Big Brother als Symbol einer verwahrlosenden Gesellschaft

Ein Dienstag morgen kann auch etwas belustigend ärgerliches haben. Musste ich heute feststellen. Nach einer unruhigen Nacht – mal wieder – schälte ich mich aus dem Bett. Wie so oft hängen die Gedanken am Abend davor. Was war passiert?

 

Ich sitze vor meinem Rechner, chatte durch die Gegend und da fällt mir ein, dass es eine neue Staffel Spanner-TV gibt. Ich zappe also in der Pause von den Simpsons mal so auf rtl2. Eine schwarzhaarige junge Dame übt sich im moderieren. Ich hab die vorher noch nie – na ja, jedenfalls nicht bewusst – im TV gesehen. Vielleicht sollte die nach hause fahren und vor dem Spiegel noch mal üben. Ich muss den Ton ausmachen. Schrecklich. Es gab aber anscheinend auch lustiges, ich habs natürlich nicht gesehen, denn die Simpsons gingen ja weiter, auf jeden Fall ging es rund um den roten Teppich zur Sache. Da wurde gegrölt, gelacht und fleißig die Arme mit Plakathochheben trainiert. Preisverleihung? Ich dachte eigentlich, dass die am Ende der Show kommt. – „Herzlichen Glückwunsch, sie haben den besten Gedankenstrip hingelegt und am meisten Haut gezeigt!“

 

Es gibt auch wieder 2 Bereiche. Einmal den Himmel und einmal die Hölle. Gut, dass hier nicht mit Klischees gespielt wird. Vor dem Einzug ins Haus gibt es eine „Chällänge“, 2 Kandidaten treten in irgendeinem Kindergeburtstagsspiel gegen einander an und wer gewinnt darf in den Himmel. Ach, hätte die Katholiken das nur auch so einfach. Als ich einschaltete war da eine 25 jährige, schwarze Haare, klasse Figur, die wohl ein Grund für hohe Quoten ist. Die Macher sind ja so berechenbar! Gibt es eigentlich schon wetten wann die sich das erste mal nackig macht? Ihre Kollegin im Himmel ist eine 20 jährige, nicht so schwarze Haare, dicklicher und mir gleich erstmal ne runde unsympathisch. Es gibt halt Menschen, die sieht man und man mag sie nicht. Keine Ahnung warum das so ist. Die kann dann noch so nett sein, interessiert einfach nicht. Egal, wegen ihr schau ich mir das auf jeden Fall nicht an. Immer mal wieder zappe ich auf den Sender, richtig fesseln kann mich der Kram aber nicht. Irgendwie ist mir das zu suspekt.

 

Komsich, dass sich jeder darüber aufregt, wenn es um Datenspeicherung geht, Kameras auf öffentlichen Plätzen, aber Big Brother auch mit dieser Staffel wieder top Einschaltquoten erzielen wird. Wir sind schizophren! Auf der einen Seite möchten wir unsere Privatsphäre im Schlafzimmer, leihen uns aber Titel wie „Der Nachbarin durch Schlüsselloch gespannt“ aus. Wir ärgern uns maßlos wenn uns ein Missgeschick passiert, schauen aber „Die lustigsten Videoclips“ vor dem heimischen TV. Was ist aus dem Motto geworden: Was du nicht willst das man dir tut, das tu auch keinem anderen an? – oder so ähnlich. Ich gebe ja zu, dass vieles beabsichtigt ist, aber nur von den Titeln her gesehen, ist da schon eine gewisse Perversion zu erkennen. Wir sind eine Spannergesellschaft. Eine Gesellschaft, die sich nur noch amüsieren kann wenn andere leiden. Es ist nur ein Verdacht, aber nicht so weit hergeholt, oder?

 

Neulich habe ich gesehen wie eine alte Dame in den Bus einstieg und neben mir in der Mitte stehen musste, weil Jugendliche ungeniert ihr Schwätzchen halten mussten und die Handtasche des einen Mädchens ja schließlich nicht auf dem Boden oder ihrem Schoß liegen konnte. Währe die alte Dame hingefallen hätten die anderen vielleicht sogar Beifall geklatscht? Die Vermutung liegt nahe. Es ist traurig, aber so ist es mit dem Werteverfall in dieser Republik gekommen. Ich bin kein überzeugter Christ, aber ein paar Werte find ich gar nicht mal so dumm und komischer weise sind auch nicht Christen nach ähnlichen Dogmen aufgezogen worden. Vielleicht sollte man anstatt Türkisch an deutschen Schulen zur Pflichtsprache zu machen, wieder mehr Ethik und Verhalten auf den Stundenplan holen. Kostet ja aber Geld und das hat man ja nicht. Na ja, warum auch mal eine Kosten- Nutzenrechnung aufstellen? Könnte ja bei rauskommen, dass etwas mehr in die Schule investiert, später weniger Kosten durch Verwahrungen von Tätern und/oder Krankenhausaufenthalte für Opfer entstehen würden. Könnt ja sein. Na ja, wenn interessierts da oben, die fahren bestimmt nicht Bus und Bahn, die nehmen sich lieber einen Jet und im Nahverkehr wartet der Chauffeur. Der arme Trottel, der sich als Lenker eines Mistkarrens fühlen muss.

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2 Responses to Big Brother als Symbol einer verwahrlosenden Gesellschaft

  1. Reizzentrum says:

    Willkommen in meinem Leben

  2. kuschelpunker says:

    danke, bin ich aber – in dem fall – nicht wirklich scharf drauf!

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