„ooooooooooohhhhhhhh……guck mal!“

Hoh hoh hoh…besser….Oooh oooh oooh!

 

Es weihnachtet sehr. Überall auf Stufen und Kanten sitzen Frauen, Kinder und Passanten. Doch verstohlen hinter dem Eingangstor schaut verschüchtert der Kuschelpunker hervor.

Am Freitag habe ich mich versehentlich, unwissendlich in die Höhle des Löwen gewagt. Ich dacht mir, ich verlasse mal meine vertraute Umgebung und bewege mich Richtung Innenstadt. Schnell was erledigen und dann Zeit überbrücken. Ich hatte etwa 2 Stunden, die ich mir irgendwie vertreiben musste. Begebe mich also mal ganz entspannt auf die Mönckebergstraße, besser gesagt auf eine der Nebenstraßen. Normalerweise ist das kein Thema. Die Straße ist breit, so breit, dass sie problemlos mit den Besucherströmen fertig werden kann. Nun ist aber eingetreten, was ich völlig verdrängt hatte. Es weihnachtet überall, so auch auf dieser Straße. Weihnachtsmarkt. Mitten auf der Straße blockieren Buden den Weg. Kurzzeitiger Schockzustand bei mir. Als ich mich wieder gefasst habe wage ich den Versuch mich auf die andere Seite der Straße zu begeben. Kein Durchkommen. Ich muss hier verhungern, denn zurück kann ich auch nicht mehr. Keine Chance. Auf eine Frau mit Kinderwagen folgt ein Pärchen, danach eine Seniorengruppe. Alles dicht gedrängt. Ich hänge fest. Mein eigentliches Ziel, den Haupteingang von der Thaliabuchhandlung habe ich längst aus den Augen verloren. Ich kämpfe ums Überleben. Ich erinnere mich, dass es einen Seiteneingang zur Buchhandlung gibt. Vielleicht ist das Glück mir hold und ich schaffe es irgendwie. Der Verzweiflung nahe wage ich den Versuch mich zwischen der nächsten „Ich habe die Kraft der zwei Herzen und muss das jetzt auch auskosten“ – Seniorengruppe und einem verliebten Pärchen durch zu drängen. Geschafft. Ich bin in der Seitenstraße und kann aufatmen.

 

30 Minuten später – Ich verlasse die Buchhandlung wieder. Währe ich reich, ich hätte den halben Buchladen leer gekauft. Die Kochbücher und Biographien mir unbekannter Menschen hätten da bleiben können. Ich stehe nun also am Eingang/Ausgang, vor mir die Kühle eines trockenen Wintertages und hinter mir eine Mischung aus Körperausdunstungen und Wärme. Rechts herum. Ich denke mir, ich muss ja noch ein Geschenk für meine Liebste finden, dass Kaufhaus mit dem großen K am Anfang ist mein Ziel. Ich reihe mich in den nicht endenden Wurm aus Menschen ein. Hinter mir höre ich ein lautes „OOOOOOOOOOOhhhhh guck mal!“ Mich umdrehend freue ich mich schon auf den Anblick meiner Freundin. Sie ist es nicht. Frauen reagieren wohl alle ähnlich wenn sie einen Stand entdecken an dem es funkelt, glitzert und klingelt. Ihren Freund erkenne ich, dass bin ich, nur 5 Jahre jünger. Eine Mimik zwischen „Muss das sein?“ und „Na gut, weil du es bist!“. Bestimmend, dennoch sanft zieht sie an seinem Arm. Der arme Kerl. Ich halte mich an der Häuserwand. Selbst den Obdachlosen ist der Trubel zu viel, ich sehe keinen einzigen. Meine Ohren erreicht eine Mischung aus Gebimmel, Gestöhne von gestressten Männern und Gegacker von angetrunkenen Frauen. Die Weihnachtsmarktindustrie hat sich darauf eingestellt. Einen Glitzerstand folgt ein Glühweinstand, dem folgt wieder ein Glitzerstand und vielleicht erwischt man dann mal einen Stand, der etwas Essbares verkauft. Vielleicht, wirklich nur vielleicht. Ich bemerke jetzt warum für uns Männer der Weihnachtsmarkt nur dann toll ist wenn wir wieder zu hause auf der Couch sitzen. – Am Glühweinstand verkaufen sie kein Bier!

 

Als ich das Kaufhaus mit dem großen K erreiche, blicke ich noch schnell nach rechts. Der Horror ist komplett. Von einem Weihnachtsmarkt zum Nächsten. In der Kaufhalle gestresste Frauen. Ich glaube, die können sich einfach nicht entscheiden ob sie das funkelnde Etwas mit Lila- oder Grünstich haben wollen. Die hinterher trottenden Männer strahlen Resignation aus. Es hat keinen Sinn sich zu beschweren, keinen Sinn auch den Anflug eines Prostest zu verkünden. Diese Männer sind gebrochene Männer. Seelenlos folgen sie, Lemmingen gleich, der Shoppingwut ihrer Frauen.

Ich habe nichts Ansprechendes gefunden, nicht für jetzt. An einem anderen Tag werde ich wieder kommen. Dem zähflüssigen Verkehr folgend bewege ich mich auf das Rathaus zu. Es nimmt kein Ende. Schon wieder ein Weihnachtsmarkt. Am Eingang steht eine riesige Tanne, ein Schild verrät mich, dass die Stadt Trondheim sie gespendet hat. Für mich nicht wirklich relevant, aber wer es mag. Eine Gruppe ausländischer Touristen fotografiert fleißig. Sie sehen nicht asiatisch aus. Ich gehe abwärts in die U-Bahn. Schon wieder, oder besser, immer noch kreuzen Pärchen meinen Weg. Es ist klar zu erkennen wer auf dem Weg nach hause und wer auf dem Weg zum Weihnachtsmarktbummel ist. Ich grinse mir einen.

 

Nachdem ich so den Freitag, er wurde von einem sehr guten Auflauf und ein wenig Vino abgerundet, verbracht habe kann das Wochenende ja kommen. Das Supertalent hab ich nur 20  Minuten geschaut. Mehr ging einfach nicht. Dass war dann vielleicht auch der Grund warum mehr als eine Flasche Wein sich in meinen Körper und den meiner Freundin verirrt hat. Egal, es hat geschmeckt.

Da wir uns am Sonntag erst abends aus dem Haus begeben haben, fiel ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt in meiner Umgebung leider aus. Ich bedauere es ja soooo seeeeehr, kann euch gar nicht sagen wie. ….höhöhö

 

Mal sehen wie lange ich mich noch davor drücken kann. Hab demnächst mit meiner Freundin zusammen Urlaub, ob ich ihr dann einfach sage, dass die Weihnachtsmärkte alle ausverkauft sind?…… Von heut auf morgen sind keine Arbeitslosen mehr da, kann also auch keiner mehr auf dem Weihnachtsmarkt arbeiten!… Der BND warnt vor besuchen auf Weihnachtsmärkten, die Terrorgefahr ist dort am höchsten!…. Durch die Klimaerwärmung ist es zu warm für Weihnachten und die Märkte müssen abgebaut werden, da sie ohne das eigentliche Fest keinen Sinn mehr ergeben. …. Irgendwas wird mir schon noch einfallen.

 

Vorschläge für Ausreden bitte zu mir!!!!!

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