie das Pondon an der Nordsee. Zwei Schritte weiter und ich hätte in Polen einfallen können. – So kam es mir vor. Es war windig, aber der Strand war fast weiß und lange noch nicht überlaufen. Ich fühlte mich richtig wohl. Die zwei fickenden Frösche auf dem Weg waren dann noch mal ein Highlight der besonderen Art.

Samstag – die Fressorgie ging weiter:

Wieder kein Frühstück, denn irgendwie waren wir doch noch sehr satt. Mein Entspannungspegel stieg an. Am Abend mit Hundegebell eingeschlafen und morgens zwitscherten die Vögel ihr Liedchen. Wir wohnten außerhalb von Greifswald, sehr ländlich, sehr viel Sonne und hin und wieder stand der Wind ungünstig und die Kühe ließen uns ihre Anwesenheit riechen. Zum Essen: Es gab Schnitzel mit Schwarzwurzel (für mich eine vollkommen neue Erfahrung), der pannierten Art und natürlich etwas später auch wieder Kuchen. Neben dem kläglichen Rest der Brommbeertorte gesellte sich noch ein schöner russischer Zupfkuchen. Abends reichten uns ein paar Schnittchen, denn irgendwann is ja mal Feierabend, oder?

An diesem Tag hatte ich die Ehre mit den 2 Schwestern shoppen zu gehen. Lust hatte ich ja nicht wirklich, aber einen Blick in die Altstadt wollte ich schon werfen und ich wurde nicht enttäuscht. Ein bunter Mix aus verschiedenen Häusertypen. Mal war ein Plattenbau zu sehen, dann wieder etwas historisches, dann schließlich kam man in die Moderne. Es liest sich wie ein Sammelsurium, dennoch muss ich sagen, dass der Anblick der alten Häuser, Kontore und Lagerhallen, letztere aus der DDR-Zeit übrig geblieben, einen durchaus charmanten Anblick darboten. Doch der Hammer schlechthin war der Dom! Ihr lest richtig, es gibt im Norden der Republik einen Dom. Ein Überbleibsel aus der Zeit vor dem 30 jährigen Krieg, bevor der Schwedenkönig Gustav Adolph die Katholiken zurückdrangte. Gut erhalten ist das Gebäude und ragt riesig in der Nähe des evangelischen Pondons hervor. Beeindruckende Baukunst.

Ostersonntag – die Völlerei geht weiter:

Nachdem ich die ersten Risse in meiner Haut am Bauch entdeckte viel es mir leicht auch an diesem Tag auf das Frühstück zu verzichten. Das Mittagessen entschädigte dafür aber in einer Art und Weise, die seines Gleichen sucht. Der Osterhase wurde gefangen und wir verspeisten ihn. Zusammen mit Rotkohl betteten wir es auf dem Teller. Dazu ein kühles Bierchen und der Traum war perfekt. Ich konnte nicht mehr. Mein Magen musste beruhigt werden. Schnaps – Jetzt – Sofort! Dergleichen schrie ich auch nach einem erneuten Grillen. Entspanntes sitzen an der Feuerschale, lecker Bierchen und angenehme Unterhaltung in der ich mehr über ein Land erfuhr, dass es heute nicht mehr gibt, dem aber immer noch einige mit Wehmut nachschaun.

Ein schöner Spaziergang an der Ryck mit einem Schwenker ins Fischereiviertel, wo die mit Reet bedeckten Häuser uns an zu grinsen schienen, rundete das Essen für mich ab. Die engen Gassen, das Kopfsteinpflaster und nur vereinzelt ein paar Touris….ich fühlte mich richtig wohl. Ein paar Fischer konnten wir bei der Arbeit beobachten, dann hinaus auf die Mohle und sich den frischen Seewind um die Nase wehen lassen. Ich hätte mit einem breiten Grinsen durch die Welt laufen können. Einen zweiten Schlenker machten wir in eine andere Richtung. Es ging an einem, mit Lubmin nicht zu vergleichen, Strand entlang. Gerade wegs durchs „Ärzteviertel“ und dann in eine Klosterruine. Ein Überbleibsel des Zisterzienserklosters. Eines der wenigen Kloster von denen ich hörte oder las, dass nicht durch den Krieg zerstört wurde, sondern einzig durch den Mangel an Rohstoffen. Man brauchte das Mauerwerk um Teile der Universität und des Rathauses hoch zu ziehen. Ein Teil ist immer noch vorhanden, sicherlich eines der vielen Sehenswürdigkeiten der „Universitäts und Hansestadt Greifswald“.

Ich für meinen Teil mag Greifswald, habe es ein wenig lieb gewonnen. Ich habe mich in diesem Kleinstadtflair sehr wohl gefühlt, konnte mich richtig gut entspannen. Jetzt kann ich verstehen welche Emotionen bei meiner Süßen hervorkommen wenn sie Ihre Heimatstadt wieder verlassen muss, dass gute Essen von Mutti nicht mehr schmecken kann, die Landluft in der Nase spüren darf und ein Stück ihres Lebens zurücklassen muss. Es viel mir schwer ihr in die Augen zu sehen. Wir standen am Bahnhof und die Augen wurden feucht, aber jetzt weiß ich auch warum.

Universitäts und Hansestadt Greifswald“ – Kein Ort wo man nur durchfährt, wie ich es in meinen jüngeren Jahren getan hätte. Schön, dass ich heute anders denke und viel mitnehmen konnte.

Ehe ich es vergesse: Die nächste Woche faste ich, denn in die Zeltabteilung zu gehen um etwas zum anziehen zu finden, möchte ich nun wirklich nicht!

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