Ich liebe mein Leben

Es ist wieder Montag. Eine neue Woche, eine neue Zeit der Arbeit und des Missvergnügens (natürlich nicht für alle!). Träge bemüht man die morschen Knochen aus der Pfurzmuhle. Noch schnell das Fell von der Zunge geputzt, die Haut mit Wassertropfen benetzt und dann raus in die kalte Wildnis des Berufsverkehrs. In meinem Fall heißt das, dass ich mich auf den Weg zum Bus mache. Müde Augen sehen in das Licht des Taschendrachen, die Zigarette glüht. Endlich. Während sich meine Lunge mit Rauch füllt blicke ich auf eine nicht enden wollende Blechlawine. Die Gesichter genervt, die Hände angespannt, der Fahrstil unruhig. Der Viehtransporter fährt vor, ich steige ein. Junge Mädchen um mich rum, jede mit einem anderen Duft. Ich glaube mir wird schlecht. Sparsamkeit ist nicht angesagt, die Nase sieht mit, oder wie? Die Gespräche höre ich nicht, wird eh nur jugendliches Kauderwellsch sein. Bin ich schon so alt? Meine Station ist erreicht. Der Bus leert sich, ein Wurm von Lemmingen zieht sich bis zur S-Bahn im Untergrund der Stadt. Es ist noch voller als der Bus. Ist das ein 12 jähriger mit nem Döner vor mir? Frühstück? Mir wird wieder schlecht. Ich treffe einen Arbeitskollegen. Wir nicken uns zu. Bloß kein Gespräch. Morgenmuffel! Eine Bahn fällt aus. Der Bahnsteig wird voller. Aggressive Jugendliche mischen sich mit verärgerten Berufstätigen. Hosen hängen im Schritt fast bis zum Boden, daneben ein Junger Mann mit Kulturstrick und einem Café mit irgendwas. Neumodisches Zeug. Coffee to go eben. Es fährt ein Beförderungswurm in die Station ein. Menschenmassen sind schon drin. Keine Chance auf Zuwachs der Menschenpopulation im Inneren. 2 Leute raus, 2 neue wieder rein, schon schließen sich die Türen. Erneut drängen sich Schüler und Arbeitende in die Bahnstation. Ein Kinderwagen, das Kind schreit. Verständlich, würd ich jetzt auch gerne machen. Bei mir sieht es aber etwas komisch aus. Doof! Ich finde einen Platz wo ich nicht umgerempelt werde. Die nächste Bahn. Ein neuer Versuch von mir einen der begehrten Plätze im Inneren zu ergattern. Ich bin chancenlos. Selten habe ich Schüler so übereifrig dabei erlebt zur Schule zu kommen. Wenn reine Armkraft nicht ausreicht wird einfach die übergroße Handtasche – erinnert mich ein wenig an meine Komode zu hause – in die südliche Region meines Körpers bugsiert. Es schmerzt ein wenig. Keine Entschuldigung. Warum auch? Schließlich findet sich durch einen komischen Zufall die Möglichkeit von dem chef aufgegabelt zu werden. Es ist schon fast 8 Uhr, ich komme zu spät. Im Wagen des Chefs werde ich auf letzte Woche angesprochen. Ich war krank. Kurz vor unserer Ankunft, es ist inzwischen fast 8.20 Uhr, erklärt er mir dann noch, dass ich heute neue Kollegen einarbeiten darf. Klasse!

Welch ein toller Montagmorgen. Wie wird dann wohl die restliche Woche werden? Ich wage es nicht mir aus zu denken. Ich liebe mein Leben! Ich Liebe es besonders an jedem Montagmorgen.

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2 Responses to Ich liebe mein Leben

  1. Reizzentrum says:

    SEHR schön erzählt. Du solltest öfters deinen montäglichen Enttäuschungsfrustzorn, gepaart mit den Nachwehen des Wochenendes zu elektronischem Ersatzpapier bringen… 🙂

  2. kuschelpunker says:

    das schlimme ist, dass ich statt „montag“ auch „dienstag“ oder „mittwoch“ schreiben könnte. wenn ich zuviel davon erzähle, habe ich die befürchtung das ich arbeitslose züchte. wer will sich das denn freiwillig antun? soviel geld kann einem doch gar nicht bezahlt werden, oder?

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