Mein neues Berufsziel

Ist es nicht schön Fehler machen zu dürfen? Man sagt ja immer, dass man daraus nur lernen kann. Na ja, einige unverbesserliche nicht, aber Ausreißer gibt es ja immer. Als ich ein kleiner Kerl war, gefühlt nicht größer als ein Maulwurfhaufen, hat man mir alle Fehler verziehen, denn ich sollte ja noch lernen. Super Sache das! Wenn man jedoch älter wird, dann kommt es hin und wieder mal vor, dass einem nicht mehr verziehen wird. Soll angeblich zum Erwachsenwerden dazu gehören. Doof, aber so soll es wohl sein.

Eines schönen Tages ist es dann soweit und man zeigt der Lehranstalt einen, nicht immer sauberen, Mittelfinger. Blöd nur, wenn man anschließend in eine Ausbildung geht und der Mist mit dem Gehorchen immer noch nicht aufhört. Passiert aber ja mal. Auch hier werden einem noch einige Fehler verziehen, denn man lernt ja immer noch. – Böse Zungen behaupten man tue das ein Leben lang! – Im geregelten Berufsleben kann ein Fehler gerne mal zur Kündigung führen. Da darf man dann nicht mehr lernen.

Mit dem Arbeitslosenbescheid in der Tasche versucht man dann erstmal sein neues Leben zu ordnen. Viel Zeit hat man dafür nicht, denn Geld wird irgendwann im Monat zur Mangelware. Der nette Arbeitsvermittler versucht einem Jobs in der erlernten Berufssparte auf zu drängen. Nett, oder? Leider ist von ihm folgender, von mir sorgsam ausgearbeitete, Lebensplan nicht berücksichtigt worden:

2 Monate spann ich noch aus. Während der Zeit werd ich dann mal schaun welche Führungspositionen zu vergeben sind. Denn eines ist mir klar: Ich bin ein Mensch und Menschen machen Fehler. Immer wieder neue und immer wieder welche die Folgenschwer sein können. Doch es muss auch einen Job geben wo ich gut dabei wegkomme. Ich habe ihn gefunden. Ich will Manager einer Bank werden! Wenn ein Schalterangestellter eine Münze verliert muss er das aus eigener Tasche blechen, oder wird gar gefeuert. Ich hingegen kann dann mal eben über 300 Millionen vernichten und werde sogar noch mit zusätzlicher Freizeit und einer ordentlichen Abfindung belohnt. Schwupps, keine Geldsorgen mehr und viel Freizeit um den Hobbies nach zu gehen. Der Pleitegeier wird einen großen Bogen um mich machen und die Frauen werden sich mir aufdrängen.

Ob ich dem Angestellten des Arbeitsamtes mal von meinen Plänen erzählen sollte? Vielleicht wird er mich dann auslachen, vielleicht auch gleich einweisen lassen, aber ich hätte seinen Tag erhellt. Bedauerlicher weise wird er mir höchstens einen Umschulungskurs anbieten, einen den er auch 200 anderen Leuten aufgeschwatzt hat. Ist ja auch logisch, denn in anderen Berufsgruppen fehlen ausgebildete Fachkräfte, deswegen bauen wir uns mal 200 auf Vorrat. Gut, kann natürlich sein, dass vielleicht 10% einen Arbeitsplatz in dieser Sparte bekommen, denn Unternehmen sind gerne mal flexibel und strukturieren so um, dass tatsächlich der ein oder andere dort arbeiten kann. Meinen Vermittler auf dem Arbeitsamt freud das, denn er kann seine Quote verbessern. Dabei will ich ihm gerne helfen, denn ich darf jetzt einfach nicht so egoistisch sein, muss auch mal an andere denken. Macht mir ja nichts, denn vielleicht bin ich bald bei einer Bank um sein Geld zu verschleudern, da kann ich ihm jetzt keine Arbeitslosigkeit schenken. Wessen Geld soll ich denn sonst verpulvern?

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