„Auf der Reeperbahn nachts um halb eins….

….ob du ein Mädel hast oder Karl-Heinz… „so ähnlich klingt ein sehr bekanntes und oft kopiertes Lied aus alter Zeit. Ein Hit auf jeder Party, ein Hit in jedem Suff.

 

Samstag Nachmittag. Ich mache mich ausgehfein. Heißt nix anderes als mal kurz ein paar Wassertropfen auf meine Haut fallen lassen, zur Not auch gerne die Dusche aus der Dose, ein wenig rasieren und los geht’s. Verabredung mit meiner Liebsten. Voller Bus, vollere S-Bahn. Ich sitze einem jungen lesenden Mädel gegenüber. Nach 2 Stationen steigt eine Mutter mit ihrem Sohn ein. Der Kleine sieht aus wie ein Ball mit 2 Beinen, ist aber so cool, dass er sich nicht festhalten braucht. Will der Kegeln und er ist der Ball? Egal, ich schau in ein genervtes Gesicht, denn der Kleine Kerl hat den Mumm das Mädchen mir gegenüber unverhohlen an zu starren. Hauptbahnhof. Ich muss raus. Die junge Frau auch. Sie schaut immer noch genervt, aber auch ein wenig erleichtert. Dass der Junge zwischenzeitlich auch noch seine 2 Handys aus der Jackentasche zog um damit zu prahlen versteht sich ja schon fast von selbst.

 

Treffen mit meiner Freundin und ihrer Schwester. Einen kleinen Einkauf erledigt, was währe  ein Samstagabend ohne Alkohol, Essen in den Ofen und die Kauf-DVD angemacht. Alles schön flauschig. – Wer jetzt wieder auf eine Zusammenfassung von der RTL-Sendung mit dem TötensenDieter hofft, den muss ich leider enttäuschen. Auch die Wiederholung ging an mir vorüber. Jetzt können die ja alles was, da wird der Scheiß dann einfach nur noch doof und langweilig. – Nette Unterhaltung gehabt, bei der ich erneut feststellen durfte, dass Frau immer noch auf den Männerbausatz von LEGO hofft. Hätte es den Kasten an dem Abend schon gegeben, ich währe heute ein ganz anderer!

 

Es ist finster im Land, liegt nicht nur an Berlin. Ein paar vereinzelte Wolken, kein Regen und angenehm frische Luft ohne all zu viel Kälte. Schnell noch einen Burger auf die Faust und ab in die U-Bahn. Für alle, die nicht aus der Hansestadt Hamburg sind, wir haben hier mehrere Arten von Bahnen, wobei die Unterschiede auch mir manchmal nicht unbedingt offensichtlich erscheinen. Nur ein paar Stationen und dann wird die Bahnart gewechselt. Kurzer Fußweg, alles überdacht falls es mal regnen sollte. Andere Bahn. „Wegen Bauarbeiten fahren die Züge heute Nacht nur unregelmäßig.“ – Wunderbar! Ein Blick in die Bahn, der Entschluss sich da noch mit rein zu quetschen. Es ist kuschelig. Es ist warm. Es ist stickig. Jemanden mit Blähungen möchte man hier nicht stehen haben. Jeder Wagon sieht so aus. Die Türen können sich grad noch schließen. Nächste Station. 1 Fahrgast subtrahiert sich aus der Menschenmenge im Abteil. Wir stehen. 1 Minute. 2 Minuten. 3 Minuten. Die Türen sind offen. Ein wenig Frischluft. Vor mir steht ein Mädchen, von der Körpergröße her vielleicht auf Brustkorbhöhe. Wenn überhaupt. Sie versprach zu pfeifen wenn sie keine Luft mehr bekommt. Sehr nett, kann sie im Notfall doch noch alleine gehen. 4 Minuten. Die Bahn rührt sich nicht. Ein junger Mann steht vor unserem Wagon und schreit einem Kumpel auf dem Bahnsteig zu, dass hier noch Platz sei. Schallendes Gelächter. Nachdem er 3 mal rief erklärt ihm dann ein Mitfahrer, dass er sich das klemmen sollte. Bei dem Versuch in diesem Wagon ein zu treten würde er sich das Gesicht an einer Faust platt drücken. Mir und meiner Freundin wird es zu bunt. Wir verlassen den Wagen in der Hoffnung nur ein paar Schritte zu einer anderen Bahn machen zu müssen. Vielleicht nehmen wir auch den Bus. Nix is. Keine Bahn und der Bus fährt auch erst in 20 Minuten. Keine Regentropfen. Wir entscheiden zu Fuß zu gehen. Bis zur Reeperbahn ist es nicht so weit. Geschafft, wir sind an der Reeperbahn. Zu unserer Rechten der sich leerende Dom.

Menschenmassen. Eine Bar, ein Kiosk, ein Sexshop und das ganze von vorne bitte! Anspannung, denn der Gehweg ist voll. Am Rande immer mal wieder ein Schnorrer mit seinem Hund. Eine Mütze mit Kleingeld. Nicht drauftreten, mögen die Jungs so richtig gar nicht. An den Bankautomaten lange Schlangen. Von Rezession ist hier jedenfalls nichts zu spüren. Wieder ein Sexshop. Die verlangen sogar Eintritt. – bekommt man aber wieder wenn man was kauft! – Ist nicht viel, aber so bekommt man auch noch den ein oder anderen Oiro rein. Sicherheitspersonal muss ja eh bezahlt werden. Leute kommen aus solche Shops mit unauffällig auffälligen braunen Plastiktüten. Haben die die Wärmflasche mit Plüschpenis gekauft? Könnten aber auch die Pantoffeln mit Brüsten vorne dran sein. Wenn ich mir den Kerl so anschaue wird es bestimmt ein Heftchen und eine DVD sein und wenn nicht will ich es auch lieber gar nicht wissen.

Wir nähern uns der Großen Freiheit. Es ist bald geschafft. Nur noch diese eine Straße mit dem komischen „Beatles-Platz“ davor. Ich hab die merkwürdigen eisernen Gerippe erst nicht erkannt und für bekloppt erklärt. Na ja, man hätte es vielleicht auch alles besser erkennen können, wenn nicht überall die grünen Partybusse des Polizeisportveins „Grün-Weiß Knüppel auf den Sack“ geparkt hätten. Nun noch die letzte „Lounge“ und ich brauch eine Kippenpause. Man hat sich ja nicht mal getraut sich ne Zigaretten an zu zünden aus Angst irgendwer könnte sich angemacht fühlen. Komisch ist nur, dass ich keine Nutte da gesehen habe, oder liegt das daran, dass weibliche Besucher den Prostituierten immer ähnlicher werden. Ja. Ich habs gesehen. Hätte mich nicht gewundert wenn die mich gefragt hätte ob ich mit meiner Freundin nicht mal was Neues ausprobieren möchte.

 

Das Feuerzeug an die Zigarette. Der erste Zug tut gut. Ich habe das Gefühl einer lauwarmen Sommernacht in mir. Schal und Mütze stören das Empfinden nicht im geringsten. Ich werde gut schlafen können in der Nacht.

Sonntag. Ein ausgiebiges Frühstück. Ein wenig fernsehen. Der leidige Weg von meiner Freundin weg. Wieder volle Bahn. Ich bin schnell. Letzter Sitzplatz. 40 Minuten später zu hause. Rechner an, Fernseher an. Videotext – Deutsche stehen auf Kuscheln –  Die Umfrage haben sie bestimmt Samstagabend in der Bahn und auf dem Kiez gemacht!

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: