Eine Sporttasche

Ich habe es heute mal wieder gewagt mich aus dem Haus zu begeben. Bin sogar weiter als bis zum Essensdealer meines Vertrauens gekommen. Muss mich ja mal selber loben. Hamburg wird von Sonne angestrahlt, das is unheimlich gut für die Laune, die wird nämlich besser. Na ja, so wird es mir suggeriert wenn ich in die Gesichter meiner Mitmenschen schaue. Menschen sind schon ein komisches Pack.

Ich mache mich also auf den Weg in die Innenstadt von Hamburg. Die Kippe ruht lässig zwischen meinen Lippen und ich versuche den Ärger über die vergessene Sonnenbrille zu unterdrücken. Heute Mittag waren viele am arbeiten, der Grund warum der Transportmercedes ziemlich leer ist. Als ich dann am Bahnhof ankam und die Treppen elegant schlurfend hinunter schwebte wie eine Gazelle, oder wie heißt das große graue Tier mit dem Rüssel(?), blieb mein Blick auf einmal kleben.

In aller Seelenruhe steht vor einem Kippenaufbewahrungsbehältnis eine Sporttasche. Ihr wisst schon, so eine wie man sie an Sportlern des öfteren bewundern kann. Sie hat keine Falten, ist also prall gefüllt. Sie steht allein. Viele Besucher des öffentlichen Beförderungstunnelnetzes gehen sorglos daran vorbei, ebenso viele tun dies aber nicht. Große Bögen werden um diese Tasche geschlagen. Angst und Argwohn kann ich in den, mir entgegenkommenden Gesichtern entdecken. Es ist sehr laut, kein Ticken zu hören. Die Tasche steht immer noch. Ich bin vorbei, stehe unten an der Treppe und beobachte. Ich bin sensibilisiert. Als es die Gasangriffe auf das U-Bahnnetz von Tokyo gab war ich noch sehr jung und interessierte mich eher für Fußball, egal ob im Fernseher oder im realen Leben.

Als dann der Terror in Amerika Einzug hielt horchte auf einmal alles auf. Bestürzt wurden Mahnwachen organisiert und überall wurde getrauert. Anteilnahme wohin man sah. Auch mir taten und tun die Angehörigen der Opfer leid. Ändern tut dies nichts, aber es macht ein besseres Gefühl. Is ja schon mal was, oder?

Das da nebenbei noch die Finanzwelt erschüttert wurde, tut mir ja leid das ich das sagen muss, hat mir doch sehr gefallen! Doof hingegen fand ich, dass ein bekloppter Texaner dies zum Anlass nahm seinem Volk Geographie bei zu bringen indem er jedes 3. Land der Welt mit dem recht zweifelhaften Namen „Schurkenstaat“ betitelte. Viele wussten ja nur aus diesem Grund, dass Afghanistan nicht in Afrika liegt, den Namen hat man aber schnell vergessen. „Schurkenstaat“ ist doch auch viel einprägsamer. Dass die Einwohner der betreffenden Länder nicht „Schurkenstaatler“ heißen ist dabei unwichtig. Sind doch eh alles Terroristen gewesen. Warum schreibe ich in der Vergangenheit, es sind alles Terroristen. Nicht meine Meinung, aber Schubladendenken ist in dieser Welt weit verbreitet.

Heute habe ich schon ein wenig ängstlich auf diese Sporttasche geschaut, denn man weiß ja nie. Sollte man deshalb jetzt nicht mehr aus dem Haus gehen? Ich denke nicht. Jedes Jahr sterben doch mehr Menschen an Verkehrsunfällen als an Kofferbomben, obwohl letztere durchaus gewillt sind auf zu holen. Es ist nicht schön, aber so ist diese Welt nunmal. Ob es uns passt oder nicht, irgendwie müssen wir mit solchen Ereignissen wohl leben….. oder leben lernen!

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2 Responses to Eine Sporttasche

  1. LaRocca says:

    Ich habe deinen Blog seit einigen Wochen abonniert und bin von deinen Texten fasziniert. Ich will immer irgendeinen produktiven Kommentar abgeben, aber das fällt mir ein wenig schwer. Ich mag deine Art, wie du dir Gedanken über die Welt machst, wie sie z.B. in diesem Fall um diese Tasche kreisen und dann so weit darüber hinausgehen. Ich habe auch manchmal solche Gedanken, kann sie aber gar nicht in Worte fassen.

    Das wollt ich nur mal gesagt haben. 🙂

  2. kuschelpunker says:

    herzlich willkommen auf meinem blog!

    ich freu mich, dass ich dir mit meiner schreiberei ein wenig die zeit vertreiben kann. für komplimente ist ja jeder zu haben, oder?
    vielleicht schaffe ich es ja dich auch weiterhin so zu begeistern um noch den ein oder anderen kommentar von dir lesen zu können.

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