Tag der deutschen Einheit

Was für eine Welt! Eine Welt wo ein Land feiert weil sich ein anderes in Luft aufgelöst hat. Doch was genau haben wir gefeiert?

Die Einwohner des alten Landes feiern den steigenden Absatz ihrer alten Autos, ihre Mehrausgaben und eine, nie gekannte, Lieferknappheit. Die Anderen feiern die Vernichtung ihrer Arbeitsplatzsicherheit, die Auflösung ihrer günstigen Mietverträge und die besondere Freude von Karies, der ja fast schon als Zeichen des Wohlstandes gilt. Ja, wir alle haben einen Grund zum feiern. Leider können oder müssen wir uns aber auch ärgern. Es gibt eben auch immer eine Schattenseite.

Manchen Dinge mussten wir auch aufgeben. Da ist zum Beispiel das Abenteuer eine Grenze mit Selbstschussanlage zu passieren, die Langeweile sich immer nur mit etwa 60 Mio. Einwohnern rum zu ärgern, die einem die Produktknappheit nie garantieren konnten, aber dennoch die Preise konstant hoch hielten. Schon bitter wenn man auf solche Dinge verzichten muss.

Na ja, die neuen Einwohner unseres Landes hatten es ja auch nicht gerade einfach. In ihrem Land war die Gesetzestreue fast schon garantiert. Schließlich gab es fast mehr ehrliche Mitarbeiter des Beobachtungsdienstes, als Arbeiter und Bauern in dem Staat. Ich glaube auch die vielen netten Unterhaltungen mit den Nachbarn während des Schlangestehens wird vielen fehlen. Wo sollen denn jetzt die Neuigkeiten von den Nachbarn herkommen?

Vielleicht war die Auflösung eines bankrotten Landes, mit Einwohnern die Angst vor der fremden Welt hinter den Landesgrenzen hatten – sonst hätten sie bestimmt mal das Land verlassen – , doch keine so gute Idee. Vielleicht hätte man auch einigen Menschen, speziell jungen Eltern erzählen sollen, dass jetzt alles einfach wird, denn jetzt können sie ihre Kinder selber erziehen. Da ist nichts mehr mit einer staatlichen Ganztagsversorgung, jetzt darf wieder jeder Elternteil selber für seinen Nachwuchs sorgen. Sehr schön, nun gibt es zwar keinen Sündenbock mehr, aber nun darf man selber Fehler machen und daraus lernen. So muss eben jeder Verzicht üben, aber zum Glück haben wir ja auch einiges an positiven Dingen mitgenommen!

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