Die „Unantastbarkeit“ ist in Gefahr

Unantastbarkeit. Dies lange Wort ist im Sprachgebrauch vieler verankert. Einige haben es in ihrem aktiven, viele aber zumindest in ihrem passiven Wortschatz. „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ – heißt es da im Grundgesetz. Unantastbar. Dieses Wort strahlt große Macht aus. Unantastbar. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Unantastbar. Eigentlich ein schönes Wort, oder? Was bedeutet es aber?

 

Unantastbar ist als Bedeutung doch recht endgültig. Wenn etwas unantastbar ist, dann darf dieses nicht angerührt werden. In Indien sind Kühe unantastbar. Dies bedeutet nicht, dass man sie nicht berühren darf, sondern nur, dass sie etwas darstellen, dass als besonders wichtig betrachtet wird. Unantastbar ist nicht ausschließlich auf Hände bezogen. „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ – Würde kann man ja nicht greifen. Hier gilt, dass der Mensch etwas besitzt was nicht verletzt werden darf. Die Würde eines jeden Menschen ist da, sie darf ihm nicht genommen werden, ist praktisch sein Eigentum!

 

Als Unantastbar gilt häufig auch die Handlungsweise von Gesetzeshütern. Polizisten, Staatsanwälte und Richter. Sie alle wissen was Gesetze sind und für was sie niedergeschrieben wurden. Da werden die doch sicherlich auch eingehalten.

 

Jüngst war zu lesen und zu sehen, dass ein Polizist spontan und aus reiner Notwehr heraus einen jungen Mann, der sich auf der Flucht befand, mit einem vollen Magazin aus seiner Pistole niederstreckte. Notwehr? Sicher. Der Polizist stand neben dem Wagen, konnte gut hineinsehen und musste dennoch befürchten, dass der Mann nicht zum Schaltknüppel sondern zu einer Uzi greift. Vielleicht wollte er aber auch nur den armen Polizeibeamten, der „neben“ der Fahrertür stand, mal eben überfahren? Kann ja alles sein. Da wollen wir mal nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.

 

Schlimmer finde ich, dass ich heute einen Fall lesen musste, in dem eine Junge Frau einen Staatsanwalt anzeigt. Der hatte doch glatt vergessen einen erneuten Haftbefehl für einen mutmaßlichen Kindesvergewaltiger aus zu stellen. Die Mutter des Mädchens will einfach nicht einsehen, dass Staatsanwälte unfehlbar und ihr Berufsethos unantastbar ist. Was kann der denn dafür wenn der Verbrecher sich einfach mal so eben in die Türkei absetzt. Fluchtgefahr bestand ja eigentlich zu keinem Zeitpunkt. Wie kann man denn dann den Herrn Staatsanwalt wegen Beihilfe zur Flucht anzeigen? Eine Frechheit. Wenn das Schule macht ist ein ganzer Berufsstand in Gefahr und wir bekommen noch mehr Arbeitslose. So nicht liebe Klägerin.

 

Im Namen des Kuschelpunkers:

Nicht noch mehr Arbeitslose und akzeptieren Sie die Unfehl- und Unantastbarkeit eines ganzen Berufsstandes. Stellen Sie die Welt nicht auf den Kopf, denn sie ist doch so gut, wie sie sich uns darstellt, oder?

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6 Responses to Die „Unantastbarkeit“ ist in Gefahr

  1. Thearcadier says:

    „Stellen Sie die Welt nicht auf den Kopf, denn sie ist doch so gut, wie sie sich uns darstellt, oder?“

    Eigentlich schon. Penner wird es immer geben. Also auf auf – für mehr Optimismus. Darüber wed ich wohl auch mal bloggen…aber nicht mehr heute.

    Direkt zum Artikel:
    Was mich immer so furchtbar aufregt, sind diese Psychologen, die festlegen, dass jemand nicht mehr gefährlich ist. Und kaum isser draußen, baut er den nächsten Mist. Job failed! Aber – wie du schon gesagt hast – dann hätten wir ja noch mehr Arbeitslose und wer will das schon?

    In diesem Sinne

  2. kuschelpunker says:

    ja, es is toll oder? da entscheidet ein fachidiot über sein oder nicht sein und wenns schief läuft baden es unschuldige aus. so is sie, unsere welt. traurig aber wahr. optimismus muss vin herzen kommen, so einen zweckoptimismus kann ich mir nur schwer angewöhnen. da hab ich so meine problemchen mit, muss ich ja ehrlich zugeben.

  3. Thearcadier says:

    Och der kommt schon von Herzen, man muss sich nur ein wenig von der Panikmache der Gesellschaft oder der Medien entfernen, dann klappt das schon.

  4. kuschelpunker says:

    kann man das, kann man sich von der gesellschaft und den medien entfernen? ich zweifel doch ein wenig daran wenn ich ehrlich bin.

  5. Elke Ziegele says:

    Die Fachidioten richten viel Unheil an. Arno Holz zitiert dies sehr authentisch – Das größte Maul und das kleinste Hirn wohnen meist hinter derselben Stirn.
    Erschwerend kommt hinzu – Macht macht soziopathisch- , Macht macht nicht nur blöd, Macht sorgt auch dafür, dass sich der Charakter eines Menschen negativ verändert. (Interview mit Konstantin Wecker, trott war).
    Doch nicht genug mit dem Elend einer Gesellschaft, die irgendwie nur emsig MÄH macht…“Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.“ Einstein
    Da gibt es noch das Geschäft mit dem Recht, ein Wirtschaftszweig der sehr infrage zu stellen ist, wenn man bedenkt, dass die opulente Auswahl der Paragraphen ermöglicht, den Charakter ganz ordentlich zu verderben, um die Kostennote zu erwirtschaften.
    Aus Janosch „Gastmahl auf Gomera“… Ich muss ihm sagen, dass der berühmteste Jurist immer der gerissenste, der mit dem verschweintesten Charakter ist. Jener, der den Massenmörder mit Freispruch aus dem Gericht geleitet und zusätzlich noch eine Entschädigung für ihn rausholt. Ein Jurist mit Moral würde jeden Prozeß verlieren und wäre nach einem Monat aus dem Job raus…Wir hätten sehr viel Arbeitslose mehr, doch es könnte auch eine Chance für das Volk sein, denn es kommt noch schlimmer… die Bibel überliefert…Klugheit und Vorsicht beim Umgang mit Menschen, SIRACH,14, Prozessiere nicht gegen einen Richter; wegen seiner Stellung würde er auf jeden Fall Recht bekommen.
    Wieviel Willkür steckt in einem Richter/INNEN Spruch? Das Geschäft mit dem Recht, lässt sich sehr präzise mit einem gut florierenden Bordellbetrieb vergleichen. Doch dies wird tabuisiert, vehement geleugnet. Wenn man bedenkt wie Anwälte/INNEN die Kostennote erwirtschaften, wie ein Mandat servil ergaukelt wird, das läßt einen im Strahl kotzen. Doch die Krönung dieser sehr degoutanten Farce, mit Tendenz Volksverdummung ist der Spruch-
    IM NAMEN DES VOLKES – ist dies wirklich so? Hat das Volk Interesse, sich einem sehr infrage zu stellenden Wirtschaftszweig zu fügen, nur weil es eine Doktrin erfordert, sich einem Richterspruch/INNEN unterzuordnen, wenn man die Komplexität dieses Wirtschaftszweiges betrachtet. Abschließend ein Bild Witz, der dies reflektiert – Ein Inhaftierter übergibt einem Vollzugsbeamten einen Brief mit den Worten…bringen sie den meinem Anwalt, der bewohnt die Zelle nebenan. Sich Würde und Selbstachtung zu erhalten ist schwierig, man sollte nur nicht Mäh machen, damit Fachidioten und Größenwahnsinnige Nullen, wichtig und mächtig spielen können, weil es zu mehr einfach nicht reicht.
    In diesem Sinne, Servus und Tschüß, Elke

  6. kuschelpunker says:

    als erstes möchte ich dir mal ein meinen dank aussprechen – danke für die zeit die du „opferst“ um hier kommentare zu hinterlassen! – ist ja nicht der erste ausführliche kommentar von dir.

    nun aber zu deinem kommentar:

    die wirtschaftliche seite habe ich dabei gar nicht so in betracht gezogen, ist aber ein „netter“ weg das ganze zu beleuchten. brauchen wir im heer der arbeitslosen wirklich auch noch anwälte? ich für meinen teil kann gut darauf verzichten.
    „IM NAMEN DES VOLKES“ – ist oft genug eine gut vorgetragene lüge, da muss ich dir recht geben – leider! da werden urteile verkündet, die fein ausehandelt wurden, die im strafmaß, so fern es denn eins gibt, so gering snd, dass sich jeder normalbürger die haare rauft. „man müsse das besondere an diesem fall betrachten“ – hört man leider oft genug. der anwalt feixt sich ein und der zuhörer wundert sich verärgert, doch wen interessierts. der anwalt verdient seine 100er, das opfer weint, der täter freut sich und wir gucken, wie so oft, dumm aus der wäsche, weil wir einfach nichts mehr verstehen. jusitzia ist blind? ist es nicht so, dass wir uns RECHT kaufen können? die mit dem größten konto zahlen für einen anwalt so viel, dass der doch noch irgendwo ein schlupfloch findet, wo eigentlich keins ist/sein sollte und wir armen schlucker stolpern durch den gerichtssaal und verfehlen noch fast die tür vor lauter kopfgeschüttel! herzlichen glückwunsch germania, so ist´s „recht“!

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